Bayern sind nervös und angefressen: Hoeneß packt Titelgarant Effenberg in Watte
zuletzt aktualisiert: 20.11.2000 - 16:07München (dpa). Mit überbetonter Gelassenheit und einem extremen Vertrauensbeweis für Stefan Effenberg versucht der angeschlagene Fußball-Riese FC Bayern München vor dem Start in die Zwischenrunde der Champions League nach außen Ruhe zu bewahren.
Zwei Tage vor dem Heimspiel am Mittwochabend gegen Außenseiter Olympique Lyon stellte sich Manager Uli Hoeneß demonstrativ vor die in der Bundesliga schwächelnde Mannschaft und erklärte den nach langer Verletzungspause um seine Form ringenden Regisseur Effenberg sogar zum unverzichtbaren Titelgaranten. «Um ganz Großes zu leisten, brauchen wir den Stefan. Ohne ihn können wir die Champions League oder Meisterschaft nicht gewinnen», sagte Hoeneß.
Der ehemalige Stürmer zeigte sich am Montag überzeugt davon, dass sich die aktuelle Schwächephase des Münchner Star-Ensembles, das sich am Samstag im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (1:2) bereits die fünfte Niederlage in der Bundesliga geleistet hatte, nur mit Geduld beheben lasse. «Das Problem wird sich lösen, wenn Stefan Effenberg, Jens Jeremies und Mehmet Scholl wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sind», versicherte Hoeneß im Brustton der Überzeugung. Eine klare Absage erteilte er möglichen kurzfristigen Neuverpflichtungen.
Gereizt und trotzig zugleich versuchte Oliver Kahn, die für die Bayern außergewöhnlich hohe Zahl von sportlichen Misserfolgen klein zu reden. «Wenn die Saison zu Ende ist, wird man darüber lächeln», befand der Nationaltorhüter. Die aktuelle Formkrise sei allenfalls eine «temporäre Erscheinung» und keinesfalls bedenklich. «Wir werden wieder deutscher Meister werden. Davon bin ich überzeugt», so Kahn.
In der Außendarstellung wird ein aufkommendes Reizklima konsequent abgelehnt. «Dass wir uns gegenseitig anmachen, wird es bei uns nicht geben», bemerkte Kahn. Den Kurs von Trainer Ottmar Hitzfeld, intern Tacheles zu reden und Spieler nicht öffentlich an den Pranger zu stellen, begrüßte der stellvertretende Kapitän ausdrücklich: «Ottmar Hitzfeld ist kein Trainer, der irgendwelche Leute zum Fraß vorwirft. Er bleibt sachlich.»
Trotzdem sind die Bayern nervös, verunsichert und angefressen. «Wen soll ich in die Pfanne hauen?», antwortete Kahn gereizt auf bohrende Fragen nach Gründen und Schuldigen zum Beispiel für die ungewohnten Abwehrschwächen. Als gebranntes Kind («Ich brauche niemanden durch den Strafraum zu schütteln») will er nicht in aller Öffentlichkeit ein leistungsförderndes Reizklima forcieren, obwohl er zugab: «Es wäre vielleicht gut, wenn etwas mehr Theater und Feuer in die Mannschaft käme.»
Bis Mittwoch wird offenbar zunächst darauf vertraut, dass in der Champions League bislang alles rund lief. «In der Champions League läuft es planmäßig, in der Bundesliga tun wir uns schwer. Deswegen bin ich überzeugt, dass wir gegen Lyon gewinnen werden», sagte Kahn. Erst wenn das Saisonziel Nummer eins in Gefahr geraten sollte, wird es beim FC Bayern mit der Gelassenheit auch öffentlich vorbei sein.
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