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Ariel FC spielt im Palästinenser-Gebiet
Israelischer Fünftligist bringt die FIFA in Bedrängnis

Porträt: Infantino - neuer Fifa-Präsident
Porträt: Infantino - neuer Fifa-Präsident FOTO: dpa, hm
Ariel. Ein israelischer Fünftligist, der im Westjordanland beheimatet ist, erhitzt derzeit die Gemüter. Israel drohen gar FIFA-Sanktionen, sollte der Klub weiter seine Spiele im Palästinenser-Gebiet austragen.

Shay Bernthal muss dieser Tage häufig schmunzeln. "Es ist wirklich witzig, dass unser kleines Team - eine sehr schlechte Mannschaft und ein armer Klub - in der ganzen Welt in den Schlagzeilen steht", sagte der Vorstandsvorsitzende des Ariel City FC. Sein Verein ist ein israelischer Fünftliga-Klub und spielt gar nicht in Israel und bekommt seit Wochen ungeahnte Aufmerksamkeit. Denn er spielt im Westjordanland.

Wie fünf andere Fußball-Mannschaften, die in Israels Liga-System konkurrieren, stammt Ariel City aus den israelischen Siedlungen auf dem Gebiet Palästinas und steht damit ungewollt auch im Blickpunkt des seit Jahrzehnten andauernden Nahostkonflikts. 66 Mitglieder des Europäischen Parlaments haben in einem Brief an FIFA-Präsident Gianni Infantino gefordert, dass die Siedler-Klubs entweder innerhalb der international anerkannten Grenzen Israels spielen oder aus Israels Fußball-Verband ausgeschlossen werden. Da die Klubs auf palästinensischem Gebiet ansässig sind, müssten sie unter den Zuständigkeitsbereich des Palästinensischen Fußball-Verband (PFA) fallen.

Das Thema wird auch am 13. Oktober auf der Tagesordnung stehen, wenn das Exekutiv-Komitee des Weltverbands beim FIFA-Council zusammenkommt. Infantino dazu: "Das ist eine meiner und unserer Prioritäten. Die Angelegenheit sollte eigentlich eine Fußball-Frage sein, aber ist zu einer politischen Frage geworden, für die die Welt noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden hat." Der israelische Fußball-Verband argumentierte, dass die FIFA sich darauf fokussieren muss, "das Spiel als Brücke zu erhalten und keine Mauer zu errichten".

Human Rights Watch kritisiert die FIFA

Die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte vergangene Woche einen Bericht, der der FIFA vorwirft, "das wunderschöne Spiel zu trüben", weil sie "Spiele auf gestohlenem Land" erlaube. Und die FIFA hat nach Russlands Annexion der Krim 2014 einen Präzedenzfall geschaffen. Damals verhinderte der Weltverband, dass die dort situierten Klubs der russischen Liga beitreten.

Doch Infantino hofft, das Thema auch anders klären zu können: "Ich bin immer zuversichtlich, dass wir mit Dialog und Diskussion eine Lösung herbeiführen können, die die Politik beiseite lässt." Darauf hofft auch Bernthal: "Es ist sehr wichtig für uns, die Idee, dass es eine Lücke zwischen Politik und Sport gibt, zu stärken." Denn eigentlich wollen er und seine Mannschaft doch nur Fußball spielen.

(sid)
 
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