Sieg im Derby zum Einstand: Daum hat mit Brügge noch Großes vor
zuletzt aktualisiert: 21.11.2011 - 15:00Brügge (RPO). Am Ende hielt es Christoph Daum nicht mehr auf seinem Platz. Wild gestikulierend trieb der 58-Jährige seine Mannschaft nach vorne. "Das ist ein guter Neubeginn. Für mich ist das Ergebnis das Wichtigste", sagte Daum nach dem 1:0-Sieg seines FC Brügge im Stadtderby gegen Cercle.
Ein erfolgreicher Einstand für den ehemaligen Bundesliga-Trainer in seiner neuen belgischen Heimat. "Wir müssen Resultate einfahren", sagte Daum, denn bis zur Winterpause wolle man weiter Punkte sammeln, um näher an die Spitze zu rücken.
Daum hat in Brügge offenbar Großes vor. Der kriselnde 13-malige Meister beendete durch den Auftaktsieg unter Daum eine Durststrecke von zuvor sechs sieglosen Pflichtspielen, von denen gleich fünf verloren gingen. "Zu Null spielen, das war erst einmal das Wichtigste", sagte Daum, der seiner Mannschaft eine defensive Grundordnung verpasst hatte. Die hielt der Tabellenvierte diszipliniert ein, vergaß darüber aber zunächst die Offensive.
Sehenswerter Siegtreffer
Für Daum ein klares Kopfproblem. "Am Ende hat man gesehen, dass viele nicht wieder ein Tor kassieren und Punkte abgeben wollten, was in den letzten Wochen ja oft der Fall war", sagte Daum. In der zweiten Halbzeit habe sein Team dann den zweiten Schritt gemacht und auch im Vorwärtsgang Druck gemacht. Der sehenswerte Siegtreffer des Marokkaners Nabil Dirar (54.) bescherte Daum 118 Tage nach seinem Rücktritt bei Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt ein gelungenes Comeback auf der Fußball-Bühne.
Und dort fühlte sich Daum sofort wieder pudelwohl. "Das liegt bei uns in der Familie. Meine Frau hat Schauspiel studiert und ich setze an der Linie einige Dinge um, die ich bei ihr sehr, sehr gut finde", sagte Daum. Seine Philosophie habe die Mannschaft zumindest von der Resultatsmentalität her verinnerlicht. "Viele denken an die schöne, offensive Spielweise. Aber das ist, als wenn du nur auf einem Fuß stehst. Die Defensive musst du genauso mit balancieren, dann stehst du mit beiden Füßen auf der Erde. Und ich möchte alle wieder erden", sagte Daum.
"Da habe ich als Trainer auch noch etwas zu arbeiten"
So weit sei seine Mannschaft aber noch nicht. "Da habe ich als Trainer auch noch etwas zu arbeiten, das ist doch auch schön", sagte Daum, für den das Derby dann doch eine neue Erfahrung war. In der Türkei erlebte Daum als Trainer von Besiktas und Fenerbahce Istanbul beinahe im Wochenrhythmus stadtinterne Duelle. "Derbys in der Türkei sind etwas ganz anderes, viel fanatischer als wir es heute gesehen haben", sagte Daum.
Trotzdem habe der Traditionsklub ihm einen unglaublichen Empfang bereitet. "Es war so, als wäre ich schon lange hier. Ich werde alles tun, um das zurückzugeben. Mit der Mannschaft können wir noch einige Erfolge feiern", versprach Daum. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter RSC Anderlecht. "Wir haben eine junge Mannschaft und wir werden nicht fehlerfrei spielen", sagte Daum, der von seiner Tochter nach dem erfolgreichen Einstand einen Glücksbringer geschenkt bekam. Brauchen kann er ihn allemal.
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