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Neuer Nationaltrainer
Tite übernimmt Selecao mit zittrigen Knien

Tite als neuer Nationaltrainer Brasiliens vorgestellt
Tite als neuer Nationaltrainer Brasiliens vorgestellt FOTO: dpa, brv sh
Rio de Janeiro. Bei seiner Vorstellung ließ sich Brasiliens neuer Coach nicht tief in die Karten schauen. Doch vieles wird sich unter seiner Leitung ändern, das ist sicher.

Wenige Minuten vor seiner ersten Pressekonferenz schlenderte Brasiliens neuer Fußball-Nationaltrainer Tite respektvoll an der riesigen Trophäensammlung im hauseigenen Museum des Verbandes CBF vorbei. "Die Knie hören nicht auf zu zittern", gestand der 55-Jährige im Vorübergehen. Kein Wunder, schließlich ist Adenor Leonardo Bacchi, für alle nur Tite, der auserkorene "Salvador", als Retter einer geschundenen Selecao engagiert.

"Davon ist keine Rede. In Wahrheit bin ich nur einer mehr hier", betonte der nun offiziell von Meister SC Corinthians zur CBF gewechselte Erfolgscoach. Den wissbegierigen Journalisten saß er jedoch alleine gegenüber. Der umstrittene und unter Korruptionsverdacht stehende CBF-Boss Marco Polo Del Nero "versteckte" sich samt Funktionärsschar vor ungemütlichen Fragen in der ersten Reihe.

Immerhin, als Gilmar Rinaldi vor einer Woche seinen Rauswurf als Nationalmannschaftskoordinator und das damit verbundene Ende der zweiten Trainer-Ära von Carlos Dunga beim fünfmaligen Weltmeister verkündete, ließ sich von den Verbandsoberen kein Einziger blicken. Eine kurze Umarmung auf der Rednerbühne besiegelte dann die Zweck-Ehe zwischen Tite und Del Nero.

Schließlich gehörte Tite im vergangenen Dezember zu den Mit-Unterzeichnern eines Manifestes, das die Demokratisierung im Verband und den Rücktritt Del Neros forderte. Als brasilianischer Nationaltrainer könne er jedoch besser dazu beitragen, "Transparenz, Demokratisierung, Leistung und Fortschritt" einzubringen. Wie genau, die Antwort blieb er bislang noch schuldig.

Ausgebooteten Stars steht die Tür wieder offen 

Der knorrige Mann aus dem Bundesland Rio Grande do Sul, aus dem auch seine direkten Vorgänger Dunga, Mano Menezes und Luiz Felipe Scolari stammen, deutete immerhin an, Neymar die alleinige Kapitänsrolle zu entziehen und die Spielführerbinde vielmehr rotieren zu lassen. "Alle tragen Verantwortung. Das ist das große Merkmal einer Mannschaft", führte Tite aus.

Ausgebooteten Stars wie Thiago Silva oder David Luiz steht die Tür zur Seleço wieder offen. Statt ständiger Systemwechsel wird Tite wohl auch sein Konzept vom 4-1-4-1 stur anwenden. Mit dem Weggang des "harten Hundes" Dunga wird sich auch das interne Klima unter dem eher väterlich auftretenden Tite bessern.

Die Mission Gold bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) will er sich aber nicht antun. "Wenn ich gewinne, gibt es Lorbeeren ohne Ende. Bei einer Niederlage hätte ich schon eine Ausrede parat", begründete Tite sein Olympia-Nein und ergänzte: "Was ist die Priorität? Die WM-Qualifikation und die nächsten beiden Spiele."

Tite hat schon mit der Arbeit angefangen 

Deshalb saß er auch am Dienstag schon im Flieger Richtung USA, beobachtet dort bei der Copa America Eliminatorias-Gegner Kolumbien in der Nacht zum Donnerstag im Halbfinale gegen Chile. Gegen die Kolumbianer geht es am 6. September um wichtige Qualifikationspunkte. Sein Pflichtspieldebüt findet vier Tage zuvor in Ecuador statt.

"Klar, laufen wir Gefahr, die WM zu verpassen. Wenn du das nicht akzeptierst, kämpfst du gegen die Realität. Schließlich bin ich hier, weil die erwarteten Resultate nicht kamen", sagte Tite. Als "Salvador" des derzeitigen Tabellensechsten der südamerikanischen Qualifikation zur WM 2018. Mehr Glanz hat der fünfmalige WM-Champion derzeit nicht zu bieten.

(jado/sid)
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