| 12.35 Uhr

Ex-Gladbach-Trainer in Nizza
Der rasante Abstieg des Lucien Favre

Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer
Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer FOTO: AP
Nizza. Im Sommer wurde Lucien Favre noch heftig von Borussia Dortmund umworben, nun befindet sich der Schweizer Trainer mit OGC Nizza mitten im Abstiegskampf im Frankreich. Noch erhält der ehemalige Trainer von Borussia Mönchengladbach Rückendeckung vom Klub.

Lucien Favre kniff die Mundwinkel zusammen und machte gute Miene zum bösen Spiel. Mit 0:5 (0:4) war der Schweizer Fußballlehrer mit OGC Nizza am Sonntag gegen Olympique Lyon unter die Räder gekommen, der Klub von der Cote d'Azur offenbarte teilweise Auflösungserscheinungen. Als aktueller Tabellen-18. der Ligue 1 befindet sich Nizza auf dem Relegationsplatz in akuter Abstiegsgefahr.

"Wir werden ihn nicht entlassen"

Doch der Klub will am ehemalige Berliner und Mönchengladbacher Bundesliga-Coach, der im Sommer auch von DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund umgarnt wurde, festhalten. Nizzas Klub-Präsident Jean-Pierre Rivais zerstreut alle Spekulationen: "Wir haben ihn im Sommer nicht freigegeben, und wir werden ihn auch jetzt nicht entlassen." Favres Vertrag bei OGC hat noch eine Laufzeit bis 2019.

Angesichts der derzeitigen Dortmunder Probleme könnte Favre über kurz oder lang aber doch wieder ein Thema am Borsigplatz werden. Aber vorerst will Nizza mit dem eigenwilligen Eidgenossen weitermachen. Favre resümierte nach der Klatsche: "Wir haben viel zu offen gespielt. Unsere Abwehr ließ sich zerschneiden wie Butter." Es gibt Erklärungsversuche für die abrupte Talfahrt und durchaus Parallelen zur Amtszeit des 60-Jährigen in Mönchengladbach.

Borussias Rettung 2011

Die Borussia rettete er nach seinem Amtsantritt im Februar 2011 als Nachfolger von Michael Frontzeck noch in die Relegation gegen den VfL Bochum. Danach gelang ihm der vierte Platz, Champions League-Qualifikation, dann das Ausscheiden gegen Dynamo Kiew, Überwintern in der Europa-League, Aus gegen Lazio Rom. Dann warf der Schweizer im September 2015 das Handtuch.

Seit 2016 ist er in Nizza tätig. In der vergangenen Saison wurde er sensationeller Dritter, Champions League-Qualifikation, Weiterkommen gegen Ajax Amsterdam, gescheitert aber am SSC Neapel. Wieder Europa League. Als Zweiter nach fünf Spieltagen schon wieder definitiv in der Zwischenrunde. Nizza hat acht Spiele mehr in den Knochen als alle anderen, die in der Ligue 1 unten drinstehen.

Auf dem Platz stellen Beobachter fest, dass im Vergleich zum letzten Jahr die kollektive Zusammenarbeit fehlt. Nach erfolgreichen Jahren haben die Klubchefs häufig die Tendenz, ihre besten Elemente gewinnsteigernd zu verscherbeln. Monaco ist ein typisches Beispiel.

So hat Nizza sechs Spieler an ausländische Klubs verloren, an Vereine wie Inter Mailand, den FC Porto, Juventus Turin, Dynamo Kiew, den AC Florenz, den FC Malaga. Rekrutiert wurden Spieler aus Frankreich und Wesley Sneijder von Galatasaray Istanbul. Der Niederländer ist mit 33 auch nicht mehr der Schnellste und beherrscht die Sprache nicht.

Da fällt es dem Ex-Mönchengladbacher und Ex-Bayern-Spieler Dante (34) auch immer schwerer, die Abwehr zu stabilisieren. Und Enfant terrible Mario Balotelli, der mit Vorliebe nur auswärts trifft, ist mit seinen Exaltiertheiten auch immer schwieriger zu integrieren, wenn ein Kollektiv zerbricht.

Keine leichte Aufgabe für Favre, die Luft an der Cote d'Azur wird für ihn immer dünner.

(sid)
 
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