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Wembley, Berlin, Berlin, Wembley
Klopp verliert schon wieder ein Finale

Jürgen Klopp verliert schon wieder ein Finale
FOTO: dpa, ar sam
London/Düsseldorf. Der League Cup ist in England der unwichtigste Titel, doch für Jürgen Klopp war er im ersten Jahr beim FC Liverpool die einzige Chance auf den Gewinn einer Trophäe. Das 2:4 nach Elfmeterschießen gegen Manchester City war für ihn bereits die vierte Niederlage in einem großen Finale in Folge. Die Enttäuschung sitzt tief, doch er steckt nicht auf. Von Denis Canalp

Klopp erwartet nach der Niederlage des FC Liverpool im Ligapokal-Finale eine Trotzreaktion seiner Mannschaft. "Nur Dummköpfe bleiben am Boden und warten auf die nächste Niederlage. Keine Angst, wir werden weitermachen und wir werden besser werden. Wir müssen eben den harten Weg gehen, so ist das", sagte der Fußballlehrer nach dem verlorenen Elfmeterschießen gegen Manchester City. Seine Mannschaft werde "zu 100 Prozent" zurückschlagen", versprach Klopp, der seinen ersten Titel mit den "Reds" verpasst hatte.

Durch die Final-Pleite – und das damit verpasste Direkt-Ticket für die Europa League – droht dem Tabellenneunten der Premier League eine Saison ohne Europapokal. Klopp verbuchte die schmerzhafte Niederlage als wichtige Erfahrung für sein Team. "Für das nächste Mal, wenn wir in einem Finale stehen, muss man wissen, wie es sich anfühlt zu verlieren", sagte der Trainer, der sich selbst mit schmerzhaften Niederlagen in Endspielen schon auskennt.

Nicht Klopps erste Final-Niederlage

Im Berliner Olympiastadion mühte sich Klopps Mannschaft im DFB-Pokalfinale 2014 gegen den FC Bayern 120 Minuten lang, doch Arjen Robben und Thomas Müller entrissen Borussia Dortmund den DFB-Pokal durch zwei Treffer in der Verlängerung. Ein Jahr später erreichte Klopp mit dem BVB wieder das DFB-Pokalfinale, scheiterte diesmal am VfL Wolfsburg 1:3. Zum Abschied aus Dortmund wollte er so gerne noch einmal mit einem Pokal im Arm um den Borsigplatz fahren, doch daraus wurde nichts.

Die bitterste Niederlage seines Lebens musste Klopp jedoch 2013 einstecken. Damals verlor er mit den Schwarz-Gelben das Finale der Champions League gegen den FC Bayern München 1:2 in Wembley. Robben erzielte damals kurz vor Schluss den Siegtreffer, der Klopp um eine mögliche Verlängerung, ein Elfmeterschießen und ein Happy End brachte. "Kopf hoch, wir kommen zurück. Vielleicht nicht beim nächsten Finale in Lissabon. Das Champions-League-Finale in zwei Jahren in Berlin wäre ein guter Zeitpunkt, zurückzukehren. Wir müssen einfach daran arbeiten, dass wir nächstes Jahr noch mehr Qualität haben, und dann geht es ab", sagte Klopp damals. Doch mit einem weiteren Finale auf europäischer Bühne wurde es bekanntlich nichts.

London, Berlin, Berlin – und jetzt wieder London. Im Elfmeterschießen am Sonntag scheiterten drei der vier Liverpooler Schützen an City-Keeper Willy Caballero, lediglich der deutsche Nationalspieler Emre Can traf zum Auftakt in Panenka-Manier. Doch dann versagten Lucas Leiva, Coutinho und Adam Lallana die Nerven und Liverpools Torhüter Simon Mignolet fehlte das entscheidende Quäntchen Glück, schließlich ahnte der Belgier bei den Schüssen von Jesus Navas, Sergio Agüero und Yaya Touré jeweils die richtige Ecke, konnte jedoch keinen der Schüsse abwehren, nachdem Citys erster Schütze Fernandinho nur den Pfosten getroffen hatte.

Doch die Hoffnung aufgegen muss Klopp noch nicht. Schließlich kann er auch Finalspiele gewinnen. Den vier bitteren Final-Niederlagen stehen in Klopps Vita drei Siege in Endspielen gegenüber. Einziger Schönheitsfehler: Zwei dieser Siege stammen aus dem eher unbedeutenden Supercup. 2013 und 2014 besiegte Klopp mit Dortmund die Bayern. Und auch der dritte Endspiel-Triumph Klopps entstammt einem Spiel gegen den Rekordmeister. 2012 besiegte er im Pokalfinale mit den Schwarz-Gelben die Bayern 5:2 im Berliner Olympiastadion. Klopps größter Erfolg nach den zwei gewonnenen Meisterschaften 2011 und 2012 mit Dortmund.

Optimismus, aber kein Selbstläufer

Damals in Berlin war Klopp mit dem Double auf seinem sportlichen Höhepunkt angelangt, jetzt muss er seine Mannschaft nach der Final-Niederlage aufrichten. Doch Klopp wäre nicht Klopp, wenn er nicht an sich glauben würde. Zudem dürfte ihm die Tatsache Mut machen, dass er den FC Liverpool erst im Oktober übernommen hatte, die Mannschaft personell nicht nach seinen Wünschen zusammenstellen konnte – und trotzdem so nah dran war am ersten Pokal mit den "Reds". In Dortmund dauerte seine Aufbauarbeit bekanntlich auch ein paar Jahre, bis sich die sportlichen Erfolge einstellten.

Doch auch Klopp weiß, dass Titelgewinne in der ohnehin schon sehr ausgeglichenen Premier League in den kommenden Jahren keine Selbstläufer werden. Die Konkurrenz auf der Insel schläft nicht, Manchester City hat bereits den katalanischen Titelsammler Pep Guardiola vom FC Bayern München unter Vertrag genommen und Statdrivale Manchester United liebäugelt mit der Verpflichtung von Jose Mourinho. Auf Klopp kommt viel Arbeit zu, aber eines ist schon sicher: Er wird nicht am Boden liegen bleiben, denn ein Dummkopf, der nur auf die nächste Niederlage wartet, ist er mit Sicherheit nicht.

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