| 16.12 Uhr

"Doch das hilft uns gewaltig weiter"
Hrubesch sieht U21 mit Schwächen

Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen
Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen FOTO: dpa, pse fpt hak jhe
Paderborn. Im ersten von zwei EM-Härtetests präsentierte sich die deutsche U21 engagiert, aber sehr fehlerhaft. Trainer Horst Hrubesch war nach dem Remis gegen Italien dennoch hochzufrieden.

Mit breitem Grinsen stapfte Horst Hrubesch in die Pressekonferenz und scherzte fröhlich mit den Journalisten: Der deutsche U21-Trainer, mitunter in bester Tradition seines legendären Hamburger Lehrers Ernst Happel auch nach Siegen ein großer Grantler, war diesmal nach einem Remis bester Laune. "Ich bin hochzufrieden", sagte Hrubesch nach dem 2:2 (0:1) im EM-Härtetest gegen Italien: "Dieses Spiel hilft uns ganz gewaltig weiter."

Hrubesch war zwar keineswegs entgangen, dass es beim insgesamt doch recht fehlerbehafteten Auftritt gegen den Rekordeuropameister am Freitagabend in Paderborn noch mächtig im Gebälk der DFB-Junioren knirschte, die bei der Euro in Tschechien (17. bis 30. Juni) den Titel holen möchte.

"Aber genau dafür habe ich diese schweren Tests vereinbart - damit wir sehen, wo wir stehen", sagte Hrubesch: "Ich kann auch gegen Liechtenstein spielen und 8:0 gewinnen - das hilft mir nur nicht weiter." Zumal die beiden Länderspiele gegen Italien und am Montag (20.45 Uhr/Eurosport) in Middlesbrough gegen England bereits die letzten vor der EM sind.

"Gegen solche Gegner muss man was riskieren. Da darf man nicht zurückziehen und ängstlich sein, wie wir es teilweise heute waren", sagte Hrubesch, der in Paderborn personell vieles ausprobierte, gesetzten Spieler wie Max Meyer oder Emre Can eine Pause gönnte, dafür unter anderem Arsenals Debütant Serge Gnabry testete.

Gegen die keineswegs groß aufspielenden, aber physisch starken Italiener fing sich das DFB-Team zweimal einen unnötigen Rückstand durch den Kopfball von Marcello Trotta (38.) und den Freistoß von Simone Verdi (78.) ein. "Wir haben dumme Fehler gemacht, legen den Italienern die Tore vor", sagte Kapitän Moritz Leitner dem SID: "Das müssen wir unbedingt abstellen. Es geht nur mit 100 Prozent."

Leitners Elfmetertor (85.) rettete immerhin ein Remis, nachdem zuvor bereits Leonardo Bittencourt (56.) einmal ausgeglichen hatte. "Es war nicht unser bestes Spiel - als Test aber super", sagte Bittencourt - denn auffällig wurde nämlich in Paderborn, dass es noch drei größere Baustellen gibt.

Im Abschluss braucht der DFB-Nachwuchs schlichtweg zu viele Chancen, Kevin Volland in Halbzeit eins und Philipp Hofmann nach der Pause agierten glücklos. Volland zog sich zudem eine Wadenprellung zu, die Reise nach England machte der Hoffenheimer ebenso wie der ohnehin nicht für einen Einsatz eingeplante Keeper Bernd Leno (Kieferprellung) nicht mehr mit.

In der Abwehr um Weltmeister Matthias Ginter mangelte es an Abstimmung - der in Dortmund in die zweite Mannschaft abgerutschte Ginter blühte im Adler-Trikot immerhin ein wenig auf, die Aussicht auf die EM lässt ihn den tristen BVB-Alltag vermissen: "Ich will unbedingt dieses Turnier spielen und auch gewinnen", sagte der 10-Millionen-Mann.

Schließlich kam der Spielaufbau aus dem zentralen Mittelfeld nicht wirklich in die Gänge - Hrubesch macht dies derzeit die meisten Sorgen. "Mir geht es darum, dass ich Positionen doppelt und dreifach besetzen kann. Das Einzige, wo ich da Probleme bekommen könnte, ist die Zentrale", sagte der 63-Jährige: "Aber nachher habe ich da auch wahrscheinlich die Qual der Wahl. Heute haben Geis/Leitner gespielt, beim nächsten Mal könnten Can/Meyer auflaufen oder Can/Goretzka. Ich habe Optionen."

Und deshalb konnte sich Hrubesch in Paderborn mit einer für ihn höchst befriedigenden Erkenntnis in den Feierabend verabschieden: "Wenn alles an Bord ist, dann haben wir eine gute Mannschaft, die um den EM-Titel spielen kann."

(sid)
 
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