Kritik in Jeremies: Hoeneß zu Matthäus: Wechsel war sein größter Fehler
zuletzt aktualisiert: 06.05.2000 - 17:58Hamburg (sid). Nach Ansicht von Uli Hoeneß hat Lothar Matthäus mit seinem Wechsel zu den New York/New Jersey MetroStars den "größten Fehler seines Lebens gemacht". In einem Interview mit der Welt am Sonntag erklärte der Manager des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München: "Das sage ich nicht erst jetzt, weil es sportlich für die MetroStars nicht so gut läuft, sondern das habe ich ihm schon immer gesagt."
Hoeneß bestreitet nachdrücklich Matthäus' Auffassung, er wäre nie nach New York gewechselt, wenn man sich mehr um ihn bemüht hätte: "Das ist Schwachsinn. Wir haben diese Gespräche von unserer Seite immer zu zweit oder zu dritt geführt. Und in diesen Gesprächen hat er uns immer nur gesagt, ich kann aus dieser Geschichte nicht mehr raus." Ein mögliches Comeback durch einen eventuellen Sinneswandel des Länderspiel-Weltrekordlers schloss Hoeneß definitiv aus: "Dann würde ich ihm sagen, Lothar, wir freuen uns alle auf dein Abschiedsspiel am 26. Mai. Aber für die neue Saison müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen."
Auch mit Jens Jeremies ging Hoeneß in die Kritik. Mit seiner Attacke gegen die Nationalmannschaft ("jämmerlich") habe er zwar eine "ehrliche Zustandsbeschreibung" abgegeben: "Das war ja fast ein Hilfeschrei. Er hat ja zuvor versucht, die Probleme intern anzusprechen, aber hatte das Gefühl, damit nichts zu erreichen." Dennoch sei der Zeitpunkt der Kritik falsch gewesen: "Er ist damit erst nach dem Kroatien-Spiel an die Öffentlichkeit gegangen, obwohl er selbst dort nicht dabei war."
Zu viel Harmonie im Team
Hoeneß verteidigte nachdrücklich das zögerliche Verhalten der Bayern in der Transferpolitik: "Das Geschäft hat sich verändert. Nach dem Bosman-Urteil haben fast alle Spieler langfristige Verträge. Diese Spieler kannst du nur holen, wenn du dich mit dem abgebenden Verein einigst. Und inzwischen warten fast alle Klubs bis zum Saisonende ab, ehe sie ihre Spieler verkaufen. Es sei denn, du machst die Geldtasche unendlich weit auf. Und das machen wir nicht."
Für Hoeneß ist inzwischen zu viel Harmonie im Bayern-Team: "Alle verstehen sich gut, es gibt keinen Krach, alle sind mit ihren Verträgen zufrieden. Wir brauchen auf jeden Fall wieder mehr Spannung." Dennoch sei es richtig gewesen, mit fast allen Leistungsträgern vorzeitig zu verlängern: "Wenn du noch in allen drei Wettbewerben aktiv bist, kannst du nicht für viel Geld neue Spieler holen und zu deinem alten, schlechter bezahlten Personal sagen: Gewinnt bitte schön."
Seinen früheren Spruch, Leverkusen werde auch in hundert Jahren die Meisterschaft nicht gewinnen, bedauert Hoeneß nicht: "Ich war auch diese Saison nach dem 4:1-Sieg im direkten Duell überzeugt, dass wir den Fünf-Punkte-Vorsprung bis ins Ziel retten werden. Leider haben wir dann zu viele Punkte verschenkt. Wobei ich sicher bin, dass wir auch jetzt noch vorne wären, wenn Leverkusen die gleiche Anzahl von Champions-League-Spielen hätte absolvieren müssen."
Spieler verdienen bei Erfolg sehr gut
Hoeneß erklärte, dass er im Fall einer Leverkusener Meisterschaft der erste wäre, "der meinem Kollegen Reiner Calmund gratuliert". Mit ihm verbinde ihn ein "außergewöhnliches Vertrauensverhältnis. Wenn wir beide das Gefühl haben, ein interessanter Spieler will uns gegenseitig auspokern, telefonieren wir uns zusammen und tauschen auch konkrete Zahlen aus." Mit Leverkusens Trainer Daum verbinde ihn dagegen nichts: "Wir haben weder ein gutes noch ein schlechtes Verhältnis. Ich habe mit Daum noch nie fünf Worte privat gesprochen."
Hoeneß nahm auch Stellung zu den Gehaltsstrukturen der Bundesliga: "Bei den Gehältern thront über allen Borussia Dortmund, dann kommt Leverkusen, dann erst wir. Unsere Spieler können nur bei Erfolg durch unsere sehr hohen Prämien auf das Bayer-Niveau kommen."
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