Frieden im Galatarsaray-Lager: Skibbe: "Kein Problem mit Lincoln"
zuletzt aktualisiert: 17.07.2008 - 15:31Istanbul (RPO). Für Trainer Michael Skibbe von Galatarsaray Istanbul läuft zur Zeit alles rund: Auf Heimaturlaub in Deutschland, einen Wunschspieler in Aussicht und der Streit mit Lincoln scheint vergessen. "Mit Lincoln gibt es kein Problem. Wir hatten nur ein Problem damit, dass er eine Woche zu spät aus dem Urlaub gekommen ist", sagte Skibbe, der zuvor von Entlassung gesprochen hatte.
Da Skibbe aber große Stücke auf den quirligen Spielmacher hält, hat er die Episode nach einer Entschuldigungs-Offensive ad acta gelegt. "Außerdem wurde seine Mutter operiert, da hatte er einen triftigen Grund für die Verspätung. Er ist ein Top-Typ und wir sind froh, dass er da ist", relativierte der Coach, der nach seiner Entlassung in Leverkusen erstmals im Ausland tätig ist.
Der Ex-Schalker Lincoln hat sich nach seiner Rückkehr bei den Vereins-Offiziellen sowie jedem Mannschaftskollegen mit einer Umarmung entschuldigt und so auch die Herzen der Fans zurückerobert. Die Geldstrafe soll sich angeblich auf "nur" 50.000 Euro belaufen, zuvor war pro verspätetem Tag von dieser Summe die Rede.
Auf Wunsch von Skibbe, der einen Einjahresvertrag hat, könnte bald ein weiterer Brasilianer zum Kader des türkischen Meisters gehören. Galatasaray-Präsident Adnan Polat flog diese Woche nach Italien, um die Verpflichtung von Ricardo Oliveira voranzutreiben. Der Stürmer ist seit einem Jahr vom AC Mailand an Real Saragossa ausgeliehen.
Das Team würde damit dem Südamerika-Trend des Stadtrivalen Fenerbahce folgen, Skibbe setzt als Nachfolger von Karl Heinz Feldkamp die deutsche Tradition auf der Trainerbank weiter fort. Doch anders als der 74-Jährige hat der ehemalige Bundestrainer ohne "Generationenkonflikt" einen direkten Draht zur Mannschaft, isst mit ihnen zusammen zu Mittag und mischt im Training mit.
"Es ist eine enorm spielstarke Mannschaft mit einer ähnlichen Struktur wie in Leverkusen: Wenig alte, viele hochtalentierte junge Spieler. Ein schlagkräftiges Team, das sehr gut besetzt ist", sagte Skibbe, der sich im Vorjahr in der dritten Runde des Uefa-Cups schon einen ersten Überblick verschaffen konnte. Durch den Erfolg mit Bayer (0:0 und 5:1) hinterließ er wiederum bleibenden Eindruck.
Die Erwartungen sind hoch beim 17-maligen türkischen Meister, entsprechend offensiv formuliert Skibbe seine Ziele. "Wir wollen uns natürlich für die Champions League qualifizieren. Bei der Auslosung Anfang August werden wir wahrscheinlich nicht gesetzt sein und könnten auch auf Schalke oder Turin treffen. In der Liga wollen wir selbstverständlich den Titel verteidigen."
Auf die Aufgaben in der Süper Lig bereiten sich Skibbe und Galatasaray noch bis nächsten Donnerstag in Duisburg vor. "Das stand schon vor meiner Verpflichtung fest. In der Türkei haben wir zwar tolle Bedingungen, aber keine Gegner für Testspiele", erklärte der gebürtige Gelsenkirchener und lässt sich gutgelaunt mit ein paar türkischen Kibitzen fotografieren.
Das Team wohnt derzeit im Landhaus Milser, wo sich auch die türkische Nationalmannschaft erfolgreich auf die EM vorbereitet hatte. Statt ins beschauliche Leverkusen geht es für Skibbe dann zurück in die Millionen-Metropole: "Istanbul ist eine gigantische Stadt mit einem ganz besonderen Flair, herrlich gelegen. Dazu die Konkurrenz mit den drei Topklubs, das ist eine ganz aufregende Mischung."
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