| 10.56 Uhr

Chelsea feuert Star-Trainer
Mourinho muss Abschied nehmen

Fotos: Jose Mourinho – Trainer, Titelsammler, "The Special One"
Fotos: Jose Mourinho – Trainer, Titelsammler, "The Special One" FOTO: dpa, nvr sam
Düsseldorf/London. Im europäischen Trainer-Domino ist der erste Stein gefallen. Kann Mourinho ein Kandidat für Bayern sein? Von Robert Peters

Einem Rücktritt hat er sich bis zuletzt erfolgreich widersetzt. Der Druck wuchs, weil die Erfolge ausblieben, das große Chelsea London hing im unteren Tabellen-Mittelfeld fest. Aber José Mourinho erklärte trotzig: "Ich gehe nicht, sie müssen mich schon rausschmeißen." Gestern machten sie es. Und obwohl die Vereinsführung die Trennung als "einvernehmlich" bezeichnete, ist es unwahrscheinlich, dass Mourinho freiwillig ging.

Immerhin wird ihm der Abschied vom englischen Meister mit einer stolzen Summe leichter gemacht. Er soll rund 40 Millionen Pfund (55 Millionen Euro) kassieren, weil sein Vertrag im Sommer bis 2019 verlängert worden war. Das ist nicht einmal für den Klub-Eigentümer Roman Abramowitsch Kleingeld. Rund zwei Milliarden Euro hat der russische Öl-Milliardär seit 2003 in das Fußball-Unternehmen gepumpt. Dafür gab es unter anderem die drei Meistertitel mit Mourinho (2005, 2006, 2012) und den Sieg in der Champions League 2012. Doch in dieser Saison war der Erfolg offenbar nicht zu kaufen.

Fans holen gesperrten Mourinho ins Stadion FOTO: afp, JR

Mourinho scheiterte nicht an seiner kompromisslosen Art. Sie gehört zu seinem Erfolgsmodell. Und seine Arbeitgeber wussten immer, auf was sie sich in der Zusammenarbeit mit dem überaus selbstbewussten Portugiesen einlassen. Er scheiterte an der Talfahrt in der Premier League. Niederlagen gegen die Kleinen, fortgesetzt schlechte Spiele und der Sturz in den Kampf um den Klassenerhalt sind die Gründe für den Rauswurf. In der Champions League, der Liga, die Chelsea für seinen natürlichen Lebensraum hält, steht Mourinhos nun ehemaliges Team im Achtelfinale.

Im großen europäischen Dominospiel um Trainer, die gehen könnten, wechseln müssten oder andernorts anheuern dürfen, ist Mourinho der erste gefallene Stein. Die Szene könnte nun in Bewegung geraten, wie beim richtigen Domino. Ein möglicher Nachfolger für Mourinho in London könnte Carlo Ancelotti sein, der Chelsea schon mal zur englischen Meisterschaft führte und als Mourinhos Nachfolger bei Real Madrid die Champions League gewann. Ancelotti aber soll bereits beim deutschen Rekordmeister Bayern München für die kommende Saison zugesagt haben.

Fotos: Mourinho kassiert Pleite im Trainerduell mit Klopp FOTO: afp, JT/JR

Die Bayern gehen wohl davon aus, dass Pep Guardiola seinen Vertrag nicht mehr verlängern wird, der im Sommer nach drei Jahren endet. Offiziell soll das am Sonntag bekanntgegeben werden. Guardiola könnte auf jeden Fall vernünftige Gründe vorbringen. Sollte er Ende Mai die Champions League gewinnen, wäre seine Arbeit bei den Bayern gekrönt. Und weil es dann wohl nicht mehr besser werden kann, wäre ein Ende der Zusammenarbeit logisch.

Ebenso logisch wäre das, wenn es auch im dritten Jahr keinen Erfolg auf der ganz großen Bühne gibt. Es ist schwer vorstellbar, dass Guardiola noch einen vierten Anlauf mit dem Klub versuchen würde.

Sollte Ancelotti sein Nachfolger werden, ist Guardiola seit gestern ebenfalls ein Kandidat bei Chelsea London. Abramowitsch verfügt über die nötigen Rücklagen, Guardiolas Münchner Jahresgehalt von geschätzten zwölf Millionen Euro zu übertreffen. Mourinho soll bereits 18 Millionen Euro verdient haben. Und Chelsea hat in der Vergangenheit schon mal laut bei Guardiolas Berater angeklopft.

Der wiederum hat wie der Trainer selbst gute Beziehungen in den Führungsstab von Manchester City. Sportdirektor Txiki Begiristain und Geschäftsführer Ferran Soriano kennt der Coach aus gemeinsamen Zeiten in Barcelona. Bereits im Sommer berichteten spanische und englische Medien, dass Guardiola ihnen das Wort gegeben habe.

Möglich ist allerdings auch, dass der Katalane nach drei psychisch anstrengenden Jahren bei den Bayern zunächst mal wieder eine Pause einlegt. Er hat früher schon erklärt, dass er in Barcelona ein Jahr zu lang geblieben sei - nämlich vier. Danach legte er ein Sabbatjahr ein. Davon konnten ihn auch hochdotierte Angebote nicht abbringen.

Ancelotti hat sich inzwischen erholt. Real Madrid hatte ihn im Sommer entlassen. Danach konnte der Italiener in Ruhe warten, bis eine passende Offerte auf den Tisch kam. Vielleicht hat er inzwischen auch schon ein bisschen Deutsch gelernt. Damit jedenfalls vertrieb sich Guardiola in den letzten sechs Monaten seines Sabbatjahrs die Zeit.

Und Mourinho gilt als Sprachtalent. Seine Karriere im großen Fußball begann als Übersetzer und Assistent von Bobby Robson bei Sporting Lissabon.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

FC Chelsea feuert Trainer Jose Mourinho - der reagiert trotzig


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.