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Auch Frankreichs Liga spielt
"Ein Akt des Widerstands gegen Barbarei"

Wembley: Englische und französische Fans verbrüdern sich
Wembley: Englische und französische Fans verbrüdern sich FOTO: afp, LN/JR
Paris/Köln. Der französische Fußball bemüht sich am Wochenende um Normalität und lässt seinen Liga-Spieltag trotz der Terror-Anschläge in Paris stattfinden. Doch das wird nicht leicht.

Kevin Trapp postete vor dem Rückflug ein Foto beim Zeitunglesen, Zlatan Ibrahimovic feierte die EM-Qualifikation mit Schweden trotz großer Trauer um zwei Freunde, und sogar David Luiz ist zurück in Paris: Die Fußball-Stars von Paris St. Germain bemühen sich nach den Terror-Anschlägen in der französischen Hauptstadt um Normalität - wohlwissend, dass dies an diesem Wochenende gar nicht möglich ist.

Daran wird PSG im ersten Spiel seit den Zwischenfällen rund um das Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland (das Trapp erstmals auf der Bank des DFB-Teams erlebte) allein schon daran jede Sekunde erinnert, dass der Meister am Samstag beim FC Lorient auf seine Fans verzichten muss. Wie sämtliche Auswärtsteams der beiden Profiligen, was die Liga LFP, der Verband FFF und das Innenministerium mit einem "Mangel an verfügbaren Polizeikräften in diesen schweren Tagen für das Land" begründeten.

Reaktionen: "Wann hört das bitte auf!??"

Außerdem wird es verstärkte Sicherheitsmaßnahmen geben: Körper, Rucksäcke und Kopfbedeckungen werden durchsucht, der Einsatz von Metalldetektoren verstärkt, Glasflaschen und Pyrotechnik sind auch im Umkreis der Stadien verboten. Eine Absage des Spieltags stand bei der Diskussion über Maßnahmen nach den Anschlägen mit 129 Toten und über 350 Verletzten aber nie zur Debatte. "Fußballspielen ist ein Akt des Widerstands gegen Barbarei", sagte Liga-Präsident Frederic Thiriez.

Die Profis wollen mit ihren Spielen am Wochenende auch ein Zeichen setzen, obwohl manch einer im direkten Umfeld betroffen ist. Lassana Diarra, der am Sonntag mit Olympique Marseille am Sonntag bei AS Saint-Etienne antritt, verlor bei den Anschlägen seine Cousine Asta, "die wie eine große Schwester für mich war". Und die Spieler von PSG trauern um Pierre Innocenti und Stephane Albertini. Die beiden Besitzer des Restaurants "Chez Livio", Stammlokal der meisten Pariser Profis, kamen bei der Geiselnahme im Konzertklub Bataclan ums Leben.

Ihner gedachte auch Superstar Ibrahimovic, der Schweden dennoch mit zwei Toren im Play-off-Rückspiel in Dänemark (2:2) zur EM 2016 schoss (mit Finale in Paris). "Es ist traurig, es ist tragisch", sagte der sonst so extrovertierte Schwede sichtlich gerührt: "Ich habe versucht, mich zu konzentrieren, aber es war sehr schwierig."

Sicherheit im Fußball: Fragen und Antworten

Von Luiz wurde aus dem Lager der brasilianischen Nationalmannschaft gar überliefert, er wolle nicht nach Frankreich zurückkehren. Das tat der Abwehrspieler aber doch und sprach nach seinem Wiedereinstieg ins Training von "Narren, die Unsinn geredet haben". Nicht zurückzukehren, sei kein Thema gewesen, "manchmal muss man den gesunden Menschenverstand entscheiden lassen".

PSG wird in den kommenden drei Spielen mit einem Solidaritäts-Trikot antreten und trägt den Schriftzug "Je suis Paris" unter dem Vereinswappen. Das trugen die Fußballerin von PSG um die deutsche Nationalspielerin Anja Mittag bereits am Mittwoch gegen KIF Örebro in der Champions League. "Niemand hatte Angst oder Furcht", beteuerte Trainer Farid Benstiti.

Ein ganz anderes Zeichen setzt derweil St. Etienne, das alle unter 25-Jährigen zum Spiel gegen Marseille einlädt. Man wolle "die Menschen ermutigen, trotzdem ins Stadion zu gehen", erklärte der Klub.

(areh/sid)
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