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Nach Carlos Albertos plötzlichem Tod
Die Fußballwelt trauert um Brasiliens "ewigen Kapitän"

Carlos Alberto: Trauer um den ewigen Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft
Noch am Sonntag plauderte er als TV-Experte, am Dienstagmorgen erlag Carlos Alberto einem Herzinfarkt. FOTO: rtr, RM/XG/gs
Rio de Janeiro. Die Fußballwelt trauert um Carlos Alberto. Franz Beckenbauer und Pelé beklagen den Verlust eines "Freund und Bruders", viele andere Wegbegleiter und Bewunderer gedenken einem der Größten seiner Sportart.

Beim Endspiel 1970 verewigte er sich in der WM-Historie mit einem Tor aus dem Fußball-Lehrbuch, das anschließende Jubelfoto mit dem hochgereckten Coupe Jules Rimet machte Carlos Alberto Torres, in Mexiko Spielführer einer legendären Selecao, unsterblich. Am Dienstag riss ein plötzlicher Herztod den 72-Jährigen jedoch aus dem irdischen Leben. Es bleibt nicht nur in seiner Heimat die Erinnerung an eine große Persönlichkeit, an den "Capita".

"Heidi und ich sind tief schockiert. Carlos Alberto war wie ein Bruder für mich, einer meiner besten Freunde", twitterte Franz Beckenbauer, auch im Namen seiner Ehefrau. Der Kaiser war zwischen 1977 und 1980 beim US-Klub Cosmos New York einer der vielen Wegbegleiter im ganz auf Fußball ausgerichteten Leben des grandiosen rechten Außenverteidigers, des leidlich erfolgreichen Trainers, des bis zuletzt als TV-Kommentator wachen Kritikers.

Am Sonntag plauderte er noch in seiner Stammsendung beim Pay-TV-Kanal Sportv. Am Montag schwadronierte er als Gast einer Wahlkampfveranstaltung in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro wie immer lieber über Fußball. Am Dienstagmorgen brach er ohne Vorzeichen beim Kreuzworträtseln in seiner Wohnung in Barra da Tijuca zusammen. Nur einen Monat nach dem Tod seines Zwillingsbruders Carlos Roberto.

Im Fußball-Olymp war Carlos Alberto bereits am 21. Juni 1970 angekommen. Mit erst 25 Jahren als Kapitän einer goldenen Generation um Pelé, Tosto, Jairzinho, Gerson und Rivelino, die Brasilien im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt den dritten WM-Titel bescherte. "Capitao do Tri" hieß er fortan, oder kurz nur "Capita".

Sein Tor zum 4:1-Endstand gegen Finalgegner Italien gilt als eines der schönsten der WM-Geschichte, weil der Ball zuvor mustergültig von Fuß zu Fuß durch die gesamte Angriffsabteilung der Selecao gelaufen war.

Aufgelegt hatte als Letzter Pelé, der in den 60er- und 70er-Jahren gemeinsam beim FC Santos, später dann noch bei Cosmos New York und nicht zuletzt im kanariengelben Nationaltrikot oft genug vom Passspiel des immer wieder aufrückenden athletischen Außenverteidigers profitiert hatte. "Ich bin tieftraurig über den Tod meines Freundes und Bruders @Capita70. Lieber Gott, bitte, kümmere dich um unseren Kapitän. Ruhe in Frieden", bekundete Brasiliens Fußballlegende.

Den diversen Pokalen als Profi bis 1982 fügte er nach dem Karriereende nur ein Jahr später die brasilianische Meisterschaft als Trainer von Traditionsklub CR Flamengo und dessen damaligen Star Zico hinzu. Rivale Botafogo holte unter dem gebürtigen Carioca 1993 mit dem Gewinn der Copa CONMEBOL seinen einzigen internationalen Titel in der Klubgeschichte. Nationalcoach war er nie daheim, aber im Oman und Aserbaidschan.

Der Weltverband FIFA und dessen Präsident Gianni Infantino würdigte Carlos Alberto als "erstaunlichen Spieler und großen Anführer". Brasiliens Staatspräsident Michel Temer sprach von "einem Beispiel an Entschlossenheit und Führerschaft". Cafu, der die Jubelgeste als Kapitän der Weltmeisterelf von 2002 wiederholte, nannte ihn "Legende des Weltfußballs".

Alle sind seit Dienstag Waisen eines großartigen Fußballers und Menschen. Des "Capita", der bei Brasiliens dritten WM-Titel 1970 den Jules-Rimet-Pokal küsste und in die Höhe stemmte.

(sid)
 
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