Proteste in Frankreich: Amateurverein suspendiert schwulen Fußballer
zuletzt aktualisiert: 09.09.2010 - 12:28Düsseldorf (RPO). Seit seinem 14. Lebensjahr schnürte der Verteidiger Yoann Lemaire für seinen Verein die Fußballschuhe. Jetzt hat ihn der FC Chooz vom Spielbetrieb ausgeschlossen – weil er homosexuell ist. Der Protest in Frankreich ist groß.
Homosexualität ist im Fußball ein großes Tabu-Thema. "Es scheint so, als seien wirtschaftliche Zwänge die Ursache für die Geheimniskrämerei", sagt der Universitäts-Professor Ellis Cashmore. Der FC Chooz hingegen nannte andere Gründe für die Verbannung des Spielers. Man habe Lemaire vor Problemen mit seinen Teamkamaraden schützen wollen, da sich einige Akteure des Amateurvereins bereits im vergangenen Jahr negativ über Schwule geäußert hatten.
"Genauso schlimm wie Rassismus"
Lemaire ist bislang einer der ganz wenigen Fußballer, der sich als homosexuell geoutet hat. Von der Entscheidung seines langjährigen Klubs ist er tief betroffen. Auch die Schwulen-Organisation Paris Foot Gay (PFG) fordert eine Bestrafung des FC Chooz durch den nationalen Fußball-Verband FPF.
Es gehe in erster Linie darum, dass die Ethikkomission des Verbandes der Fußballwelt zeigen müsse, dass Homophobie "genauso schlimm ist wie Rassismus oder Antisemitismus", zitiert der "Spiegel". Die Sportstaatssekretärin Rama Yade sprach sich ebenfalls für Maßnahmen gegen den Klub aus der kleinen Gemeinde an der Grenze zu Belgien aus.
Ob Lemaire selbst rechtliche Schritte gegen seinen Auschluss einleiten will, wisse er noch nicht. "Wozu soll das gut sein? Ich will aber, dass die Ministerien, der Verband und Paris Foot Gay gemeinsam die Homophobie bekämpfen." PFG stellt derweil die erste Mannschaft, in der hetero- und homosexuelle Männer offiziell in einem Team spielen.
Außerdem erstellte die Organisation eine Charta, mit der sie gegen die Diskriminierung von Schwulen kämpft. Die französischen Erstligisten AJ Auxerre, Paris Saint-Germain und der OGC Nizza unterzeichneten diese bereits.
Einer britischen Umfrage zufolge ist Homosexualität im Fußball nichts ungewöhnliches. 27 Prozent der Profis, Trainer und Schiedsrichter kennen demnach mindestens einen homosexuellen Kicker persönlich.
"Es gibt weltweit ungefähr 500.000 Profi-Fußballer, aber bislang hat sich kaum einer öffentlich geoutet", sagt Cashmore. Gleichzeitig betont der Professor, das ein Coming Out "den Karrieren von Künstlern, Musikern oder Sportlern nur selten geschadet" hat. "Ganz im Gegenteil: Den schwulen Fußballern, die sich als erstes outen, wird ein enormes Vermarktungspotenzial zugerechnet", erklärt Cashmore.
Auch in der Bundesliga entbrannte zuletzt eine Diskussion um die Aussagen von Ballack-Berater Michael Becker. Dieser hatte die Nationalmannschaft vor der WM in einem Interview mit einem "Spiegel"-Journalisten als "Schwulen-Combo" bezeichnet.
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