| 18.23 Uhr

Aufstieg in die Premier League?
Wagners Huddersfield "mitten im Pudding"

Aufstieg in die Premier League: David Wagner mit huddersfield Town mittendrin
David Wagner jubelt nach einem Sieg. FOTO: dpa, hak
London. Teammanager David Wagner kämpft mit dem Außenseiter Huddersfield in den Play-offs um einen Platz in der Premier League - und weit mehr als 200 Millionen Euro.

David Wagner sagt von sich, er sei "kein Träumer, sondern ein Arbeiter". Der Gedanke "Was wäre, wenn..." verbietet sich für den deutsch-amerikanischen Teammanager des englischen Fußball-Zweitligisten Huddersfield Town vor den Play-off-Spielen zur Premier League. Dabei geht es für den ehemaligen U23-Coach von Borussia Dortmund und seine Mannschaft nicht nur um einen Platz in der besten Liga der Welt, sondern auch um knapp 240 Millionen Euro.

Sollten Wagner und Huddersfield das Halbfinalderby mit Angstgegner Sheffield Wednesday (Sonntag und 17. Mai) überstehen, stünde am 29. Mai in Wembley das Endspiel gegen den FC Fulham oder den FC Reading an. Das Finale ist laut englischen Medien das "richest game in football", das lukrativste Spiel. Der Telegraph errechnete, dass der Sieger bis zu 200 Millionen Pfund (237,5 Mio. Euro) absahne; vor allem Fernsehgeld, "Fallschirm-Zahlungen" bei Wiederabstieg inklusive. In der Championship bekommt Huddersfield keine fünf Millionen vom TV.

Wagner versucht, diese Zahlen auszublenden. Schon jetzt schreibe seine Mannschaft mit fünf deutschen Profis "eine tolle Story, die niemand für möglich gehalten hat", sagte er. Mit einem Etat von 16 Millionen Euro liegen die Terrier in der 24er-Liga auf Platz 18, in der Abschlusstabelle war es Platz fünf. "Wir mögen die Rolle des Underdogs", sagte Wagner dem BBC Radio, aber: "Wir sind nicht völlig blind, sondern aus gutem Grund dabei." Und zwar "mitten im Pudding", wie Wagner gerne formuliert.

Dass Huddersfield 45 Jahre nach der letzten Saison im Oberhaus auf die Rückkehr hoffen darf, hat es vor allem der "Wagner-Revolution" zu verdanken, wie die Fans die Wandlung nennen. Wagner (45) hat vieles verändert, seit er im Herbst 2015 in die Stadt mit 160.000 Einwohnern zwischen Manchester und Leeds kam. Er habe den Verein "mit sehr viel Energie und Intelligenz" umgekrempelt, schrieb der Guardian, seiner Mannschaft eine klare Identität verpasst, "ohne dogmatisch zu sein".

Diese Identität hat wenig überraschend viel mit dem Powerfußball von Jürgen Klopp zu tun. Beide haben ein sehr enges Verhältnis. Wagner war Klopps Zimmerkollege zu dessen Mainzer Profizeit und ist sein Trauzeuge, Klopp Taufpate einer von Wagners Töchtern. Sie denken ähnlich über Fußball, auch im Auftreten gibt es Parallelen. Wagner coacht ähnlich aktiv, jubelt fast so ausgelassen, und sieht mit Brille sowie Sechs-Tage-Bart auch ein bisschen aus wie Klopp. Aber, sagte er einmal, er sei auch "stark von Ralf Rangnick geprägt", unter dem er in Hoffenheim als Nachwuchscoach arbeitete.

In Huddersfield hat er mit Hilfe des Eigners Dean Hoyle, eines Grußkarten-Multimillionärs, eine "junge, hungrige Mannschaft" aufgebaut, wie sein Stürmer Elias Kachunga berichtete. Schlüssel zum Erfolg sei der Teamgeist, den Wagner im Sommer bei einem Überlebenscamp in Schweden formen ließ. Und, klar, der Trainer. "Er steht zurecht im Fokus anderer Vereine", sagte Verteidiger Christopher Schindler unlängst dem kicker.

Der FC Ingolstadt und der VfL Wolfsburg blitzten bereits bei Wagner ab. Spätestens, wenn er mit den Terriern erfolgreich nach den Millionen geschnappt haben sollte, dürften sie sich wohl auch beim BVB an ihn erinnern.

(sid)
 
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