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Financial Fair Play außer Kraft gesetzt
Uefa macht die Reichen reicher

Manchester City: Uefa macht die Reichen reicher
Prominentester Einkauf im Sommer: Raheem Sterling präsentiert den Fanschal von Manchester City. FOTO: ANDREW YATES
Düsseldorf. Vor einem Jahr hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) das Financial Fair Play eingeführt. Sie hat sich dafür dröhnend beglückwünscht. Endlich, so urteilte der damalige Präsident Michel Platini, herrsche eine Art finanzieller Chancengleichheit und sei ein Ende der hoffnungslosen Überschuldung im Wettbewerb um Titel und Siege in Sicht. Die Uefa hatte beschlossen, dass ihre Klubs nur ausgeben dürfen, was sie eingenommen haben. Das sollte ausdrücklich Ungleichgewichte durch besondere Zuwendungen von Investoren beseitigen. Von Robert Peters

Platinis Probleme mit besonderen Zuwendungen und juristisch nicht ganz so einwandfreien Geldströmen sind ihm inzwischen von der Ethikkommission des Weltverbands Fifa ordentlich bescheinigt worden. Sie sperrte ihn für acht Jahre für alle Tätigkeiten im Fußball, weil er nicht schlüssig begründen konnte, wofür er ein nicht korrekt verbuchtes Salär in Höhe von 1,8 Millionen Euro von der Fifa bezogen hatte.

Zuvor hatte der Präsident noch an einer bemerkenswerten Überarbeitung der Regeln des Financial Fair Play mitgewirkt. Neuerdings entgehen Klubs einer Bestrafung, wenn sie der Uefa frühzeitig selbst anzeigen, dass sie mehr ausgeben, als sie einnehmen werden. Gleichzeitig müssen sie einen Wirtschaftsplan vorlegen, der erklärt, wie die Schulden getilgt werden.

Das bringt dann die Investoren zurück ins Spiel, die mit großzügigen Zahlungen ausgeglichene Bilanzen hinbekommen. Und Uefa-Vizepräsident Gianni Infantino stellte plötzlich fest: "Wir haben immer gesagt, dass wir Investoren wollen, aber gute Investoren." Darüber freuen sich vor allem die Geldgeber von Paris St. Germain und Manchester City. In Paris pumpen Kataris Geld in den Klub. Und es ist kein Wunder, dass PSG-Präsident Nasser Al Khelaifi die überarbeitete Uefa-Regel ganz toll findet. "Wir sind nun in der Lage, uns auf dem Transfermarkt aktiver zu bewegen", erklärte er. Platini sagte: "Wir gehen von einer Phase der Sparpolitik in eine Zeit über, in der wir mehr Möglichkeiten für nachhaltiges Wachstum und Entwicklung bieten können." Tatsächlich aber schreibt die Uefa nur das Ungleichgewicht zwischen Klubs, denen ein Investor die Konten füllt, und Vereinen, die im Wettrüsten auf Verschuldung angewiesen wären, fort.

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade beklagte diesen Umstand beim Düsseldorfer "Spo-Bis-Kongress": "Der Gedanke des Financial Fair Play müsste viel energischer durchgesetzt werden. Wenn man bei ein paar großen Klubs genauer hinschauen würde, würde man sicher auch Ansätze finden, die gegen das Fairplay sprechen. Aber man schaut nicht hin, weil man die Vereine braucht."

Gegen jede Regel

Manchester City hat er nicht ausdrücklich genannt. Er hätte es allerdings tun können. Citys Besitzer aus Abu Dhabi wollen eine globale Marke aus dem Klub machen. Dafür wird ohne große Rücksicht auf Bilanzen und vermeintliche Regeln eingekauft. Im vergangenen Sommer zum Beispiel gewann der Verein den Bieterwettbewerb um den englischen Nationalspieler Raheem Sterling. 68 Millionen Euro zahlte ManCity für einen 20-Jährigen. Für den 24 Jahre alten Kevin De Bruyne blätterte Manchester rund 80 Millionen Euro hin. Da konnten nicht einmal die Bayern mithalten. Dass sie im Jahresumsatz (523 Millionen) vor City (475) liegen, ändert daran nichts. Das unterstreicht nur die Rolle des Investors aus Abu Dhabi – den Uefa-Vize Infantino wohl einen "guten Investor" nennen würde.

Es ist nicht auszuschließen, dass Pep Guardiola bei den Transfers des zurückliegenden Sommers gehört wurde. Mittlerweile steht fest, dass er im Juli des Jahres als Trainer bei City antreten wird – dem Vernehmen nach mit einem Jahreseinkommen von 20 Millionen Euro und 200 Millionen für den nächsten Einkaufsbummel. Auch bei diesen Summen müsste sein derzeitiger Arbeitgeber Bayern München passen. Er hat immerhin schon mal einen Sponsorenvertrag mit dem Flughafen Doha abgeschlossen. Ein bisschen Morgenland ist überall.

Quelle: RP
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