Interview mit Torsten Frings: "Ich fühle mich hier pudelwohl"
zuletzt aktualisiert: 05.10.2011 - 12:02Toronto (RPO). Ex-Nationalspieler Torsten Frings spielt seit einigen Wochen für den FC Toronto in der Major League Soccer (MLS) in Nordamerika. Im Interview spricht der 34 Jahre alte Ex-Bremer über seine Erfahrungen in den ersten Wochen und Monaten in Kanada und den USA.
"Torsten Frings, der Toronto Star hat sie jüngst als "on-field general" bezeichnet. Wie sehen Sie Ihre Rolle beim FC Toronto?"
Torsten Frings: "Ich möchte versuchen, den jungen Spielern zu helfen. Hier gibt man mir die Möglichkeit. Hier macht es Spaß, es ist ein großes Abenteuer. Man sieht mal eine andere Liga. Von daher bin ich froh, dass es im Moment so ist, wie es ist. Ich fühle mich unheimlich wohl hier. Es könnte nicht besser sein."
"Sie haben eben angesprochen, dass Sie gerne eine Art Leitfigur für jüngere Spieler sind. Ihren angeblich autoritären Führungsstil hat Philipp Lahm in seiner Biografie kritisiert. Wie gehen Sie damit um?"
Frings: "Wenn ich ganz ehrlich, habe ich auch nur in den Zeitungen gelesen, dass es da ein bisschen Kritik gab. Ich habe das Buch selbst nicht gelesen. Mich interessiert auch nicht, wie andere Spieler das sehen. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Ob man sie dann veröffentlichen muss in einem Buch, bleibt jedem selbst überlassen. Von daher ist es für mich nicht wichtig, was da erzählt wurde."
"Genießen Sie in dem Verein eine Art Sonderrolle als Aushängeschild?"
Frings: "Das weiß ich nicht. Ich möchte ein ganz normaler Spieler hier sein, der versucht zu helfen, meine Erfahrung weiterzugeben. Wir haben hier sehr viele junge Talente, die das auch annehmen. Und daher fühle ich mich hier pudelwohl."
"War Ihr Englisch anfangs ein Problem? Wie ist es mittlerweile?"
Frings: "Es ist sicherlich schon besser geworden. Die Jungs üben mit mir fleißig. Verstanden habe ich schon immer alles. Man hat eben auch ein bisschen Scheu am Anfang. Aber die Jungs unterstützen mich, von daher wird auch das immer besser."
"Wie lebt es sich hier abseits des Sports in der Freizeit? Haben Sie schon die amerikanischen Highways mit Auto und Motorrad unsicher gemacht?"
Frings: "Das war alles mal. Mit dem Alter wird man auch ein bisschen ruhiger, dann ist das alles nicht mehr so wichtig. Abgesehen davon darf man hier auch nur 100 km/h fahren auf der Autobahn. Das ist auch ein Riesenunterschied, an den ich mich auch erst dran gewöhnen musste. Aber ich fühle mich hier pudelwohl in Toronto. Niemand kennt einen. Das ist auch sehr positiv und ganz anders als in Deutschland. Von daher genieße ich das, hier unbeschwert durch die Straßen zu marschieren."
"Ihr Amerika-Faible schließt auch die traditionellen Sportarten mit ein, oder?"
Frings: "Ja, natürlich, hier gibt es ja alles. Du hast hier NHL, Baseball, die NBA, alles auch relativ schnell zu erreichen. Man kann natürlich alles machen, was Sport angeht. Aber Toronto ist eine Stadt, in der es niemals langweilig ist. Hier kannst Du immer was machen, hier gibt es immer was zu tun. Von daher passt das auch."
"Was sind die Vorzüge zum Leben in Deutschland? Und gibt es andersherum auch Dinge, die Ihnen fehlen?"
Frings: "Hier lebt es sich einfach ruhiger. Nicht viele erkennen einen. Das ist das Positive. Aber natürlich bin auch froh, wenn ich wieder in Deutschland bin. Wenn die Saison zu Ende ist, werde ich auch direkt nach Hause fliegen und da eine schöne Zeit haben, bevor es dann nächstes Jahr wieder weitergeht."
"Wie sehen Sie die MLS im Vergleich zur Bundesliga?"
Frings: "Es ist schon ein Riesenunterschied. Aber ich denke, es ist alles im Kommen. Überall, wo ich bisher war in den letzten vier Monaten, waren die Stadien immer voll. Das wächst hier alles langsam. Aber es wächst. Es macht unheimlich Spaß. Die Liga ist unheimlich schwer zu spielen. Es sind sehr, sehr weite Reisen, nach Los Angeles sechs Stunden zum Beispiel. Das zehrt unheimlich am Körper. Aber das Positive ist, man sieht unheimlich viel, kann sich alle Städte ein bisschen anschauen. Es ist schwer, hier eine gute Mannschaft zusammenzubauen, weil hier viel gewechselt wird. In den ersten zwei Wochen, die ich hier war, haben wir 12 bis 13 neue Spieler bekommen. Es ist deshalb schwer, zusammenzufinden. Von daher bin ich zufrieden, dass wir uns in den letzten Wochen ein bisschen gesteigert haben."
"Verfolgen Sie noch das Geschehen bei Werder?"
Frings: "Ja, natürlich. Werder Bremen ist mein Verein. Ich gucke fast jeden Tag nach, was es da Neues gibt. Ich freue mich unheimlich, dass es für die Jungs so läuft im Moment. Ich hoffe natürlich, dass es so weiterläuft, dass sie am Ende der Saison alles erreichen, was sie sich vorgenommen haben."









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