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Deutscher Fußballer in Brasilien
Baumjohanns Abenteuer beginnt mit einem Kälteschock

Alexander Baumjohann: Brasilien-Abenteuer beginnt mit einem Kälteschock
Alexander Baumjohann diskutiert – noch im Hertha-Trikot – mit einem Schiedsrichter. Nun versucht er sein Glück in Brasilien. FOTO: afp, GUENTER SCHIFFMANN
Curitiba. Nach zwei Kreuzbandrissen sucht Alexander Baumjohann in Brasilien, der Heimat seiner Ehefrau, neues Glück. Doch der Start verlief für den ehemaligen Berliner ungewohnt.

Sein erster Arbeitstag in Brasilien begann für Alexander Baumjohann eher typisch deutsch. In Thermowäsche unter dem grünen Trainings-Outfit drehte der 30-Jährige auf dem Klubgelände des neuen Arbeitgebers Coritiba Foot Ball Club ein paar Runden. "Ich hätte nie gedacht, dass es in Brasilien einen so kalten Ort gibt", sagte der ehemalige Bundesligaprofi von Hertha BSC bei seiner Vorstellung.

Der Winter hatte die Temperaturen in den letzten Tagen in Curitiba, der kältesten Landeshauptstadt in Brasilien, auf unter zehn Grad Celsius fallen lassen. Und dennoch: "Ich bin sehr glücklich, hier zu sein", sagte Baumjohann und versprach: "Es ist schon lange her, dass ein Deutscher in Brasilien gespielt hat. Ich will hier Geschichte schreiben."

Höhepunkte sind dem einstigen Junioren-Nationalspieler in Deutschland für sein Talent zu selten gelungen. So wie bei seinem ersten Bundesligatreffer am 30. August 2008, einem Traumsolo über den halben Platz im Trikot von Borussia Mönchengladbach, das gleich zum Tor des Monats gekürt wurde. Nur ein Jahr später wagte das Talent den Sprung zu Bayern München, schaffte aber weder dort, noch anschließend bei Schalke, in Kaiserslautern oder zuletzt in Berlin den Durchbruch.

Mit den Bayern wurde der gebürtige Waltroper 2010 Meister und Pokalsieger, gewann ein Jahr später mit Schalke erneut den DFB-Pokal. Doch in elf Jahren Profifußball kommt Baumjohann gerade einmal auf 97 Erstliga-Einsätze, den letzten am 7. Mai 2016. Auch weil ihn zwei Kreuzbandrisse aus der Bahn warfen. In der vergangenen Saison durfte er gar nur dreimal für Herthas Zweite in der Regionalliga Nordost ran.

Baumjohanns Frau ist Brasilianerin

Zeit für einen Tapetenwechsel, mit dem er lange liebäugelte. Baumjohann ist mit einer Brasilianerin verheiratet, spricht fließend Portugiesisch, hat eine Wohnung in Belo Horizonte mit Blick auf das Stadion von Atlético Mineiro und entdeckte seine neue Heimat schon 2005 auf Einladung des damaligen Schalke-Stars Lincoln.

Der heutige Spielerberater war es auch, der seinem Freund die Tür bei Coritiba aufstieß. Wie auch die in die Bundesliga, als Baumjohann am 25. Februar 2006 beim 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg als Einwechselspieler für Lincoln sein Debüt gab. Aus der Schalker-Zeit kennt er Bayern-Außenverteidiger Rafinha, der selber beim CFC gespielt hat und Trainer Pachequinho im Januar den Tipp gab. Die letzten Zweifel beseitigte ein Gespräch mit Trauzeuge Dante.

Die schweren Knieverletzungen und die geringe Spielpraxis sind jedoch auch in Brasilien kein Geheimnis. Und so schirmt der Klub seinen Neuzugang nach der ersten Pressekonferenz bewusst vor kritischen Fragen und Interviews ab.

Und hofft, dass sich Geschichte wiederholt. Anfang der 1940er-Jahre brillierte der Deutsche Hans Breyer im Abwehrzentrum, musste sich aber bei einem Finale gegen Stadtrivalen Atlético Paranaense als "Coxa Branca", weißer Oberschenkel, beschimpfen lassen - und verhalf dem Verein, der das "o" aus dem alten Stadtnamen beibehalten hat, so unfreiwillig zum Spitznamen.

Für Brasilianer ist Baumjohann nicht einfach auszusprechen, "Coxa Branca" schon eher. Auch wenn diese noch wärmend unter der Thermowäsche verborgen sind.

(sid)
 
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