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Ausraster bei Pressekonferenz
Daum beschimpft rumänische Journalisten

Das ist Christoph Daum
Das ist Christoph Daum FOTO: AP
Düsseldorf. Seit elf Monaten ist Christoph Daum als rumänischer Nationaltrainer im Amt. Der deutsche Coach steht massiv in der Kritik, weil er die Qualifikation für die WM zu verpassen droht. Doch Daum wehrt sich.

Bei einer Pressekonferenz vor dem Freundschaftsspiel gegen Chile, das die Rumänen am Dienstagabend 3:2 gegen Chile gewannen, geigte Daum den rumänischen Journalisten ordentlich die Meinung. "Nennen Sie mir einen Grund, der meine Arbeit betrifft, der unser Erreichtes betrifft, der unsere Zukunftspläne betrifft, warum ich aufhören sollte", sagte Daum auf Englisch. Dabei rang er in der Fremdsprache immer wieder nach Worten. Die Reporter seien überhaupt nicht daran interessiert, über positive Entwicklungen zu berichten. "Es geht immer nur darum, ob ich zurücktrete", sagte Daum aufgebracht.

Die "Gazeta Sporturilor" hatte zuletzt vermutet, dass der einstige Trainer von Köln, Stuttgart. Leverkusen und Frankfurt "nur wegen des Geldes" nicht zurücktrete. "Das sind alles verrückte Lügen", sagte Daum dazu. "Damit zeigen Sie Ihr wahres Gesicht. Manchmal sind Sie keine Rumänen für mich. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin mehr Rumäne als Sie!"

Daum war nach dem 1:3 in der WM-Qualifikation gegen Polen schwer in die Kritik geraten. Nach Medienberichten könnte der frühere Meistercoach des VfB Stuttgart noch in der Sommerpause abgelöst werden. Rumänien hat nur noch geringe Chancen auf die Teilnahme an der WM 2018. Daum ist nicht mehr der erhoffte Heilsbringer, er will aber von Rücktritt nichts wissen. "Seit Wochen stellt man mir dieselbe Frage, und ich verstehe nicht warum", sagte Daum dem "Kicker" (Montag). Schon bei seinem Amtsantritt habe er Demut und Geduld eingefordert: "Wir müssen am Aufbau einer neuen Generation arbeiten, in die Jugend investieren", erklärte der 63-Jährige.

Doch nicht die gesamte rumänische Presse ist gegen ihn. "Prosport" meinte, man könne den Deutschen nicht für 20 Jahre Korruption im rumänischen Fußball verantwortlich machen. "Daum ist schuld an der ganzen Kloake des rumänischen Fußballs", schrieb das Blatt. Und fügte ebenso ironisch gemeint im Kommentar hinzu, Daum sei schuld an den Schwarzgeldern, die in die Taschen der wohlhabenden Klubchefs und Aktionäre, statt auf den Konten der Klubs gelandet und in die Entwicklung des Fußballs gesteckt worden seien.

Die Zukunft von Daum als Trainer ist derweil weiter ungewiss. Verbandspräsident Razvan Burleanu vermied nach dem Erfolg gegen Chile am Dienstagabend ein klares Bekenntnis zum 63 Jahre alten früheren Stuttgarter Meistercoach, warb aber zugleich auch um Geduld. "Über Nacht lässt sich nichts erreichen", sagte Burleanu und sprach von einer "langjährigen Perspektive". 

Daum selbst zeigte sich am Dienstag schon wieder gelassener. "Ich wollte keinen Konflikt mit den rumänischen Journalisten, ich weiß, dass sie hinter der Nationalmannschaft und dem rumänischen Fußball stehen. Aber manchmal schreiben sie verrückte Dinge", sagte Daum, der einen Rücktritt erneut ausschloss: "Warum soll ich zurücktreten? Wir wollen etwas Schönes aufbauen und ich identifiziere mich total mit dem Projekt."

(areh/dpa/sid)
 
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