| 12.06 Uhr

Letztes Spiel im Vicente Calderón
Der Himmel über Madrid weint zum Abschied

Champions League 2017: Der würdige Abschied von Atlético Madrid
Bei strömendem Regen verabschiedeten sich die Spieler von Atlético Madrid von ihren Fans. FOTO: afp
Düsseldorf. Ein Stück Fußball-Geschichte ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Die Partie zwischen Atlético und Real Madrid war die letzte internationale Begegnung im legendären Estadio Vicente Calderón. Atético zieht im Sommer um – und das Calderón soll abgerissen werden. Der Abschied war würdig. Von Daniel Brickwedde und Stephan Seeger

Es passte irgendwie ins Bild. Kurz vor dem Ende des Halbfinal-Rückspiels der Champions League zwischen Atlético Madrid und dem Stadtrivalen Real öffnete der Himmel seine Schleusen, es begann wie aus Eimern zu regnen. Der Himmel schien zu weinen – und hatte dazu auch doppelten Grund: Das Aus im Halbfinale der Champions League war zugleich das letzte Spiel im Vicente Calderón.

Sportlich gab es dazu immerhin einen 2:1-Erfolg gegen Real Madrid, auch wenn das für den Finaleinzug zu wenig war. Aber eine Niederlage wäre dem Anlass nicht angemessen gewesen. Für die Fans, den Colchoneros, überwogen ohnehin die Feierlichkeiten, ihrem Estadio an diesem völlig verregneten Abend einem gebührenden Abgang zu liefern – auch lange nach Abpfiff. 

Kampf bis zum Schluss

Und die Spieler leisteten ihren eigenen Beitrag. Atlético legte stark los und führte durch Treffer von Saúl (12.) und Superstar Antoine Griezmann (16.) früh mit 2:0. Die Fans auf den Tribünen glaubten wieder an ein Wunder, nachdem Atlético das Hinspiel 0:3 verloren hatte. Mit dem Gegentreffer durch Isco kurz vor der Halbzeitpause wurden die Anhänger allerdings jäh aus ihren Träumen gerissen.

Und dennoch: Die Mannschaft von Trainer Diego Simeone gab nie auf, warf sich auch kurz vor dem Spielende, als das Halbfinale schon längst entschieden war, in jeden Zweikampf, rannte wie Häschen über den Platz. Doch Real spielte die Partie souverän herunter und wurde zu keiner Zeit nervös. Die Fans auf den Rängen feierten ihre Mannschaft für den aufopferungsvollen Kampf trotzdem, nach Spielschluss wurde im strömenden Regen sogar noch einmal lauthals und letztmals die Vereinshymne durch das weite Runde geschmettert. Auch ZDF-Experte Oliver Kahn lobte Atlético für die Leistung. "Ich muss alle Hüte vor Atlético Madrid ziehen. Das war die pure Leidenschaft", sagte Kahn im ZDF-Studio: "Was Diego Simeone denen mental mitgibt, ist einfach genial."

Umzug im Sommer

Es war einmal mehr ein toller Abend, den das 1961 erbaute und fünf Jahre später eingeweihte Vicente Calderón erlebte. Die Spielstätte, in den Siebzigerjahren mit dem klangvollen Namen des verstorbenen Klubpräsidenten versehen, wirkte zuletzt allerdings aus der Zeit gefallen. Nur eine überdachte Tribüne und ein Spielertunnel, der vom Charme einer alten Bahnhofsunterführung in nichts nachstand – das sucht im europäischen Spitzenfußball seines gleichen. 

Zur neuen Spielzeit zieht der Verein daher um: Es geht ins nordöstlich gelegene ehemalige Leichtathletikstadion Estadio de Madrid. Einst in Hoffnung auf die Olympischen Spiele 2012 und 2016 erbaut, wird das Stadion derzeit in eine Fußballarena umgebaut. Fassungsvermögen: 70.000 Zuschauer, anstatt der bisherigen 55.000 Plätze im Calderón.

Der neue Name bezieht sich immerhin auch auf die Geschichte des Vereins. "Wanda Metropolitano" geht zurück auf das Estadio Metropolitano, der Spielstätte der "Rojiblancos" vor dem Calderón. Die chinesische Wanda Group ist dagegen Anteilseigner des Klubs und besitzt die Stadionrechte.

Und was passiert mit dem Calderón? Im Sommer 2018 sollen die Abrissarbeiten beginnen. Ein Park soll dort entstehen. Um diesen altehrwürdigen Spielort nicht  zu vergessen, nahmen viele Fans nach Abpfiff ihre Sitzschalen als Erinnerung mit. 

(dbr/seeg)
 
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