Nach Fußball-Katastrophe in Ägypten: Al-Ahli-Profis wollen nie wieder spielen
zuletzt aktualisiert: 02.02.2012 - 19:11Kairo (RPO). Nach der Krawall-Katastrophe mit mehr als 70 Toten in Ägypten haben die Fußballer des betroffenen Ligaklubs Al-Ahli angekündigt, nie wieder spielen zu wollen. Al-Ahli ist der mit Abstand bekannteste und erfolgreichste Klub des Landes und wurde allein 36 Mal Meister.
"Es ist vorbei. Wir haben alle eine Entscheidung getroffen, dass wir nie wieder Fußball spielen werden", sagte der Torhüter des Kairoer Vereins, Scharif Ikrami, dem Fernsehsender ONTV laut einem Bericht von "Bild.de". "Da sind Leute vor unseren Augen gestorben. Wir können überhaupt nicht daran denken", sagte der Keeper.
Bei der Partie im Stadion von Port Said hatten gewaltbereite Zuschauer den Rasen gestürmt und auch Jagd auf die Spieler gemacht. Auch Ikrami wurde bei den blutigen Ausschreitungen verletzt. Al-Ahli ist der mit Abstand bekannteste und erfolgreichste Klub des Landes und wurde allein 36 Mal Meister.
Der deutsche Trainer Michael Krüger kennt den ägyptischen Fußball aus seiner Zeit bei Al-Masri. Dort war er 1998 angestellt. Krüger wundert sich nun über die Eskalation der Gewalt: "Ich habe in Ägypten nie wirkliche Ausschreitungen erlebt, musste nie Angst haben. Ich persönlich glaube nicht, dass das eine reine Fan-Geschichte ist", sagte Krüger dem Bericht zufolge. Dass viele Emotionen im Spiel sind, hat aber auch er beobachtet: "Die Fans in Port Said sind schon heißblütig. Aber ihr Feind ist Nachbar-Klub Ismaily. Da dürfen Fans nie zu Auswärtsspielen reisen. Gegen Al-Ahli gab es nie Ausschreitungen."
Der jüngste Gewaltexzess im ägyptischen Fußball war auch nach Ansicht von Fan-Forscher Gunter A. Pilz das Ergebnis von politischen Machtspielen. "Das hat weniger, fast gar nichts, mit typischen Fußball-Auseinandersetzungen zwischen Fans zu tun. Der Fußball in seiner großen Attraktivität wird hier benutzt, um politische Brutalitäten und Machtspiele durchzuführen", sagte der hannoversche Universitätsprofessor der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. "Ich hoffe, dass Menschenrechts-Organisationen, Vereinte Nationen und Zivil-Gesellschaften nun massiv Druck auf die Machthaber ausüben. Das darf sich nicht wiederholen."
In Ägypten entließ Premierminister Kamal Al-Ganzouri in einer ersten Reaktion nach einer Krisensitzung des Kabinetts am Donnerstag die gesamte Spitze des nationalen Fußballverbandes. Zudem nahm Al-Ganzouri das Rücktrittsgesuch des Gouverneurs von Port Said an. Die Regierung ordnete drei Tage Staatstrauer an.
In der Stadt am Suezkanal marschierte Militär auf, um die Gefahr weiterer Krawalle zu bannen. Die größte Ausfahrtsstraße wurde abgeriegelt. Am Nachmittag mussten die Sicherheitskräfte jedoch Tränengas einsetzen, um die Demonstraten zurückzudrängen. Tausende hatte sich vor dem Innenministerium versammelt.
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