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Major League Soccer
Die Liga der Alt-Stars

Fotos: Gerrard trifft für Galaxy
Fotos: Gerrard trifft für Galaxy FOTO: ap
New York. In der amerikanischen Major League Soccer spielen zahlreiche internationale Fußballgrößen wie Andrea Pirlo oder Steven Gerrard. Dahinter steckt eine große Marketing-Maschinerie – sportlich hinkt die Liga noch hinterher. Von Simon Janssen

Es war ein Vorwurf, den Don Harber keineswegs unkommentiert lassen wollte. Als Jürgen Klinsmann Ende vergangenen Jahres der US-amerikanischen Fußballliga die Qualität absprach, verteidigte sich der Boss der Major League Soccer auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. US-Nationaltrainer Klinsmann hatte die Entscheidung seiner Schützlinge Michael Bradley und Clint Dempsey, von Europa in die MLS zu wechseln, als "große Enttäuschung" bezeichnet. Bradley verließ den AS Rom, um sich Toronto anzuschließen, Dempsey wechselte von Tottenham Hotspur nach Seattle. Beide würden es künftig schwer haben, "ihr Niveau zu halten", sagte Klinsmann. Harper bezeichnete die Aussagen des früheren deutschen Nationaltrainers als "schädlich für die Liga".

Klinsmann trifft wunden Punkt

Pirlo wird bei Debüt in New York bejubelt FOTO: ap

Mit seinen Aussagen traf Klinsmann einen wunden Punkt. Seit der Weltmeisterschaft im eigenen Land 1994 heißt es zwar immer wieder, Fußball werde das nächste große Ding in den USA – die Fernsehquoten sprechen jedoch eine andere Sprache. Im Schnitt schauten 240 000 Menschen die Spiele der vergangenen Saison auf dem Spartenkanal ESPN 2. Verglichen mit den europäischen Topligen hinkt die US-amerikanische Fußballliga deutlich hinterher.

"Ich würde das Spielniveau mit dem oberen Drittel unserer zweiten Liga vergleichen. Es geht nicht ganz so schnell auf dem Platz zu wie hier", sagte Torsten Frings im Gespräch mit unserer Zeitung. Der ehemalige deutsche Nationalspieler und derzeitige Co-Trainer von Werder Bremen hat selber zwei Jahre in der MLS gespielt, schnürte seine Schuhe von 2011 bis 2013 für den FC Toronto. Laut Frings sei es nur eine Frage der Zeit, bis die US-Liga einen Sprung nach vorne machen werde.

Gerrard trägt "BH" bei erstem Training mit den Galaxy FOTO: afp, fjb/ljm

Um möglichst schnell ein Plätzchen auf der Landkarte des internationalen Fußballs zu ergattern, werden große Namen in die Liga geholt. Dass diese in den meisten Fällen den Zenit ihres sportlichen Schaffens bereits überschritten haben, ist für die Marketingmaschinerie der Verantwortlichen zweitrangig. Was zählt, sind Namen. Und große Namen werden mit großen Summen geködert. Erst am vergangenen Montag wurde der Wechsel des Ivorers Didier Drogba zu Montreal Impact als perfekt vermeldet – jener Stürmer, der das Champions-League-Finale 2012 für die Bayern zum "Alptraum dahoam" machte. Vor kurzem wechselte der Engländer Steven Gerrard vom FC Liverpool zu LA Galaxy, Juventus-Turin-Legende Andrea Pirlo verzückt seit einigen Tagen die Fans des New York City FC. Auch den spanischen Rekordtorschützen David Villa und den brasilianischen Zauberfuß Kaka zog es über den großen Teich, um nur eine Auswahl zu nennen.

"In fünf bis zehn Jahren wird die MLS so gewachsen sein, dass sie es mit den großen Ligen in Europa aufnehmen kann", sagte Kaká bei seiner Vorstellung in Orlando optimistisch bis naiv. Der 33-Jährige verdient mit 6,4 Millionen Euro so viel wie kein anderer MLS-Profi. Unter den 15 Top-Verdienern der Liga sind in Gestalt von Jermaine Jones, Obafemi Martins und Michael Bradley auch drei ehemalige Bundesliga-Spieler.

Das Gehaltsgefüge der MLS ist mit dem der Bundesliga kaum vergleichbar. So ist es nicht unüblich, dass ein einziger Spieler mehr verdient als der Rest des gesamten Teams. Um eine Verschuldung zu verhindern, wurde zwar eine Gehaltsobergrenze definiert, die seit dieser Saison bei knapp drei Millionen Euro pro Klub liegt - zudem darf ein einzelner Spieler nicht mehr als 393 000 Euro verdienen. Jedes Team hat jedoch zwei Kaderplätze zur Verfügung, die das Höchstgehalt überschreiten dürfen. Für eine einmalige Gebühr kann ein weiterer Kaderplatz erworben werden. Darüber hinaus besitzt jede Mannschaft acht Plätze für ausländische Spieler. Diese Plätze können jedoch an andere Klubs verkauft werden, deswegen gibt es Teams mit mehr als acht Ausländern.

Modell für die Bundesliga ungeeignet

Die MLS ist wie ihre verwandten Verbände NBA (Basketball), NFL (American Football), NHL (Eishockey) und MLB (Baseball) ein in sich geschlossenes System. Auf- und Abstieg gibt es nicht. Verträge schließen die Spieler nicht mit den Klubs, sondern mit der Liga. Die insgesamt 20 Teams aus dem Westen und dem Osten spielen zunächst in der regulären Saison alle gegenein-ander. Die punktbeste Mannschaft am Ende der Saison ist aber nicht Meister, sondern Pokalsieger. Die zehn besten Mannschaften erreichen die Playoffs.

Ein Modell, das für die Bundesliga laut Torsten Frings nicht in Frage kommt. "Die Bundesliga ist seit 50 Jahren gewachsen, und die Fans haben sich inzwischen sehr an das heutige System gewöhnt", erklärte der 38-Jährige, der der These widerspricht, die Liga bestünde hauptsächlich aus Altstarts. Inzwischen gebe es auch immer mehr Spieler unter 30 Jahren, die sehr wissbegierig seien. "Das tut der Liga gut", so Frings.

Quelle: RP
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