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Revolution in der Türkei
Elf der Namenlosen mischt Süper Lig auf

Revolution in der Türkei: Elf der Namenlosen mischt Süper Lig auf
Bursaspor sorgt in der Türkei für Furore. FOTO: AP
Düsseldorf (RPO). Verkehrte Welt in der türkischen Süper Lig: Nicht die üblichen Verdächtigen aus Istanbul, Galatasaray sowie Besiktas und Fenerbahce, sondern das Überraschungsteam Bursaspor marschiert in der Tabelle vorneweg. Und das mit einer Mannschaft voller Unbekannter. Von Benjamin Tonn

Meisterfeiern in der Türkei sind normalerweise eine Istanbuler Angelegenheit. Diese wurden in den letzten 25 Jahren unter den Rivalen fast brüderlich aufgeteilt (elfmal Gala, siebenmal Besikas und siebenmal Fener). Nur Trabzonspor (sechsmal) ist es in der türkischen Fußballgeschichte überhaupt gelungen, in die Phalanx der "großen drei" einzudringen.

Nachdem Sivaspor in den letzten beiden Jahren kurz vor dem Ziel gescheitert ist, macht sich in Bursaspor eine weitere Mannschaft auf, in die Geschichtsbücher zu gelangen. Acht Spiele vor Saisonende liegen die Grün-Weißen fünf Zähler vor Galatasaray und sogar sechs Punkte vor den anderen beiden Istanbuler Topklubs. Die Chance, dass am 16. Mai rund 70 Kilometer südlich des Bosporus' gefeiert wird, war nie zuvor so groß.

Leistung statt Namen

Das Geheimnis des grün-weißen Erfolgs ist die Geschlossenheit. Die Mannschaft kommt ohne Topstars aus, die besten Torschützen sind in Ozan Ipek und dem Argentinier Pablo Batella mit jeweils sieben Toren Mittelfeldspieler. Statt Harry Kewell, Daniel Güiza oder Bobo heißen die Spieler Volkan Sen oder Giani Stelian Kerita.

Die noch bekanntesten Namen im Heer der Namenlosen sind Sercan Yildirim, der mit seinen 19 Jahren bereits viermal in der türkischen Nationalmannschaft zum Einsatz kam und bereits Angebote aus England sowie der Istanbuler Konkurrenz vorliegen haben soll, und der viermalige tschechische Nationalverteidiger Tomas Zapotocny, pikanterweise von Besiktas Istanbul ausgeliehen.

Eine weitere wichtige Verbindung zu Besiktas sitzt auf der Trainerbank. Der erst 40 Jahre alte Ertugrul Sagram machte zwischen 1994 und 2000 167 Spiele (83 Tore) für den 13-fachen Meister und fungierte von Sommer 2007 bis zu seinem Rücktritt im Oktober 2008 als Cheftainer.

In Bursa brauchen sie keinen Daum, keinen Denizli, keinen Rijkaard: Sagram ist der Vater des Erfolgs. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2009 formte der 40-Jährige Bursaspor Schritt für Schritt zu einem konkurrenzfähigen Topteam. Träumereien lässt er dagegen nicht zu: "Wir denken immer nur an das nächste Spiel."

Saisonfinale gegen Besiktas

Der Bodenständigkeit und Nüchternheit der Klubführung steht allerdings die Euphorie und Begeisterungsfähigkeit der Anhänger gegenüber. Lange Zeit waren die Fanatiker von Bursaspor als die gefährlichsten Hooligans der Türkei bekannt. Dies ist jedoch Schnee von gestern. Nach Auswärtssiegen werden die Spieler gerne einmal auf den Schultern aus dem Mannschaftsbus getragen, Coach Saglam hat sogar eigene Fan-Lieder.

Erfolg muss eben genossen werden. Die Jahre zuvor dümpelte Bursaspor im Mittelmaß herum, musste sich nach dem Abstieg in der Saison 2003/04 sogar zwei Spielzeiten in der 2. Liga über sich ergehen lassen. Wie kurzweilig Erfolg sein kann, zeigt auch das Beispiel Sivasspor, die nach zuletzt zwei fetten Jahren aktuell um den Vergleib in der Süper Lig kämpfen müssen.

Am 31. Spieltag geht es für Bursa zu Galatasaray. Am besagten 16. Mai, dem letzten Spieltag, gastiert Besiktas zum brisanten Topspiel im Bursa-Atatürk-Stadion, welches dann vermutlich aus allen Nähten platzen wird. Auf ein Nervenspiel ist Saglam nicht scharf, lässt dann indirekt aber doch Titelambitionen durchblicken. "Ich hoffe, dass gewisse Entscheidungen schon vorher fallen und nicht in diesen 90 Minuten." Bursa träumt von einem historischen Erfolg.

 
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