Krise bei Borussia Dortmund: Homm: "Dann heißt der Verein künftig eben FC Dortmund"
zuletzt aktualisiert: 17.02.2005 - 13:18Dortmund (rpo). Jetzt kommt's ganz dick für die Fans von Borussia Dortmund: Großaktionär Homm schreckt anscheinend nicht einmal vor einer möglichen Umbenennung des Vereins zurück, um so die prekäre wirtschaftliche Lage des Vereins zu beheben. Klar scheint jedenfalls: Sollte der Traditionsclub aus dem Ruhrpott seine Finanzkrise nicht zügig bewältigen, ist sogar die Lizenzerteilung durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) für den einstigen Champions-League- und Weltpokalsieger in Gefahr.
Bis zum 15. März müssen die Lizenzierungs-Unterlagen bei der DFL abgegeben werden. Grund für die extreme wirtschaftliche Schieflage des mit 98 Millionen Euro verschuldeten Klubs seien neuerliche Verluste in Höhe von 27,2 Millionen Euro in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres per Stichtag 31. Dezember 2004, schrieb die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA in ihrer Ad-Hoc-Mitteilung, worauf der Aktienkurs am Donnerstag zwischenzeitlich um 25 Prozent bis auf unter zwei Euro abstürzte.
Homm schliesst im Zusammenhang mit der schwierigen Finanzlage die Ergreifung unpopulistischer Maßnahmen nicht kategroisch aus. Die an den Gerling-Konzern verpfändeten Rechte am Namen und am Vereinslogo des BVB stören ihn nicht, zur Not will er den schwarz-gelben Traditionsklub einfach umbenennen. "Dann heißt der Verein künftig eben FC Dortmund", sagte Homm dem Wirtschaftsmagazin Capital.
Die Schwarz-Gelben mussten unterdessen weitere Besorgnis erregende Bilanzdetails bekannt. Unter Berücksichtigung der Verluste aus den Vorjahren seien rund 79 Prozent des eingezahlten Kapitals der Aktionäre in Höhe von 179,5 Millionen Euro "durch Verluste aufgezehrt". Gleichzeitig gebe es derzeit keine finanziellen Mittel, um die Verpflichtungen von 29,7 Millionen Euro im laufenden Halbjahr zu erfüllen, da die Investoren für die Abwicklung des Stadionrückkaufs noch nicht gewonnen werden konnten. Falls Sanierungsmaßnahmen ausbleiben, sei für das gesamte Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von insgesamt 68,8 Millionen Euro zu rechnen.
DFL zeigt sich besorgt
Bisher hielt sich die DFL mit Äußerungen zur prekären Situation beim sechsmaligen deutschen Meister zurück. "Allerdings beobachten wir die Entwicklung in Dortmund aufmerksam und mit großer Sorge", sagte Mediendirektor Tom Bender auf sid-Anfrage.
Noch am Donnerstag hatte Hans-Joachim Watzke, seit drei Tagen als Nachfolger des zurückgetretenen Gerd Niebaum Geschäftsführer der Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), im kicker-Interview auf die Frage, ob er ein Himmelfahrtskommando antrete, erklärt: "Das muss ich zurückweisen. Wir stecken in einer schwierigen Lage, das ist bekannt. Aber unsere Probleme sind lösbar. " Doch die finanzielle Notlage scheint sich erneut zugespitzt zu haben.
Wie das Handelsblatt erfahren haben will, hat der Londoner Finanzier Stephen Schechter seine Kontakte zu Borussia Dortmund endgültig abgebrochen und nannte einen Vertrauensbruch der Dortmunder Geschäftsführung als Grund für das Ende der Verhandlungen.
Die Dortmunder befinden sich aufgrund der äußerst knappen Finanzmittel in ständigem, nach Einschätzung des Managements konstruktivem Dialog mit den Gläubigern, um den gegenwärtigen Engpass dauerhaft zu überwinden. In diesem Zusammenhang hat der BVB von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RolfsPartner ein Sanierungskonzept erstellen lassen. Voraussetzung für die Umsetzung sei aber die Zustimmung aller Finanzgläubiger.
Die wirtschaftliche Situation des BVB sei auf jeden Fall bedrohlich, so Homm: "Es geht ums wirtschaftliche Überleben." Im Notfall würde er aber mit einer Finanzspritze einspringen: "Im Falle einer möglichen Illiquidität ist Geld vorhanden - aber nur unter härtesten Bedingungen."
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