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Missbrauchsskandal in England
Anklage gegen Trainer in acht Fällen erhoben

Missbrauchsskandal in England: Anklage gegen Trainer in acht Fällen erhoben
Der Beschuldigte soll in seiner Zeit als Trainer bei Crewe Alexandra Jugendliche sexuell missbraucht haben. FOTO: ap
In der Missbrauchsaffäre im englischen Jugendfußball ist gegen einen früheren Trainer wegen mehrerer sexueller Übergriffe Anklage erhoben worden. Dies geht aus einem Statement der britischen Strafverfolgungsbehörde Crown Prosecution Service hervor.

Der 62-Jährige, der im Zentrum der Ermittlungen steht, soll sich "in acht Fällen sexuellen Missbrauch gegenüber Jungs unter 14 Jahren" geleistet haben, heißt es in der Erklärung.

Der Beschuldigte hat bereits drei Haftstrafen wegen anderer Sexualdelikte an Kindern verbüßt. Über 20 ehemalige Fußballer hatten nun Anschuldigungen erhoben. Sie beziehen sich auf die 70er-, 80er- und 90er-Jahre, als der Beschuldigte bei Crewe Alexandra, Manchester City und Stoke City als Trainer tätig war. Der 62-Jährige, der sich derzeit in einem Krankenhaus befindet, nachdem er bewusstlos in einem Hotel in der Nähe von London aufgefunden worden war, soll am 14. Dezember vor Gericht erscheinen.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass gleich vier unterschiedliche Polizei-Einheiten die Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs im englischen Fußball aufklären sollen. Einige Ex-Profis hatten unter der Woche erklärt, dass sie als Jugendliche von Trainern sexuell missbraucht worden seien.

Besonders erschreckend für die Briten ist, dass wohl ausgerechnet ihr Lieblingssport ideale Voraussetzungen für sexuelle Übergriffe bietet. Ein Männlichkeitskult, der das Opfersein tabuisiert, ein Nachwuchssystem, das Kinder ihren Förderern vollkommen ausliefert, und Eltern, die alle Bedenken in den Wind schießen, angesichts der Hoffnung, ihr Sprössling könnte ein Star werden.

Derweil weitet sich der Skandal aus. Woodward vermutet, dass sein Peiniger Hunderte Jungen missbraucht haben könnte. Und es gibt Hinweise, dass er nicht der einzige Täter war. FA-Chef Clarke will nicht ausschließen, dass der Missbrauch innerhalb des Verbands gedeckt wurde. "Damals war es üblich, dass Organisationen sich schützten, indem sie still hielten und die Reihen schlossen", sagte Clarke dem britischen Sender SkyNews am Dienstag.

Der Skandal wirft auch in Deutschland die Frage auf, ob hierzulande alles getan wird, um Missbrauch in Sportvereinen zu verhindern. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, warnte, Kindesmissbrauch könne "täglich und überall passieren". Er rief Vereine und Schulen dazu auf, "hinzuschauen und kritisch zu überprüfen", ob Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden.

(sid/dpa)
 
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