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Ende per E-Mail
Blatters Karriere endet sang- und klanglos

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa
Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella
Zürich. Am Mittwochabend ging die Funktionärskarriere von Joseph S. Blatter sang- und klanglos zu Ende. Seine Sperre wurde zwar auf sechs Jahre - wie auch für Michel Platini - reduziert, aber das ändert nichts daran, dass er beim Fifa-Kongress am Freitag keine Rolle mehr spielt.

Fifa-Flagge auf Halbmast, kein Trauermarsch zog durch Zürich. Niemand weinte dem jetzt "nur" noch für sechs Jahre gesperrten Ex-Präsidenten Joseph S. Blatter (79) eine Träne nach. Im Gegenteil, die Vorbereitungen für die "neue Fifa" liefen weiter auf Hochtouren, die Zukunft kann kommen - Blatter hingegen ist endgültig Vergangenheit.

Deshalb liest sich das Urteil der Fifa-Berufungskommission, das Blatters Karriere am Mittwochabend per E-Mail beendete, wie eine Art Versöhnungsversuch. Reduziert wurden die zuvor ausgesprochenen Acht-Jahres-Sperren von Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini (60), weil "die Arbeit und die Dienste" der beiden "über die Jahre für die Fifa, die Uefa und den Fußball im Allgemeinen angemessen zu würdigen seien und sich strafmildernd auswirken sollten". Es ist eine Würdigung, die eigentlich eine Strafe ist.

Ausgestanden ist der Rechtsstreit natürlich noch lange nicht. "Er ist tief enttäuscht von der Fifa-Berufungskommission und wird den CAS anrufen", teilte Blatters Sprecher am Abend mit. Den Internationalen Sportgerichtshof wird auch Platini einschalten, der Franzose hat im Gegensatz zu Blatter aber auch noch Zeit dazu. Er will wieder Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) sein, spätestens im Sommer zum Anpfiff der EURO in seinem Heimatland (10. Juni bis 10. Juli) - und bekommt bei seinem Vorhaben Unterstützung.

"Er verteidigt sich und möchte seine Unschuld beweisen", sagte der spanische Uefa-Vizechef Angel Maria Villar Llona (66) am Donnerstag beim Kongress des Europaverbandes: "Ich habe da überhaupt keinen Zweifel und hoffe, dass er bald wieder bei uns ist."

Fans bleibt nur der Gang ins neue Fifa-Museum

Blatter hingegen, der die Fifa 17 Jahre lang als Präsident in und durch Krisen führte, wollte sich am Freitag während des Fifa-Kongresses in seinen Augen angemessen verabschieden und Lebewohl sagen. Er wollte den Abschied auf der großen Bühne, jetzt bleibt seinen Fans nur noch der Gang ins neue Fifa-Museum, wo die Blatter-Ära ausgiebig gewürdigt wird.

Bei der Fifa haben die Macher längst abgeschlossen mit dem Ex-Boss, der zusammen mit Platini Ende Dezember 2015 wegen der dubiosen Zahlung in Höhe von 1,8 Millionen Euro von der Ethikkommission aus dem Verkehr gezogen worden war. Mitarbeiter des Weltverbandes verdrehen nur noch die Augen, wenn es um "Blattini" geht, um das Thema, das den Neuanfang schwer belastet hätte, wären die Sperren auf einmal aufgehoben worden.

"Ja zu Reformen" und "Vertrauen zurückgewinnen" steht auf großen Tafeln am Zürcher Hallenstadion, wo am Freitag die Weichen gestellt werden sollen. "Die ganze Welt blickt diese Woche auf uns", appellierte Interimspräsident Issa Hayatou (69) eindringlich an die Verbände aus der ganzen Welt. Am Donnerstag stattete der Kameruner den Versammlungen aller Kontinentalverbände einen Besuch ab und wiederholte seine Worte.

"Zusammen müssen wir alles tun, was nötig ist, um eine stärkere Fifa aufzubauen", schrieb er in einem offenen Brief: "Ich bin zuversichtlich, dass wir zusammen die richtigen Entscheidungen treffen."

Der Fifa-Führungsriege, zu der auch der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gehört, geht es am Freitag vor allem um die Verabschiedung des großen Reformpakets. Dafür ist eine Dreiviertelmehrheit der 207 stimmberechtigten Mitglieder nötig. Erst wenn über Amtszeitbeschränkung, Gewaltenteilung und Co. entschieden wurde, wird der neue Fifa-Präsident gewählt.

Die Amtsübergabe erfolgt dann am Freitagnachmittag oder -abend durch Hayatou, nicht durch Blatter. Für den Neuanfang der Fifa spielt das überhaupt keine Rolle.

(sid)
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