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Missbrauchsskandal in England
Chelsea soll für Vertuschung 60.000 Euro gezahlt haben

Ex-Spieler Gary Johnson beschuldigt FC Chelsea im Missbrauchsskandal
Gary Johnson hat Vorwürfe gegen den FC Chelsea erhoben. FOTO: rpo
London. Der Missbrauchsskandal in England zieht immer weitere Kreise. In den Fokus rückt dabei der FC Chelsea.

Der große FC Chelsea zittert vor einem Taxifahrer. Gary Johnson heißt der Mann, und seine traurige Geschichte ist nur eine von vielen in diesen Tagen, in denen der Missbrauchsskandal im englischen Fußball immer weitere Kreise zieht. Und doch ist der Fall Johnson ein besonderer, weil er aus Sicht des FC Chelsea Explosionskraft birgt.

Johnson (57), ehemaliger Chelsea-Profi und inzwischen "Cabbie" in London, berichtete am Freitag im Daily Mirror, die Blues hätten ihn im Juli 2015 mit umgerechnet rund 60.000 Euro zum Schweigen bringen wollen. So viel Geld sei es dem ruhmreichen Verein wert gewesen, den sexuellen Missbrauch an seinem ehemaligen Spieler Johnson zu vertuschen. Das wäre ein klarer Bruch der Regeln der Premier League und des Verbandes FA, Chelsea droht eine Strafe.

Johnson präsentierte im Mirror als Beweis die "gagging order", also Schweigevereinbarung, zwischen dem Chelsea Football Club und ihm selbst. "Sie haben mich bezahlt, um den Deckel drauf zu machen", sagte er dem Blatt. Chelsea verwies in einer ersten Reaktion auf die Erklärung des Klubs von vor ein paar Tagen. Darin hatten die Blues nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen ihren ehemaligen, inzwischen verstorbenen Chefscout Eddie Heath bekundet, eine externe Untersuchung eingeleitet zu haben.

Johnson beschuldigte Heath, ihn ab einem Alter von 13 Jahren zwei, drei Mal die Woche missbraucht zu haben. Bis er 16, 17 Jahre alt war, sei das so gegangen, erzählte der frühere Stürmer, der von 1978 bis 1981 in der ersten Mannschaft der Blauen spielte. "Ich empfand Scham, fühlte mich meiner Kindheit beraubt", sagte er. Und: Heath habe mindestens drei weitere Youngster missbraucht. Als er mit seinem Fall 2014 zur Polizei gegangen sei, habe diese ihn an Chelsea verwiesen.

Johnson berichtete weiter, wie sein Leben später aus der Balance geriet, seine erste Ehe scheiterte. Ein Psychologe diagnostizierte bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung, wie sie etwa Kriegsveteranen haben. Zerrüttete Familien, psychische Probleme - es ist ein Muster, von dem zahlreiche Opfer von damals berichten. Und derer gibt es viel zu viele.

Der Missbrauchsskandal weitet sich unvermindert aus. Über ein Dutzend Polizeibehörden ermitteln, schon rund 350 Opfer haben sich dort gemeldet. Die eigens eingerichtete Hotline verzeichnete in der ersten Woche 860 Anrufe. Englands Kapitän Wayne Rooney nennt die Enthüllungen "schrecklich", die Ikone Gary Lineker "absolut widerwärtig".

FA-Boss Greg Clarke spricht von der "größten Krise" der Verbandsgeschichte. Dessen Vorstandskollege Martin Glenn kündigte im Lichte der Johnson-Aussagen an, die FA werde die Regeln "vollumfänglich" anwenden - und zwar "ohne Rücksicht auf die Größe" betroffener Klubs. Das ist ganz im Sinne Johnsons. "Niemand sollte damit davonkommen", sagte er.

(seeg/sid)
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