| 13.32 Uhr

Comeback nach 255 Tagen
Schweinsteiger bedankt sich bei seinen Fans

Schweinsteiger feiert Mini-Comeback
Schweinsteiger feiert Mini-Comeback FOTO: ap, AG MS
Manchester. 255 lange Tage hat Bastian Schweinsteiger auf diesen Moment warten müssen. Im Ligapokal-Viertelfinale war es dann so weit: Der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hat sein Comeback für Manchester United gefeiert – und sich nach dem Spiel bei Twitter bei den Fans bedankt. Von Stephan Seeger

In der 86. Spielminute erhoben sich die Anhänger im legendären Old Trafford. Bastian Schweinsteiger stand an der Außenlinie zur Einwechslung bereit. Erstmals nach 255 Tagen sollte der 32-Jährige wieder für die "Red Devils" auflaufen. Die Fans begleiteten Schweinsteigers Einwechslung mit tosendem Applaus – sowohl im Stadion als auch bei Twitter.

"Ich bin extrem froh, dass Schweinsteiger die Chance bekommen hat, zu spielen", schrieb ein User beim Kurznachrichtendienst. In vier Minuten ist es allerdings schier unmöglich, sich beim Trainer für weitere Einsätze zu empfehlen. Immerhin gab Schweinsteiger einen Torschuss ab und leitete den Treffer zum 4:1-Endstand ein. Allerdings dürfte es Schweinsteiger nicht darum gegangen sein. Ende August hatte der Weltmeister erklärt, "noch einmal im Old Trafford für United aufzulaufen". Dieser Wunsch ging nun in Erfüllung.

Unter Star-Trainer José Mourinho hatte der Mittelfeldspieler von Anfang an keine Chance, der Portugiese degradierte Schweinsteiger bereits vor Saisonbeginn, ließ sogar seinen Spind räumen. Mourinhos Vorgänger Louis van Gaal wollte Schweinsteiger unbedingt verpflichten, im Sommer 2015 wechselte "Schweini" von seinem FC Bayern nach England. Schweinsteiger wollte noch einmal etwas Neues ausprobieren, hieß es damals. In seiner ersten Saison auf der Insel absolvierte Schweinsteiger verletzungsbedingt nur 31 Spiele für United, 18 davon in der Premier League. Sein einziger Treffer gelang ihm beim 1:1 gegen den späteren Meister Leicester City am 28. November 2015.

Dieser Treffer liegt bei seinem Comeback fast auf den Tag genau ein Jahr zurück. Der 4:1-Erfolg von Manchester United gegen West Ham am Mittwochabend geriet ob der Rückkehr Schweinsteigers fast zur Nebensache. Bei Twitter bedankte sich Schweinsteiger, der im vergangenen August seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft beendet hatte, bei den Fans. "Ein unglaublicher Abend mit perfektem Ergebnis. Danke für den warmen Empfang in Old Trafford", schrieb Schweinsteiger bei Twitter.

Englische Medien loben Schweinsteigers Kurzauftritt

Die englischen Medien würdigten die kurze Werbung in eigener Sache. "Obwohl der Deutsche nur kurz spielte, gelang es ihm zu glänzen", lobte der "Daily Star". Die altehrwürdige "Times" schrieb: "Es schien so, als sei er nicht mehr Teil der Pläne von Mourinho. Doch die Fans sind Schweinsteiger loyal verbunden geblieben. Sie bereiteten ihm einen herzlichen Empfang."

Die Fans honorieren vor allem die professionelle Einstellung Schweinsteigers. Er, der Deutsche, lässt sich nicht unterkriegen, ergreift nicht bei der ersten Gelegenheit die Flucht. Vielmehr bewundern die Anhänger Schweinsteigers Kampfgeist. Wie er ohne Murren in der Reserve trainierte, wie er seine Bereitschaft erklärte, für die erste Mannschaft da zu sein, wenn er gebraucht wird. Das mögen die Engländer.

Die Mühen haben sich gelohnt. Schon am vergangenen Wochenende stand Schweinsteiger im Kader Uniteds gegen West Ham, kam allerdings nicht zum Einsatz. Nun ist seine Leidenszeit vorbei – vorerst. Ob Schweinsteiger in den kommenden Wochen weitere Einsätze bekommt, liegt nämlich in Mourinhos harter Hand. Im Ligapokal profitierte Schweinsteiger von Sperren gegen Paul Pogba und Marouane Fellaini. Am kommenden Sonntag kehren die beiden in der Liga gegen den FC Everton zurück – und schon wird es wieder eng für Schweinsteiger.

Vielleicht war das Kurz-Comeback sogar das letzte Spiel für "Schweini" im United-Trikot, vielleicht hat Mourinho Schweinsteiger für mögliche Interessenten aus den USA noch einmal ins Schaufenster gestellt. Was der Portugiese mit Schweinsteiger vorhat, weiß nur er selbst. Gegen West Ham saß Mourinho wegen einer Sperre nicht auf der Bank und schwieg im Nachhinein zur Personalie Schweinsteiger. Doch er sollte wissen: Schweinsteiger wird hart dafür arbeiten, noch einmal für United aufzulaufen. Dann vielleicht für mehr als vier Minuten.

(seeg)
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