| 12.14 Uhr

Kongress in Mexiko
Die Fifa und ihr Kampf und Krampf ums Image

Gerührter Infantino bedankt sich bei den Delegierten
Gerührter Infantino bedankt sich bei den Delegierten FOTO: afp, tlr
Mexiko-Stadt. Der 66. Fifa-Kongress soll der nächste Schritt aus der Krise sein. Auf den neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino kommt aber auch nach der Woche in Mexiko viel Arbeit zu.

Luis Figo, Ronaldinho und Co. gaben sich im altehrwürdigen Aztekenstadion alle Mühe. Doch mit einem Spaß-Spielchen der "Fifa-Legenden" am Mittwochabend im Dauerregen, kurz vor dem 66. Kongress des Fußball-Weltverbandes in Mexiko-Stadt, ist es im krampfhaften Bemühen um ein besseres Image nicht getan.

"Wir stehen am Beginn einer neuen, aufregenden Ära für die Fifa und den Fußball", sagte der neue Verbandspräsident Gianni Infantino (45), der auf Teufel komm raus den Fußball wieder in den Mittelpunkt stellen will, so oder so ähnlich immer wieder in den vergangenen Wochen. Die Mexiko-Woche der Fifa, die am Freitag (ab 16.30 Uhr MESZ) mit dem Kongress endet, ist dafür wegweisend. Vieles geht in die richtige Richtung, noch aber gibt es zu viele offene Fragen.

Wer wie gewählt werden kann, ist offen

Ausgerechnet bei der Wahl der Mitglieder der bedeutungsvollen, weil unabhängigen Audit- und Compliance- sowie der Governance-Kommissionen fehlt es an Transparenz. Wen die 209 Fifa-Verbände im Banamex-Kongresscenter auf welche Art und Weise wählen können, ist offen. Eine öffentliche Kandidatenliste gibt es bislang nicht. Das neue Fifa-Council, das sich aber noch aus dem alten Exekutivkomitee zusammensetzt, entscheidet über das Vorgehen erst am Freitagmorgen. Die wichtige Stelle des Generalsekretärs wird laut Fifa zudem erst im Sommer besetzt. Es könnte sogar noch später werden.

Dass es dennoch wenig bis gar keinen Gegenwind aus den eigenen Reihen geben wird, ist durch Punkt zehn der Kongress-Agenda so gut wie garantiert - die Finanzen. Mit dem "überarbeiteten" Budget für den Zeitraum von 2015 bis 2018, das abgesegnet werden muss, löst Infantino eines seiner größten Wahlversprechen ein: Rund eine Milliarde Euro werden über die Fußballförderung an die Verbände fließen. Bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) hatte der Schweizer zuletzt sogar Werbung dafür betrieben, dass die reichen Europäer den armen Verbänden in anderen Teilen der Welt ihren "Infantino-Bonus" als Investition überlassen könnten.

Zu den ganz kleinen Fifa-Mitgliedern würden auch der Kosovo und Gibraltar gehören - falls der Kongress den jeweiligen Aufnahmeanträgen zustimmt. Gibraltar hatte sich eine entsprechende Abstimmung (nötig sind über 50 Prozent der Stimmen) beim Internationalen Sportgerichtshof CAS erstritten, die junge Republik Kosovo war jüngst denkbar knapp als 55. Mitglied in die Uefa aufgenommen worden. Zwei Nationen mehr, in denen unter der Fifa-Flagge Fußball gespielt wird - das würde in Infantinos Konzept passen.

"Was er in den vergangenen Wochen geleistet hat, da muss man wirklich alle Hüte vor ziehen", sagte der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (65), der (noch) im Council sitzt. Andere Mitglieder des Rates meinten, die Fifa sei "wieder auf Kurs". Während der ersten Sitzung hatte das Council allerdings auch erste Entscheidungen auf den Weg gebracht, die vor allem in Deutschland auf heftigen Gegenwind stoßen werden.

Bereits im kommenden Herbst will Infantino die "Mammut-WM" durchdrücken. Die Aufstockung der Weltmeisterschaften von 32 auf 40 Teilnehmer, eines von Infantinos großen Wahlversprechen, hatten die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutschen Fußball-Bund (DFB) bereits strikt abgelehnt. Auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der im europäischen Klubfußball als Chef der Klub-Vereinigung ECA immer mächtiger wird, war Sturm gelaufen. Eingeführt wird die Mega-WM, über die das Council am 13. und 14. Oktober entscheiden soll, wahrscheinlich trotzdem.

Als erstes Turnier kommt dafür die WM 2026 infrage, an deren Vergabe sich die "neue" Fifa messen lassen muss. Zunächst einmal einigte sich das Council auf einen "vierstufigen Prozess", der schließlich mit einer Entscheidung im Mai 2020 endet. "Überdacht" werden soll dabei laut Fifa die bisherige Entscheidung, keine Doppel-Bewerbungen mehr zuzulassen. Ob europäische Verbände (wegen der WM 2018 in Russland) vom Bewerbungsprozess ausgeschlossen werden, ist noch offen.

Bewerben will sich Stand jetzt unter anderem Kongress-Gastgeber Mexiko. Bestenfalls dann mit einem renovierten Aztekenstadion, in dem wieder andere Spiele stattfinden als das 9:8 der "Legenden" gegen eine mexikanische Allstar-Mannschaft.

(spol/sid)
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