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Copa America
Guerrero zeigt seine Krallen

Peru dank Hattrick von Guerrero im Halbfinale
Peru dank Hattrick von Guerrero im Halbfinale FOTO: ap, SI FLL
Temuco. Paolo Guerrero führte Peru mit drei Toren gegen Bolivien bei der Copa America ins Halbfinale. Dorthin will auch Brasilien, das gegen Paraguay nebenbei für den gesperrten Neymar spielt.

In Deutschland nannten sie ihn einst ehrfurchtsvoll "Krieger", daheim kennt ihn jeder auch als "El Depredador", die Raubkatze. Am Donnerstag zeigte der ehemalige Bundesliga-Profi Paolo Guerrero beim 3:1 (2:0) von Peru über Bolivien Waffen und Krallen und führte die "Blanquirrojas" mit einem Dreierpack ins Halbfinale der Copa America.

"Nur wenige haben auf uns gesetzt. Aber wir beweisen hier, dass dieses Team es noch weit schaffen kann", sagte der Goalgetter, der zwischen 2004 und 2012 für Bayern München und den Hamburger SV in 161 Bundesliga-Spielen 47 Tore erzielte. Bei seinem zweiten Copa-Halbfinale in Folge trifft der Südamerika-Meister von 1939 und 1975 nun im brisanten "Clasico del Pacifico" am Montag auf Gastgeber Chile.

Guerrero, der - ohne Scherz - am 1. April zuletzt traf und in der Rekord-Torjägerliste auf Platz zwei nur noch zwei Treffer hinter Perus Legende Teofilo Cubillas (26 Tore) liegt, legte vor 16.872 Zuschauern in Temuco mit einem Doppelschlag (21./23.) los und erhöhte in der 74. Minute auf 3:0, ehe der Ex-Bremer Marcelo Martins (85.) vom Elfmeterpunkt verkürzte.

Copa: Chilene Jara spielt Uruguays Cavani am Gesäß herum FOTO: Screenshot Twitter

Höchstes Lob erhielt der 31-Jährige, Neuzugang bei Brasiliens Traditionsklub Flamengo Rio de Janeiro, von einem anderen Bundesliga-Profi. "Paolo ist für mich der beste Neuner, mit dem ich je zusammengespielt habe", lobte der Schalker Jefferson Farfan, der wie Claudio Pizarro (München), Carlos Zambrano (Frankfurt) und Zweitliga-Profi Yordy Reyna von RB Leipzig zum Einsatz kam.

Der deutsche Fußball spricht aber nicht nur wegen Perus Quartett auf der Copa-Zielgeraden ein gewichtiges Wort mit. Halbfinalgegner Chile vertraut in "Po-Grapscher" Gonzalo Jara (Mainz), Marcelo Diaz (Hamburg) und Miiko Albornoz (Hannover) gleich auf drei Bundesliga-Profis. Am Samstag streitet Brasilien mit dem scheidenden Hoffenheimer Roberto Firmino gegen Paraguay und dessen Duo Nelson Valdez (Frankfurt)/Raul Bobadilla (Augsburg) um das letzte Halbfinal-Ticket.

Deutsch hört man zudem beim geschäftigen Treiben auf dem "Basar Brasil". Firmino für 41 Millionen Euro aus dem Kraichgau zum FC Liverpool, Douglas Costa noch unbestätigt für kolportierte 35 Millionen aus der Ukraine zu Bayern München. Die Transferküche kocht nicht gerade auf Sparflamme.

Die Selecao-Spieler, ob Stamm oder Reservist, ob schon mit Meriten oder erst ein Versprechen für die Zukunft, stehen in Europas Ligen hoch im Kurs. Der Handel in Chile blüht. Sehr zum Unwillen von Nationaltrainer Dunga, der seine Jungs von Beratern und Spieleragenten eigentlich hermetisch abschirmen wollte.

Mit Poker-Gesicht wiegelte deshalb noch vor Tagen Firmino linientreu alle Wechselgerüchte ab. "Ich denke, dass es an der Zeit ist, den nächsten Schritt zu tun, aber ich bin bis zum Ende der Copa voll auf die Selecao konzentriert", sagte der 23-Jährige und ließ sich dann ungeniert im Hotel im "Reds"-Trikot ablichten.

Der Laufsteg Copa America soll für Brasilien nicht nur deshalb möglichst eine Runde weitergehen. Denn der Weltverband FIFA will die in Chile ausgesprochenen Strafen für seinen nächsten Wettwerb - also der Qualifikation zur WM 2018 in Russland - übernehmen.

Ein Aus gegen Paraguay hätte für Neymar, der dann erst zwei seiner vier Spiele umfassenden Sperre nach Frust-Rot gegen Kolumbien abgesessen hätte, eine Zwangspause am ersten Doppelspieltag der Eliminatorias zur Folge. Ein Weiterkommen garantierte dagegen zwei weitere Spiele und damit den Ablauf der Sperre.

(sid)
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