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Türkische Klubs rüsten auf
Kaufrausch am Bosporus

Porträt: Das ist Mario Gomez
Porträt: Das ist Mario Gomez FOTO: afp
Istanbul/Düsseldorf. Der türkische Fußball steckt in einer schweren Krise – die Klubs wollen sich nicht die Laune vermiesen lassen und investieren kräftig in neue Stars wie Mario Gomez, Lukas Podolski und Nani. Von Gianni Costa

Zur Vorstellung von Mario Gomez gab es einen festlichen Empfang. Ein paar tausend Anhänger von Besiktas Istanbul waren gekommen und jubelten dem 30-Jährigen zu. Es wurden Bengalos gezündet und gefeiert, als wäre der Klub gerade türkischer Meister geworden. Das sind die Erwartungen in den Angreifer. Gomez soll den Erfolg zurückbringen - die letzte Meisterschaft ist schon ein paar Jahre her (2009), und auch international zählt Besiktas eher zu den kleineren Nummern. In der neuen Saison ist es immerhin für die Europa League qualifiziert. Gomez ist so etwas wie ein Versprechen für eine bessere Zukunft.

In der Türkei werden derzeit mal wieder vieler solcher Versprechen gegeben. Der türkische Fußball steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Der Liga laufen die Zuschauer davon, viele Klubs drücken horrende Schulden. Das soll aber im Tagesgeschäft nicht weiter stören. Und so sind vor allem die drei Istanbuler Top-Vereine Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas in einem gehörigen Kaufrausch. Spieler mit großen Namen sollen den Erfolg zurückbringen. Das klappt in der Regel natürlich nicht, hilft aber, die heißblütigen Fans zumindest für eine Weile zu besänftigen.

Bei Besiktas ist man mächtig stolz auf den Transfer von Gomez. "Wir sind glücklich, dass wir einen solchen Star für den türkischen Fußball gewinnen konnten", sagt Vorstandsmitglied Erdal Torunogullari. Fenerbahce, der Konkurrent von der asiatischen Seite der Millionenmetropole, verpflichtete von Manchester United den Portugiesen Nani und den Niederländer Robin van Persie. Vor ein paar Tagen wurde sogar darüber spekuliert, Arjen Robben vom FC Bayern München könne einem Millionenangebot nicht widerstehen. Er konnte doch.

Es zeigt aber, mit welchem Selbstverständnis ans Werk gegangen wird - alles scheint möglich. Galatasaray hat immerhin schon einen Weltmeister verpflichtet: Lukas Podolski. Dort trifft Prinz Poldi auf Wesley Sneijder, bislang der klangvollste Name der Süper Lig. "Mit diesen Transfers wollen sich die Klubs einen Platz in der europäischen Fußballvitrine verschaffen", sagte der türkische Sportökonom Tugrul Aksar der Deutschen Presse- Agentur. Die Millionen-Einkäufe dürften die Lage nur verschlimmern. Transfers würden vor allem auf Pump finanziert, sagt Aksar - indem die Klubs künftige Einnahmen abtreten oder sich Geld von Banken leihen. Nur ein Viertel der Transferkosten werde durch Einnahmen erwirtschaftet.

Selbst in der Provinz wird ordentlich geklotzt. Antalyaspor zum Beispiel. Der Aufsteiger, finanziert von einem Gemüsehändler, lockte Samuel Eto'o (35) mit einer Millionengage ans Mittelmeer. Der Plan, den Brasilianer Ronaldinho zu verpflichten, scheiterte dagegen.

Für Gomez ist die Türkei die letzte Chance. Der AC Florenz leiht ihn zunächst für ein Jahr aus. Besiktas besitzt eine Kaufoption. 3,5 Millionen Euro verdient der Angreifer nach Klub-Angaben - etwa 1,5 Millionen weniger, als er angeblich bei seinem alten Arbeitgeber kassierte. Gomez will sich mit mehr Spielpraxis wieder für das Nationalteam empfehlen, sein Ziel ist die EM in Frankreich.

Ein großer Traum. Vielleicht ist er dafür genau am richtigen Ort.

Quelle: RP
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