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Rekordablöse für Neymar
"Der Gott des Geldes verschlingt irgendwann alles"

Pressestimmen: "Auf Nimmerwiedersehen"
Pressestimmen: "Auf Nimmerwiedersehen" FOTO: afp
Düsseldorf. Der Irrsinn wird real. Der Transfer in Höhe 222 Millionen Euro von Neymar zu Paris St. Germain ist so gut wie vollendet. Die Ablösesumme lässt nicht nur Freiburg-Trainer Christian Streich ratlos zurück.

Der Rekordwechsel von Neymar zu Paris St. Germain steht kurz vor dem Vollzug. Am Mittwoch bestätigte der FC Barcelona offiziell den Wechselwunsch des Brasilianers, gleichzeitig kündigte sein Berater Wagner Ribeiro den bevorstehenden Wechsel nach Paris  und eine Vorstellung noch in dieser Woche an. Damit ist auch klar: Die irrsinnige Ablöse von vertraglich festgeschriebenen 222 Millionen Euro für Neymar wird Realität. Der Fußball erreicht völlig neue Sphären, die vor wenigen Wochen noch undenkbar waren. Ein Wahnsinn, der nicht unkommentiert bleibt.

Christian Streich, Trainer des Bundesligisten SC Freiburg, erklärte bei einer Pressekonferenz, als er auf das Thema angesprochen wurde: "Der Gott des Geldes wird immer größer und irgendwann verschlingt er alles. Aber die meisten werden es erst merken, wenn alles verschlungen wird." Der Mammon sei eine der größten Gefahren für den Menschen.

Reaktionen: "Fußball ist kein Sport, sondern Zocker-Kapitalismus"

Persönlich, versicherte Streich, sei ihm letztendlich egal, wie hoch die Summe ist: "Es löst bei mir nichts mehr aus." Die Entwicklung sieht er trotzdem mit Sorge. "Ich weiß nicht, wie es Leuten geht, die nichts haben, wenn sie das lesen, ob da eine Frustration eintritt. Ich weiß nicht, ob es gut ist für unsere demokratische Ordnung. Ich glaube, es ist nicht gut. Aber ich werde es nicht verhindern. Wir sind im irrealen Bereich, aber es ist gerade Realität."

Er sieht vor allem das Streben nach Anerkennung als Triebfeder dieser Entwicklung. "Warum will er das? Nicht weil er böse ist. Er will die Anerkennung und er will noch mehr Sicherheit, man findet immer Argumente. Es ist nicht böse, wenn man das will. Es ist irreal."

"Irgendwann platzt der Luftballon"

Ähnlich äußerte sich Juventus-Torhüter Gianluigi Buffon gegenüber der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport": "Ich kann nicht mehr nachvollziehen, anhand welcher Parameter ein Spieler bewertet wird. Das ist alles ziemlich willkürlich und in den Händen von denjenigen, die das Geld haben: heute 10 Millionen Euro, morgen 100", sagte der 39-Jährige und schimpfte weiter: "Warum ist Neymar 222 Millionen wert und nicht 600? Mein Opa hat immer gesagt: 'Aufblasen, aufblasen – irgendwann platzt der Luftballon.'" Das Financial Fairplay nannte er einen "Fake".

Neymar-Wechsel nach Paris: Reaktionen

Am Rande des Audi Cups in München nahm auch Jürgen Klopp zu dem Thema Stellung. "Ich dachte, das 'Financial Fairplay' wäre dafür erfunden worden, dass so etwas nicht geht, , aber offensichtlich ist Financial Fairplay mehr so ein Vorschlag, als eine wirkliche Regel", erklärte der Liverpool-Trainer. Gleichzeitig drückte er seine Hoffnung aus, dass solche Summen zukünftig "eine Ausnahme bleiben", fügte jedoch gleich an: "Aber wer weiß das schon?"

"Es gibt auf der Welt zwei Vereine, die eine solche Summe zahlen können. Gut, jetzt vielleicht drei, jetzt kann es Barcelona vielleicht auch zahlen, wenn sie es nicht für etwas anderes brauchen", sagte Klopp. Besagte zwei Vereine, "und das weiß eigentlich auch jeder", sagte Klopp, seien Manchester City und eben Paris St. Germain. Beide werden von reichen Besitzern aus Abu Dhabi beziehungsweise Katar finanziert. 

Mourinho findet Neymar nicht zu teuer

Jose Mourinho bezeichnete den bevorstehenden Transfer als "nicht teuer. Teuer sind nur Spieler, die eine bestimmte Summe ohne eine gewisse Qualität erreichen", sagte der Trainer von Manchester United. "Er ist einer der besten Spieler der Welt und auch aus kommerzieller Sicht sehr stark. PSG wird das bedacht haben." Mourinho sind eher die Konsequenzen dieses Rekordtransfers in Dorn im Auge. "Es wird nun mehr Spieler geben, die 100 Millionen kosten. Und auch mehr Spieler, die 80 Millionen kosten, oder 60 Millionen. Das ist das Problem", sagte der Portugiese.

Neymars Kollegen bei Barcelona äußerten sich nicht zur Ablösesumme, sie drückten Bedauern aber auch Verständnis für den Brasilianer aus. "Was auch immer er macht, wir verstehen seine Situation", erklärte Luis Suarez, Andres Iniesta wiederum sagte: "200 bis 300 Millionen werden uns nicht mehr bringen als Neymar". Lionel Messi schrieb bei Instagram: "Es war mir eine große Freude, diese Jahre mit dir verbracht zu haben, mein Freund. Ich wünsche dir viel Glück auf der neuen Etappe deines Lebens. Wir sehen uns".

Was man mit 222 Millionen Euro alles machen könnte

Gary Lineker kann Neymars Entscheidung dagegen nicht nachvollziehen. "Oh Neymar, aus Barcelona kann man nur in eine Richtung gehen und das ist rückwärts", twitterte der nie um eine Meinung verlegene Ex-Nationalspieler aus England.

(dbr)
 
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