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Größte Depression seit Jahrzehnten
Brasiliens Fußball auf neuem Tiefpunkt

Hand-Tor besiegelt Brasiliens Aus
Hand-Tor besiegelt Brasiliens Aus FOTO: afp
Rio. Nach dem 0:1 gegen Peru und dem Vorrunden-Aus bei der Copa America droht Trainer Dunga die Entlassung. Von Tobias Käufer

Die Schreibtische von Sportdirektor Gilmar Rinaldi und Trainer Dunga im schmucken neuen Gebäude des brasilianischen Fußballverbandes (CBF) in Rio de Janeiro trennt gerade einmal ein Meter. Kurze Entscheidungswege sollte das möglich machen, strukturelle Veränderungen wurden versprochen. "Wir brauchen Geduld. Wir können die Probleme nicht über Nacht lösen. Deutschland hat auch 14 Jahre gebraucht, um eine neue Generation zu entwickeln", sagte Dunga im Vorfeld der Copa America. Ob ihm diese Zeit gegeben wird, ist nach dem neuerlichen Debakel mit dem Vorrunden-Aus bei der Copa America in den USA fraglich.

Brasilien blamiert sich bei der Copa America

Wirklich verändert hat sich im CBF auch zwei Jahre nach dem 1:7-Demütigung im Halbfinale durch die deutsche Mannschaft bei der WM im eigenen Land nicht viel. Im Gegenteil: Nach einem Drittel der WM-Qualifikation rangiert Dungas Auswahl im Zehnerfeld auf Platz sechs. Das würde nicht mal für einen Relegationsplatz reichen. Bei der Copa America verpasste der fünffache Weltmeister nun erstmals seit 1987 die Qualifikation für das Viertelfinale. In einer vermeintlich leichten Gruppe mit Ecuador (0:0) und Haiti (7:1) reichte es nach dem 0:1 gegen Peru gerade einmal zu Platz drei. Bitter, das der einige Treffer (75.) irregulär war. Raul Ruidiaz hatte den Ball per Hand ins Tor bugsiert. Trotz minutenlanger Rücksprache über Funk gab Schiedsrichter Andres Cunha (Uruguay) den Treffer.

Brasiliens Fußball befindet sich in der größten Depression seit Jahrzehnten. Wer bei der Copa America nach Glamour rund um die Selecao suchte, der musste in die VIP-Logen schauen: Dort vergnügte sich Urlauber Neymar an der Seite von Justin Bieber, während die Selecao auf dem grünen Rasen vor Einfallslosigkeit nur so strotzte.

Spielerberater haben zu viel Macht

Die von Dunga geforderte dringend notwendige Strukturreform wird es sobald nicht geben. Die wahre Macht im brasilianischen Fußball liegt bei den Spielerberatern, die im Jahr zwischen 300 und 700 Profis ins Ausland transferieren. Sie werden alles daran setzen, dass sich an diesem Geschäftsmodell des Kahlschlags nichts ändern wird. "Wir müssen aufpassen, dass unsere im Ausland tätigen Profis nicht ihre brasilianische Identität verlieren", zeigte sich jüngst Brasiliens ehemalige WM-Trainer Carlos Alberto Parreira besorgt.

Doch der Verband hat andere Sorgen, als sich um notwendige Reformen zu kümmern. Die letzten drei Präsidenten des CBF sind entweder wegen Korruption angeklagt, ins Ausland geflohen oder stehen unter Hausarrest. Eine Persönlichkeit, die den brasilianischen Fußball kraft ihrer Unbestechlichkeit aus seinem Korruptionssumpf hinausziehen könnte, ist nicht in Sicht. Und so ruhen wieder einmal alle Hoffnungen auf den Schultern von Superstar Neymar (24). Der Profi des FC Barcelona soll im August die Olympia-Auswahl zur Goldmedaille in Rio führen. Es ist diese junge Auswahl, auf die ganz Fußball-Brasilien setzt.

Quelle: RP
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