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Copa America
WM-Spuk verfolgt Brasilien bis nach Chile

Brasilien feiert Last-Minute-Sieg über Peru
Brasilien feiert Last-Minute-Sieg über Peru FOTO: dpa, apc cs
Mit Neymars Verletzung im Viertelfinale gegen Kolumbien begann Brasiliens Albtraum bei der Heim-WM vor einem Jahr. Die Neuauflage der Partie am Mittwoch bei der Copa America ruft bei der Selecao die dunkle Vergangenheit wach.

Deja-vu mit den WM-Dämonen: Der böse Spuk der verkorksten Heim-WM verfolgt Brasiliens Fußballstars auch noch bei der Copa America in Chile. Zum Auftakt spielte das unauslöschliche 1:7-Debakel gegen Deutschland am Rande mit, und am Mittwoch werden in der Neuauflage des WM-Viertelfinales gegen Kolumbien böse Erinnerungen an das tragische Aus für Superstar Neymars wach.

"Mit Neymar bin ich im Reinen. Das Ganze gehört der Vergangenheit an", beschwört gebetsmühlenartig Camilo Zuniga. Der Kolumbianer in Diensten von Italiens Erstligist SSC Neapel hofft im Estadio Monumental in Santiago de Chile auf "eine normale Partie", ohne Polemik über seinen Knie-Check, mit dem er an jenem fatalen 4. Juli 2014 Brasiliens Superstar vom FC Barcelona für den Rest des WM-Turniers außer Gefecht setzte.

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Die beiden Streithähne hatten sich als Kapitäne bereits zwei Monate später in der US-Stadt Miami symbolisch umarmt, als die zweite Ära von Brasiliens Nationaltrainer Dunga mit dem 1:0 gegen die "Cafeteros" begann. Bis heute steht die Siegquote der runderneuerten Selecao immer noch bei 100 Prozent, beim Copa-Auftakt feierte Dungas Team beim 2:1 gegen Peru seinen elften Sieg in Folge.

Doch das schwere Erbe des WM-Desasters lässt sich nicht so einfach abschütteln. Gegen das Andenteam war Neymar einmal mehr der heilsbringende "Salvador" - wie bei der WM und auch zuvor. "Ich bin hier, um meinen Kollegen zu helfen, nicht um der Held der Selecao zu sein. Ich spiele nicht allein, sondern wir sind elf Mann auf dem Platz, die Brasilien zum Sieg führen können", erklärte der 23-Jährige.

Widerspruch kommt ausgerechnet von einem Bundesligaprofi. "Neymar ist Neymar. Ohne ihn ist es schwierig, mit ihm schon ein ganz anderes Ding. An seiner Seite lässt es sich ganz einfach spielen, weil er halt Neymar ist", bestätigt der Noch-Hoffenheimer Roberto Firmino, der gegen Kolumbien wohl zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen muss und vor einem Wechsel nach England steht.

Neymar spricht unter Tränen über das Foul von Zuniga FOTO: afp, eba

Selbst die Zahlen beweisen: Neymar ist seit 24 Spielen oder fast zwei Jahren in der Selecao unbesiegt, die WM-Pleiten gegen Deutschland (1:7) und die Niederlande (0:3) verpasste der Stürmerstar verletzungsbedingt. Als Kapitän entschied Neymar zudem sieben seiner neun Spiele unter Dunga. So auch mit einem Tor und einer Vorlage gegen Peru.

Dabei hatte im Spielort Temuco das "Schreckgespenst Deutschland" den Rekord-Weltmeister auf Schritt und Tritt verfolgt. Im Spielerhotel mit der bezeichnenden Adresse Avenida Alemania, im Stadion, das nach einem Nachkommen deutscher Einwanderer den Namen German Becker trägt, und während des Spiels, als Fans aus Chile und Peru spöttisch immer wieder "Siete a uno" (7:1) skandierten.

Fotos: Brasilien-Stars trauern nach historischer Pleite FOTO: afp, Desk

Während bei Brasilien Neymar aber seinem Ruf als Heilsbringer schon gerecht wurde, trägt Chiles Superstar Alexis Sanchez schwer an der Bürde des "Salvadors". Der Stürmer von Englands FA-Cup-Sieger FC Arsenal ging auch im zweiten Gruppenspiel beim 3:3 (2:2) gegen Mexiko leer aus.

Für die Gastgeber trafen wie schon gegen Ecuador der Ex-Leverkusener Arturo Vidal (22., 55./Foulelfmeter) und Eduardo Vargas (42.). Mexiko ärgerte den mit dem Bundesliga-Trio Miiko Albornoz (Hannover), Gonzalo Jara (Mainz) und Marcelo Diaz (Hamburg) in der Startformation angetretenen Favoriten vor 45.583 Zuschauern im Nationalstadion von Santiago durch Tore von Matias Vuoso (21., 66.) und Raul Jimenez (29.).

Bolivien zog mit Chile durch seinen ersten Erfolg bei einem Copa-Turnier seit seinem Titelgewinn vor 18 Jahren mit 3:2 (3:0) gegen Ecuador vor dem direkten Duell zum Vorrundenabschluss am Freitag nach Punkten (beide 4) gleich. Aber auch Mexiko (2 Punkte) und Ecuador (0) haben vor dem Gruppenfinale noch Chancen auf ein Weiterkommen, zumindest als einer der beiden besten Gruppendritten.

(sid)
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