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Terrorpropaganda-Prozess in der Türkei
Deniz Naki wird überraschend freigesprochen

Deniz Naki: Fußball-Profi wird überraschend in der Türkei freigesprochen
Das Verfahren gegen Deniz Naki wurde eingestellt. FOTO: dpa, mc hak ljm nic
Istanbul. Riesenerleichterung bei Deniz Naki: Der frühere U21-Nationalspieler muss wegen seiner kritischen Facebook-Kommentare nicht ins Gefängnis.

Deniz Naki fiel seinen Anwälten erleichtert um den Hals, im Plenum jubelten seine Mitspieler über die überraschende Wende in einem vielbeachteten Prozess: Der frühere deutsche U21-Fußball-Nationalspieler muss nicht ins Gefängnis.

Die türkische Staatsanwaltschaft zog ihre Anklage wegen der "Verbreitung von Terrorpropaganda" am Dienstag in Diyarbakir zurück; das Verfahren wurde eingestellt. Dem Ex-Profi des FC St. Pauli und des SC Paderborn hätte bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren gedroht.

"Ich bin einfach glücklich. Damit habe ich nicht so schnell gerechnet. Ich hatte die Befürchtung, dass das Verfahren in die Länge gezogen wird und ich vielleicht sogar eingebuchtet werde", sagte der Deutsch-Türke kurdischer Abstammung der Bild-Zeitung. Zugleich betonte der frühere Zweitliga-Spieler, der vor dem Gerichtsgebäude von zahlreichen internationalen Journalisten empfangen wurde, sich immer im Recht gefühlt zu haben: "Ich bin froh, dass der Staat mir das bestätigt hat."

Dass sich Naki, der im Februar vom türkischen Fußball-Verband TFF für zwölf Spiele gesperrt worden war, so schnell wieder dem Aufstiegskampf beim Drittligisten Amed SK widmen kann, hatten die Prozessbeobachter nicht erwartet. Zur Überraschung vieler hat die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens gefordert, weil Nakis Aussagen von der Meinungsfreiheit gedeckt waren. "Der eigentliche Skandal ist ja, dass er überhaupt vors Gericht gezerrt worden ist", sagte Martina Renner von der Partei Die Linke dem SID.

Die Abgeordnete des Deutschen Bundestages war ebenso wie ein Gesandter der deutschen Botschaft in Südostanatolien vor Ort und ist sicher, dass auch die große Wahrnehmung des Falls in der Öffentlichkeit und der "mediale Druck" zu dem Ergebnis führten. Man könne dennoch nicht davon sprechen, dass der Rechtsstaat in der Türkei funktioniere, sagte Renner. "Die Repressionen gegen die Presse und die Opposition" durch die Regierung um Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan "gehen weiter".

Naki, der vor Prozessbeginn gerührt ein Shirt mit den Unterschriften der St. Pauli-Profis in Empfang nahm, hatte eigenen Angaben zufolge "mit dem Schlimmsten" gerechnet. Dem emotionalen Fußballer wurde konkret vorgeworfen, über Twitter und Facebook für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK geworben zu haben.

Er werde als "Staatsfeind, als Terrorist angesehen", gab er vor dem Termin am Dienstag an. "Aber ich gehe diesen Weg weiter, lasse mich nicht mundtot machen." Eine Flucht aus der Region, die immer wieder erschüttert wird vom IS-Terror und Kämpfen zwischen der PKK und dem türkischen Militär, komme für ihn nicht infrage.

Naki will den Menschen in Diyarbakir Hoffnung schenken und mit seinem Talent für Freude sorgen. Noch für den Abend plante er seine Reise nach Izmir. Um mit seinem Klub am Mittwoch im Duell gegen Bucaspor den nächsten Schritt Richtung Aufstieg zu machen.

(can/seeg/sid)
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