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Ex-Gladbacher in Piräus gelandet
Der langsame Abstieg des Marko Marin

Das ist Marko Marin
Das ist Marko Marin FOTO: AP, AP
Düsseldorf. 2009 trainierte Marko Marin in der Sportschule Barsinghausen mit der deutschen U-21-Auswahl für die Europameisterschaft in Schweden. Dort plante Marin den großen Durchbruch. Doch es kam ganz anders. Von Robert Peters

2009 wurde Barack Obama Präsident der USA. Das war ein historisches Ereignis. In der Nähe von Hannover träumte ein kleiner Kerl von Einträgen in ein viel kleineres Geschichtsbuch. Marko Marin, gerade 20 Jahre alt, immer noch erst 1,68 Meter groß und seit einem Jahr Bundesligaspieler bei Borussia Mönchengladbach, trainierte in der Sportschule Barsinghausen mit der deutschen U-21-Auswahl für die Europameisterschaft in Schweden. Dort plante Marin den großen Durchbruch.

Schließlich hatte er schon in der A-Nationalmannschaft bei Joachim Löw vorgespielt, und er rechnete mit einer goldenen Zukunft. Diese Rechnung ging schon in Schweden nicht auf. Marin spielte nur anfangs, dann musste er auf die Bank. In der Mannschaft, die den Titel gewann, liefen ihm Mesut Özil, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Sami Khedira, Jerome Boateng und Manuel Neuer den Rang ab. Sie wurden fünf Jahre später Weltmeister, von Marin sprach bereits niemand mehr.

Bei Marin lag Eberl daneben

Der Abstieg eines der größten Talente im deutschen Fußball begann schon bei dieser EM im Team von Horst Hrubesch. Seither hat Marin viele Versprechen abgelegt und reichlich Selbstbewusstsein an den Tag gelegt. Aber der Einschätzung seiner Wegbegleiter wurde er nicht mehr gerecht. Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl zum Beispiel leistete sich eines seiner wenigen Fehlurteile, als er voraussagte: "Marko wird ein Großer. Er hat diese Extraqualität."

Nun wechselt der Mann mit der Extraqualität nach Griechenland, zuvor war er vier Mal von seinem Verein FC Chelsea ausgeliehen worden. Nun versucht er bei Olympiakos Piräus den nächsten Neuanfang. In der griechischen Liga, die noch niemand zur europäischen Spitze gerechnet hat. Der 27 Jahre alte Offensivspieler bestätigte dem "kicker", dass er einen Dreijahresvertrag unterschrieben habe. Die Ablösesumme, die die Griechen an den englischen Erstligisten FC Chelsea zahlen, soll zwischen 2,5 und drei Millionen Euro liegen.

Vor vier Jahren konnte Marin sich das wahrscheinlich nicht vorstellen. Chelsea hatte ihn von Werder Bremen als eine Art Spekulationsobjekt geholt. In der sportlichen Führung des Londoner Klubs erinnerte sich vermutlich jemand an Videos mit Dribblings von Marin in der Mönchengladbacher Jugend. An unbeschwerte Auftritte in den ersten Profispielen. An ein Kerlchen, das mit seinen Tricks so manchen Abwehrrecken zu einer Karikatur machte. Marin könnte wieder in diese Rolle finden, so lautete die Wette in Chelsea. Sieben Millionen Euro blätterte der Klub dafür hin, Kleingeld.

Das Geld ist längst abgeschrieben. Bei Chelsea spielte Marin nur sechsmal, und der große Verleih begann. Der Spieler musste zum FC Sevilla, zum AC Florenz, zum RSC Anderlecht und zu Trabzonspor, jetzt ist das Kapitel mit dem Wechsel nach Piräus endgültig vorbei. Sein Abstieg lässt sich daran ablesen. Es sind Stationen des langsamen Scheiterns.

Bei Trabzonspor vom Training suspendiert

Natürlich wird Marin bei seiner offiziellen Vorstellung in Piräus von Hoffnungen reden, er wird seine neue Mannschaft loben. Und er wird erklären, wie gern er seine Fähigkeiten in den Dienst des Teams stellen wird. Das hat er bei den vorhergehenden Stationen ebenfalls getan. Es gehört sich so. Seine Bilanz war allerdings nicht gerade begeisternd. Für Sevilla spielte er immerhin 18 Mal, für Florenz so gut wie gar nicht, in Anderlecht hatte er sechs Auftritte, in Trabzon noch 24. Dort wurde er im April aber auch wegen "unzureichender Leistung" vom Training mit der Mannschaft suspendiert.

Piräus ist seine letzte Gelegenheit, den Fuß vielleicht doch noch mal in die Tür zu bekommen. Und bestimmt wird so mancher in diesen Tagen darauf hinweisen, dass der einstige Gladbacher erst 27 Jahre alt ist.

Das ist das Beste, was man zurzeit über Marko Marin sagen kann.

Quelle: RP
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