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Bundesliga-Routine hoch im Kurs
"Deutsche" Altstars mischen Brasilien auf

Ze Roberto wird Meister mit Palmeiras
Ze Roberto wird Meister mit Palmeiras FOTO: rtr, PW/gk
Sao Paulo. Ein Dauerbrenner, ein Torschützenkönig, ein Zauberer und viel verkanntes Talent: Wenn am Wochenende in Brasilien die Meisterschaft startet, baut ein Großteil der Erstliga-Klubs auf die Bundesliga-Routine von mehr als 20 Profis. 

Mancher Fan aus Deutschland würde sich bei einem Blick in die Kader gar auf eine nostalgische Reise begeben.

Denn im scheinbar nie versiegenden Quell des fünfmaligen Weltmeisters tummeln sich mittendrin ein nimmermüder Zé Roberto (42), ein Grafite (38), 2009 mit dem VfL Wolfsburg deutscher Meister, Fußballer des Jahres und Torschützenkönig, oder Bremens einstiger Regisseur Diego (32) im x-ten Frühling.

An die Innenverteidiger Juan (38) oder Geromel (31) haben Leverkusen bzw. Köln gute Erinnerung, an die Stürmer Paolo Guerrero (33) und Lucas Barrios (32) die gegnerischen Defensivreihen ihrer damaligen Bundesliga-Epoche weniger erfreuliche. Alle haben sich in Deutschland einen Namen gemacht.

Und heute? Zé Roberto verlängerte seine Kurzzeit-Verträge bei SE Palmeiras jeweils nach Titeln (Pokal 2015, Meisterschaft 2016), verkündete Anfang des Jahres aber: "Ich bin entschlossen, nur noch dieses Jahr zu spielen". Der jetzt wieder als Linksverteidiger agierende Ex-Nationalspieler schrieb seine Bundesliga-Geschichte in Leverkusen, München und Hamburg.

Diego hat dagegen gar noch die WM-Teilnahme 2018 als Ziel. "Die Seleço bleibt mein Traum", so das neue Idol von CR Flamengo. Der Spielmacher, der in Wolfsburg vergeblich an seine Bremer Glanzzeiten anknüpfen wollte, kehrte im vergangenen Juli nach Brasilien zurück, spielte sich auf Anhieb in die Liga-Elf des Jahres und wurde für die ersten drei Länderspiele 2017 von Nationaltrainer Tite berufen.

Am vergangenen Sonntag feierte Diego den Bundesland-Titel mit dem Traditionsklub aus Rio de Janeiro verletzt auf der Tribüne. Routinier Juan, vom ehemaligen Wolfsburger Fehleinkauf Réver zum Reservisten degradiert, durfte im Finale immerhin in den Schlussminuten ran. Dagegen war Guerrero mit einem Treffer und einer Torvorlage der Matchwinner beim 2:1 gegen den Stadtrivalen Fluminense.

Aber auch Stars zum Vergessen finden sich wieder. Millionen-Flops wie Breno, Carlos Alberto oder Thiago Neves. Der Erstgenannte, für den Bayern München einst 12 Millionen Euro bezahlte, ist nach seiner Heimkehr zum FC So Paulo weiter nur Ersatzmann.

Carlos Alberto, mit dem Bremen 2007 nur sechs Monate Geduld hatte, trägt immerhin neben Grafite die Libertadores-Cup-Hoffnungen von Atlético Paranaense. Auch Neves, 2008 als Nachfolger von Publikumsliebling Rafael van der Vaart nach Hamburg geholt, erwies sich als Fehlgriff und ist bei Cruzeiro Belo Horizonte Mit(telfeld)läufer.

Zwei Bankdrücker von Atlético Mineiro leisteten dagegen "Einmaliges". Felipe Santana ist Dortmund trotz seines späteren Wechsels zum Erzrivalen Schalke in Erinnerung, weil er im April 2013 den BVB mit seinem Last-Minute-Treffer beim 3:2 gegen Malaga ins Halbfinale der Champions League schoss. Hoffenheim denkt gerne an Carlos Eduardo zurück, der zu Zweitligazeiten für acht Millionen Euro kam und dann für 20 Millionen an Rubin Kasan/Russland verkauft wurde.

Und während Geromel und Barrios bei Grêmio Porto Alegre gut einschlugen, bediente sich der FC Santos für die neue Saison gleich zweimal bei Bundesliga-Klubs. Aus Hamburg kam Cléber Reis, aus Wolfsburg Bruno Henrique. In Deutschland weinte beiden niemand eine Träne nach. Das ist die Kehrseite des Talentschuppens Brasilien.

Die Liste mit Bundesliga-erfahrenen Spieler in Brasiliens erster Liga:

Atlético Mineiro (Belo Horizonte): Carlos Eduardo (Hoffenheim), Felipe Santana (Dortmund, Schalke), Maicosuel (Hoffenheim)
Atlético Paranaense (Curitiba): Carlos Alberto (Bremen), Grafite (Wolfsburg)
Corinthians SC/Sao Paulo: Fágner (Wolfsburg)
Cruzeiro EC/Belo Horizonte: Thiago Neves (Hamburg)
CR Flamengo (Rio de Janeiro): Diego (Bremen, Wolfsburg), Juan (Leverkusen), Paolo Guerrero (Bayern, Hamburg), Réver (Wolfsburg)
Fluminense FC (Rio de Janeiro): Henrique (Leverkusen)
Grêmio (Porto Alegre): Lucas Barrios (Dortmund), Pedro Geromel (Köln)
SE Palmeiras (Sao Paulo): Zé Roberto (Leverkusen, München, Hamburg)
FC Santos: Cléber Reis (Hamburg), Bruno Henrique (Wolfsburg)
FC Sao Paulo: Breno (Bayern), Cicero (Hertha), Wesley (Bremen)
Vasco da Gama (Rio de Janeiro): Júlio dos Santos (Bayern)
EC Vitoria (Salvador): André Lima (Hertha BSC)

(sid)
 
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