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Fußball in der Türkei
Fans rebellieren gegen Christoph Daum

Daums prominente Vorgänger bei Fenerbahce
Daums prominente Vorgänger bei Fenerbahce FOTO: AP
Düsseldorf/Istanbul (RPO). Christoph Daum liebt die Türkei. Der 56 Jahre alte Fußball-Trainer liebt Land und Leute, arbeitet schon das vierte Mal in seiner Karriere in Istanbul. Doch nun wird es für Daum am Bosporus ungemütlich – die Fans fordern seinen Rauswurf.

Daums Klub Fenerbahce verlor am Sonntag das kleine Derby gegen Istanbul BB 1:2 (0:1) und liegt nun in der Tabelle mit 45 Punkten aus 23 Spielen nur auf dem dritten Rang. Zu wenig für die euphorischen Fener-Fans, die es zudem gar nicht gerne sehen, dass Erzrivale Galatasaray Istanbul mit dem niederländischen Trainer Frank Rijkaard vorneweg marschiert und bereits fünf Zähler Vorsprung hat.

Schon in der Winterpause deutete sich die Talfahrt der Blau-Gelben an: Anstatt für den Titelkampf und die Europa League aufzurüsten, ließ Daum in Nationalspieler Colin Kazim-Richards und dem ehemaligen brasilianischen Superstar Roberto Carlos zwei absolute Stützen ziehen. Geholt wurde nur Gökhan Ünal, seines Zeichens Torschützenkönig von 2005/06. Zuletzt konnte er sich bei Trabzonspor aber nicht mehr durchsetzen.

Nach dem Ausscheiden gegen den OSC Lille auf europäischem Parkett brachten die Rückschläge in der Liga das Fass zum Überlaufen. Der Vorstand geriet in die Schusslinie - und auch Daums Kredit am Bosporus scheint nach der Schlappe gegen den kleinen, nicht ernstgenommenen Lokalrivalen endgültig aufgebraucht.

Statt wie in guten alten Zeiten zum Deutschen, der bereits zwischen 2003 und 2006 bei den Kanarienvögeln an der Linie stand und zweimal die türkische Meisterschaft gewann, zu halten, riefen die aufgebrachten Fener-Anhänger nach Zico.

"I love you, Zico" hallte es durch das weite Rund. Der brasilianische Fußballlehrer und ehemalige Weltstar hatte Daum bereits bei seinem ersten Fener-Engagement beerbt, als der aus gesundheitlichen Gründen zum Saisonende das Handtuch warf. Zico wurde im Januar bei Olympiakos Piräus entlassen und ist derzeit auf Jobsuche.

In knapp vier Wochen steigt das wesentlich bedeutendere Stadtderby bei Widersacher und Spitzenreiter Galatasaray. Spätestens bis dahin sollte Daum mit Fenerbahce wieder in der Spur sein. Wenn nicht, könnte das Kapitel Daum in der Türkei diesmal ein abruptes Ende finden.

(can/born)
 
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