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Neue echte Liebe?
Darum passt Jürgen Klopp zum FC Liverpool

Porträt: Jürgen Klopp: Kult-Trainer und Meister-Macher
Porträt: Jürgen Klopp: Kult-Trainer und Meister-Macher FOTO: dpa, gh
Düsseldorf. Der erste Eindruck entscheidet, sagt der Volksmund. Wenige Sekunden benötigt das Gehirn, um einen Menschen in eine bestimmte Schublade zu stecken. Dann ist das Urteil gefällt, ob der Gegenüber sympathisch ist – oder eben nicht. "You never get a second chance to make a first impression", heißt es im Englischen dann auch. Von Andreas Reiners

So gesehen gab es diesen einen bestimmten, entscheidenden Moment bei Jürgen Klopp eigentlich nicht. Vor Champions-League-Spielen hatte er in den Jahren seiner insgesamt siebenjährigen Amtszeit bei Borussia Dortmund schon öfter Fragen englischer Journalisten beantwortet. Auch die Fans kannten Klopp und seinen BVB natürlich schon.

Doch vor allem das Frage-und-Antwortspiel im Mai 2013 vor dem Finale der Königsklasse zwischen Dortmund und dem FC Bayern hat Eindruck auf der Insel hinterlassen. Denn Pressekonferenzen mit Klopp sind grundsätzlich alles andere als Phrasendrescherei. Klopp ist meist spontan, garniert seine Aussagen mit Humor, beeindruckt durch Eloquenz und Charme. Ein Menschenfänger. Und als er damals über den englischen Verkehr und die Polizei sprach, auf seine entwaffnende Art, die Haare ein wenig zerzaust und sein breites Grinsen im Gesicht – da lagen ihm die Engländer wohl endgültig zu Füßen.

Übersicht: Die Ausraster des Jürgen Klopp FOTO: dpa, Ciro Fusco

Und deshalb verwunderten einige Dinge in den zwei Jahren danach nicht mehr. Dass Medien und Fans Klopp liebend gerne als Trainer auf der Insel sehen würden, im Grunde egal bei welchem Klub. Dass sogar ein englischer Journalist nach Dortmund reiste, um die PK, auf der Klopp seinen Rücktritt als Trainer bekanntgab zu verfolgen und kein Wort verstand. Und dass nun halb England ausflippt, dass Klopp wohl tatsächlich beim FC Liverpool anheuern wird.

Doch passt Klopp zum Kop? Und passen die "Reds" zur redegewandten Rampensau? Wir haben uns die sich anbahnende Traumehe näher angeschaut.

Fotos: Klopp verbeugt sich weinend vor der Südtribüne FOTO: dpa, bt tmk

Charakter: Die Fans liegen Klopp bereits jetzt zu Füßen, der Hype nimmt praktisch stündlich zu. Und das ausgerechnet im Mutterland des Fußballs, das nie im Verdacht stand, romantische Gefühle für Deutschland im Allgemeinen und besonders den deutschen Fußball im Speziellen zu hegen. Den Ursprung nahm die deshalb doch überraschende Zuneigung englischer Fußball-Anhänger wie erwähnt rund um das Champions-League-Finale 2013 in London.

Klopps lockere und etwas flapsige Art kam sowohl bei den Medien als auch den Fans an, sie lobten die besondere Persönlichkeit, die besondere Ausstrahlung, die Aura des damaligen BVB-Coaches. Klopp genießt seitdem Kultstatus, auch, weil er in Englisch seinen Humor rüberbringen kann. Und natürlich kommt auch seine Art, offensiv und kraftintensiv Fußball zu spielen, nicht nur in Liverpool an. Fakt ist: Für die Anhänger der "Reds" ist Klopp einer von ihnen. Bodenständig, fleißig, volksnah und mit dem Herzen dabei. Klopp lebt den Fußball, wie die Anhänger selbst auch.

Verein: Es gibt zahlreiche Parallelen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Der Verein ist der ganze Stolz der Arbeiterstadt, er lebt von seiner erfolgreichen Historie, steht für ehrlichen Fußball, harte Arbeit und Tradition. Was dem BVB seine Südtribüne ist dem FC Liverpool "The Kop".

Die Fanwand der Reds ist nicht ganz so groß wie das Herz des Westfalenstadions, dafür aber nicht wenig impusiv und intensiv. Es ist ein Klub mit Atmosphäre, Leidenschaft und Emotionen, ein Ort, an dem die Fußball-Romantik noch nicht komplett verschütt gegangen ist. Klopp hat dann auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die Anfield Road liebt. Und die Fans der Reds machen umgekehrt keinen Hehl daraus, dass er den FC Liverpool so wie einst den BVB endlich wieder zu Titeln (letztmals Meister 1990) führen soll.

Kader: Vereinsikonen wie Steven Gerrard oder Jamie Carragher sind zwar nicht mehr da, trotzdem hat der Kader mehr Potenzial als aktuell Platz zehn. Roberto Firmino, Coutinho, Daniel Sturridge oder auch Nationalspieler Emre Can – Klopp kann sich auf viel Qualität freuen. Und trotz des Mittelfeldplatzes auf eine gute Ausgangssituation, denn der Zweite FC Arsenal ist nur vier Punkte weg.

Geld: Und durch die Investoren der Fenway Sports Group, die den FC Liverpool 2010 kaufte, hat Klopp finanzielle Möglichkeiten, den Kader im Winter nach seinen Wünschen zu ergänzen und zu verstärken. Bislang war das von wenig Erfolg gekrönt, seit 2012 wurden für rund 386 Millionen Euro Spieler geholt. Titel seitdem: Null.

Möglicherweise ist aber auch das fünfköpfige, sogennante "Transfer Committee" mit ein Grund für die eher erfolglose Transferpolitik. Angeblich soll deshalb eine Voraussetzung für Klopps Unterschrift sein letztes Wort bei Transfers sein. Möglicherweise erfüllen sie ihm sogar das. Einen nachhaltigen ersten Eindruck hat er ja bereits hinterlassen.

 
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