| 20.18 Uhr

Copa America für Superstar gelaufen
Neymar und der Fluch der "Cafeteros"

Neymar sieht nach Kopfstoß die Rote Karte
Neymar sieht nach Kopfstoß die Rote Karte FOTO: dpa, apc ms
Düsseldorf. Neymar und Kolumbien – das passt einfach nicht zusammen. Bei der WM in Brasilien wurde der Superstar des Gastgebers im Viertelfinale böse verletzt, bei der Copa America sah Neymar gegen Kolumbien die Rote Karte – und muss erneut für den Rest des Turniers zusehen. Von Stephan Seeger

Rückblick: 4. Juli 2014, WM-Viertelfinale zwischen Brasilien und Kolumbien. Camilo Zuniga springt Neymar in der 86. Spielminute mit dem Knie in den Rücken. Brasiliens Hoffnungsträger bricht auf dem Platz zusammen, muss mit einer Trage vom Feld gebracht werden. Die Diagnose schockt ein ganzes Land: Neymar bricht sich einen Wirbel und fällt für den Rest der WM aus. Unter Tränen spricht der 23-Jährige bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem WM-Aus über das Foul. "Wenn er mich zwei Zentimeter weiter in der Mitte getroffen hätte, heute....", sagte der Stürmer bei einer Pressekonferenz in Teresopolis und fing an zu weinen: "Dann könnte ich heute im Rollstuhl sitzen."

Im historischen Halbfinale gegen Deutschland muss der Star mit ansehen, wie die Selecao nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen wird und mit 1:7 verliert. Ohne Neymar hatte der Gastgeber seine Seele verloren, den einzigen Spieler, der den späteren Weltmeister hätte aufhalten können.

Die Tränen des verlorenen Halbfinals und der Verletzung sind mittlerweile getrocknet, auch Zuniga hat Neymar längst verziehen. Zwei Monate nach dem Vorfall hatten sich Neymar und Zuniga am Rande eines Länderspiels umarmt. Bei der Copa America kam es zum erneuten Aufeinandertreffen der "Cafeteros" und Brasilien. Auch diesmal sollte Neymar wieder die Hauptrolle zustehen.

Nach dem Schlusspfiff der Partie, die Brasilien mit 0:1 velor und damit die erste Pleite nach der WM kassierte, schießt Neymar Kolumbiens Pablo Armero mit voller Absicht ab. Jeison Murillo versucht, den Brasilianer zu beruhigen, doch dann verliert Neymar komplett die Fassung und verpasst dem 23-Jährigen eine Kopfnuss. Carlos Bacca schubst Neymar daraufhin von hinten weg. Die Folge: Rot für Neymar, Rot für Bacca.

Vier Spiele Sperre

Am Samstag wurde das Strafmaß für Neymar bekannt: Vier Spiele Sperre und eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro. Im Kabinengang hatte Neymar noch Schiedsrichter Enrique Osses attackiert. "Dieser Akt der Aggresion erfordert zwangsläufig eine Sperre von mehreren Spielen", erklärte Alberto Lozado vom Disziplinar-Kommitee.

Am Samstagabend kündete der brasilianische Verband CBF jedoch an, Einspruch gegen die Sperre einzulegen. Man prüfe nun, ob es Wege gebe, rechtlich gegen die Strafe vorzugehen. "CBF-Rechtsexperten werden sich mit den Vorkommnissen beschäftigen", sagte Nationaltrainer Dunga: "Wir wollen nur eine faire Beurteilung, alle sollten in diesem Turnier gleich behandelt werden."

Erneut muss Brasilien ein großes Turnier ohne den Superstar zu Ende spielen. Diesmal war niemand anderes als er selbst Schuld an seinem vorzeitigen Aus, auch wenn Brasiliens Nationaltrainer Carlos Dunga Kolumbien vorwirft, seine Mannschaft provoziert zu haben. "Wir sind auf die Provokationen hereingefallen. Kolumbien ist ein Meister darin, und unsere Spieler haben die Provokationen angenommen", sagte Dunga nach der Partie. Neymar selbst kritisierte die Schiedsrichter: "Sie wenden die Regeln gegen mich an", sagte der Superstar in Diensten des FC Barcelona.

Schiedsrichter hin, Kolumbien her: Der Fluch der "Cafeteros" hat Neymar erneut erwischt.

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