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Franzosen setzen "Financial Fair Play" außer Kraft
Paris zahlt mit Öl-Millionen
CL 12/13: Ibrahimovic schreibt in Paris Geschichte
CL 12/13: Ibrahimovic schreibt in Paris Geschichte FOTO: afp, FRED DUFOUR
Düsseldorf. Die Uefa prüft ab dieser Saison im Sinne des "Financial Fair Play" Vereine – sie sollen nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen. Klubs wie Paris St. Germain versuchen aber, die Regeln zu umgehen. Von Georg Amend

Die Winter-Transferperiode hat am 1. Januar begonnen – das Buhlen um die Fußballspieler ist aber schon seit Wochen in vollem Gange. Vor allem in den finanzstarken Ligen in Deutschland, England und Spanien gibt es Hunderte Gerüchte um Transfers. Und seit rund einem Jahr mischt auch ein französischer Klub vorne mit: Paris St. Germain (PSG) hat 2012 bereits 192 Millionen Euro für sechs Spieler, darunter Zlatan Ibrahimovic (Schweden), ausgegeben, und wäre nun bereit, für Cristiano Ronaldo von Real Madrid zusätzlich 100 Millionen Euro zu bieten. Möglich macht es Klubbesitzer Nasser Al-Khelaifi. Der Geschäftsmann aus Katar hat im Oktober 2011 für 130 Millionen Euro 70 Prozent an PSG erworben und investiert seither munter in sein neues Spielzeug.

Malaga aus europäischen Wettbewerben ausgeschlossen

Doch ist dieses Konstrukt zukunftsfähig? Schließlich hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) im September 2009 ein Konzept vorgestellt, das Financial Fair Play (FFP) heißt und den Einfluss finanzkräftiger Investoren bei teils hoch verschuldeten Klubs unterbinden soll. Die Ausgaben dürfen nur noch aus den operativen Einnahmen (zum Beispiel Spielprämien, TV-Gelder, Transfererlöse) und nicht mehr aus Investorengeldern bestritten werden – die Klubs sollen sich selbst tragen. Wegen Verstößen gegen das FFP – unter anderem Schulden beim spanischen Fiskus und ausstehende Spielergehälter – wurde unlängst der FC Malaga für die kommende Spielzeit von den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Der aktuelle Champions-League-Achtelfinalist, der in dieser Saison noch weiter mitmachen darf, wehrt sich gegen den Ausschluss.

Dieser ist zumindest das erste Signal, dass es die Uefa ernst meint. Dennoch drängt sich angesichts des Transfergebarens von etwa PSG die Frage auf, ob diese Sanktionen Wirkung erzielen. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern, hat dazu eine klare Meinung: Die Transfer-Politik von Investor-geführten Klubs verstoße gegen das FFP. PSG-Scheich Al-Khelaifi antwortete im Interview mit "Sportbild" lakonisch: "Ich kann versichern, dass wir keine Probleme mit dem Financial Fair Play bekommen werden." Al-Khelaifis Optimismus speist sich wohl auch aus der Tatsache, dass die Regeln noch viel Spielraum lassen.

Das Problem: Das FFP ist in der Praxis noch nicht so recht angekommen, erst ab Sommer 2014 zieht die Uefa ein Fazit. "Das ist derzeit graue Theorie", sagt daher auch Paul Jäger, Finanzvorstand von Bundesligist Fortuna Düsseldorf. Er nennt mit Blick auf die Investoren in anderen Ligen – in Deutschland müssen Vereine mindestens 51 Prozent ihrer Anteile selbst halten – ein mögliches Umgehungsmodell: "Das Geld eines Investors ist keine Einnahme. Aber wenn ein Investor Gewinnanteile an einem Transfer kauft, sind das dann Einnahmen?", fragt Jäger, ohne eine Antwort geben zu können.

Auch City umgeht "Financial Fair Play"

Weitere mögliche Umgehungen zeigt etwa das Beispiel Manchester City: Dort verfügt Besitzer Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan über ein Privatvermögen von rund 16,5 Milliarden Euro, das er aber laut FFP nicht statt der operativen Einnahmen einsetzen darf. Um ein mögliches Defizit auszugleichen hat aber sein Halbbruder vorgesorgt: Chalifa bin Zayid Al Nahyan ist als Emir nicht nur Herrscher von Abu Dhabi, sondern auch Eigentümer von Etihad Airways, das Manchester City für die Namensrechte am Stadion und Trikotwerbung über zehn Jahre die stolze Summe von 500 Millionen Euro überlassen hat – als klassisches Sponsoring, das das FFP zulässt.

Es wird schwierig für die Kontrolleure der Uefa, die teils vielschichtigen Finanzierungsgebilde der Klubs zu durchschauen. Ein weiteres Beispiel der – nennen wir es mal – Verstrickungen: Der TV-Sender Al-Jazeera hat sich speziell in den französischen Markt eingekauft – der General Manager des Senders war zu diesem Zeitpunkt ein gewisser Nasser Al-Khelaifi, der nun Besitzer von Paris St. Germain ist. Zudem ist er Chef des katarischen Staatsfonds Qatar Sports Investment (QSI). Und dieser stellte im Februar Laurent Platini als Europa-Chef vor – den Sohn des Uefa-Präsidenten Michel Platini, der als Mitglied des Weltverbandes Fifa anderthalb Jahre zuvor für die Vergabe der WM 2022 an – genau – Katar gestimmt hatte. Das hat Geschmäckle.

Ebenso die Liste von Vereinen, bei denen die Uefa die in dieser Spielzeit der europäischen Wettbewerbe erzielten Prämien wegen diverser finanzieller Verstöße zurückhielt: Unter den 23 Vereinen fand sich zwar auch Europa-League-Sieger Atletico Madrid, aber mehrheitlich kleinere Klubs finanzschwächerer Ligen wie Bosnien-Herzegowina, Mazedonien oder Montenegro. Ob die Uefa solche Sanktionen oder einen Ausschluss wie im Fall Malaga auch bei den großen Vereinen durchsetzen wird, scheint derzeit fraglich. Eine Champions-League-Saison ohne die Topstars, die bei Klubs wie PSG oder Manchester City spielen, dürfte auch der Uefa zu unattraktiv sein.

Wahrscheinlicher sind daher zunächst Geldstrafen. Dass das aber Vereine wie Manchester City, das sich zuletzt mit 141 Millionen Euro in nur einer Saison verschuldete, oder Paris St. Germain, das 100 Millionen Euro Schulden machte und trotzdem nun fast 200 Millionen für Transfers ausgab, schmerzt, glaubt wahrscheinlich nicht einmal die Uefa. Scheich Al-Khelaifi schon gar nicht, denn der hat gerade allen Grund zur Freude: Immerhin fädelte er über QSI einen Sponsorenvertrag für Paris St. Germain ein, der dem Klub bis 2016 rund 600 Millionen Euro bringen soll – von QTA, Katars Tourismus-Behörde. Das wäre ein klassisches Sponsoring, das das Financial Fair Play zulässt. Dass das aber wirklich ein faires Spiel ist, muss man nicht glauben.

Quelle: RP/seeg/csi
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