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Basaksehir FK
Mit Erdogans Unterstützung an die Tabellenspitze

Basaksehir FK: Mit Recep Tayyip Erdogans Unterstützung an die Spitze
An der Spitze der Süperlig steht nach dem 12. Spieltag überraschend der Istanbuler Klub Basaksehir FK. Dieser hat auffällige Verbindungen zur Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. FOTO: dpa
Istanbul. Gegründet als Betriebssportgruppe der Stadtverwaltung, gesponsert von Krankenhäusern und nur zwei Jahre nach dem Aufstieg Tabellenführer vor Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray: Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte von Istanbul Basaksehir wie ein kitschig-schönes Fußball-Märchen.

Allein: Das ist es nicht. Der türkische Überraschungs-Tabellenführer ist wie der deutsche mit Geld von außen aufgepäppelt. Doch im Gegensatz zu RB Leipzig hat Basaksehir keine Fans. Und dann mischt beim Istanbuler Klub auch noch die Politik mit - namentlich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Kurz gesagt: Wer sich als Fußball-Traditionalist über Leipzig aufregt, wird sich bei Basaksehir kaum mehr abregen können. Denn Vereine als politisches Vehikel sind Fans der größte Dorn im Auge.

2014 wurde der Verein von der Krankenhauskette Medipol übernommen, die auch die Namensrechte für vier Jahre übernahm. Sie gehört Erdogans Leibarzt Fahrettin Koca. Das neue Stadion wurde von der Kaylon Grup Holding gebaut, die laut "11Freunde" an den umstrittenen Umbauplänen des Taksim-Platzes beteiligt war und gerne mal Prestigeprojekte für die Regierung umsetzt. Die Arena wurde von Erdogan persönlich eingeweiht, im live übertragenen Eröffnungs-Prominentenspiel durfte er drei Tore schießen. Das freute auch Klub-Präsident Güksel Gümüsdag - der Unternehmer ist mit einer Nichte von Erdogans Ehefrau verheiratet.

Zwar hoffen viele Fans in der Türkei, die nicht den drei großen Fanlagern Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray angehören, dass endlich wieder ein Verein in die Phalanx dieser Klubs einbricht. Seit 1985 wurde außer bei Bursaspors Triumph 2010 immer einer der drei großen Istanbuler Vereine Meister der Süper Lig. Doch mit dem künstlichen Emporkömmling ohne offiziellen Fan-Klub und mit nur 2000 Zuschauern im Durchschnitt können sich die wenigsten identifizieren. In der mit Platz vier schon starken Vorsaison hatte Basaksehir 45.000 Zuschauer - über die gesamte Spielzeit verteilt. Das Spitzenspiel zwischen Fenerbahce und Galatasaray sahen alleine so viele Besucher.

"Basaksehir ist ein künstlicher Verein ohne Basis", sagte ein Mitglied der Besiktas-Ultragruppe Carsi Berlin zu "11 Freunde": "Wenn die ihr Stadion vollkriegen wollten, müssten sie selbst zum Halbfinale in der Europa League Mitglieder der Jugendorganisationen der AKP mit dem Bus zu Hause abholen und direkt zum Spiel karren."

Doch immerhin: Das Team, in dem der einst für Inter Mailand oder Atletico Madrid spielende Emre Belözoglu, inzwischen 36 Jahre alt, der einzig echte Star ist und das vor der Saison nur für 1,2 Millionen Euro verstärkt wurde, funktioniert. Trainer Abdullah Avci, einst türkischer Nationaltrainer und dort Chef des heutigen Kaiserslautern-Coachs Tayfun Korkut, leistet gute Arbeit.

Sollte Basaksehir Meister werden, wird es Erdogan freuen. Ansonsten wird sich der Jubel in Grenzen halten. Einen offiziellen Fanklub hat der Verein ja nicht.

(sid)
 
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