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"Hier seid ihr Könige"
Ranieri warnt Leicesters Titelhelden vor Transfers

Twitter: Solche Geschichten schreibt nur der Fußball
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Leicester. Beim englischen Sensationsmeister Leicester City rüstet man sich für die Meisterfeier am Wochenende im King Power Stadium. Doch es gibt auch erste Befürchtungen, das Erfolgsteam könnte auseinanderfallen.

Nach der Titelparty ist vor der Meisterfeier: Nach einem Tag mit Restalkohol und Kopfschmerzen fiebern die Fans des englischen Sensationsmeisters Leicester City schon dem letzten Heimspiel am Samstag gegen den FC Everton entgegen. Dann soll bei grandioser Stimmung im King Power Stadium das Überraschungsteam für den ersten Premier-League-Titel offiziell geehrt werden.

Und wenn es nach Meistercoach Claudio Ranieri geht, sollte der Anhang der Foxes diesen raren Moment genießen. "Es kann zehn bis 20 Jahre dauern, bis ein solches Außenseiterteam wieder so einen Titel holt. Die Fans sollten sich die Zeit nehmen, das schöne Erfolgsgefühl in Ruhe zu genießen - wie einen guten Wein", sagte der Italiener.

Genau dies tat der 64-Jährige am Tag nach der feucht-fröhlichen Spielerparty in der Villa von Torjäger Jamie Vardy (29). Während eines Lunches bei einem Edel-Italiener in Manchester bedankte sich der Trainer bei seinen Schützlingen für die erfolgreichste Saison der 132-jährigen Vereinsgeschichte. Dank an ihn selbst wird aus der Heimat kommen: Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte die Verleihung eines Ehrenordens an Ranieri an.

Ranieri macht seine Mutter stolz

Auch die Mutter des Erfolgstrainers war nach dem Titel voll des Lobes für ihren Sohn. "Jetzt ist er der König von England, und er bekommt Komplimente von überall auf der Welt", sagte Renata Ranieri. Nachdem er 2011 in seiner Heimat beim AS Rom als Coach zurücktrat und er "den Respekt seiner eigenen Stadt" nicht bekam, werde ihm nun die gebührende Wertschätzung zuteil.

Am vergangenen Montag war Claudio Ranieri nach Rom zu einem zweistündigen Essen mit seiner Mutter geflogen, als Leicester am gleichen Tag durch das 2:2 (0:2) der Tottenham Hotspur gegen den FC Chelsea den Titel gewann. "Ich habe am Ende des Spiels, angefangen zu weinen", sagte die 96-Jährige.

"Wir brauchen keine Superstars"

Langsam wird auch allen Beteiligten klar, was in der kommenden Spielzeit auf den Klub zukommen wird. Doch die erstmalige Herausforderung Champions League bringt Ranieri überhaupt nicht aus der Ruhe: "Wir brauchen keine Superstars. Ich will den Kader durchaus noch verbessern, aber mit den richtigen Spielern. Wer uns verlässt, weiß nicht, was passiert. Hier bei uns ist er ein König."

Zwar spülen die TV-Rechte für Premier League und Champions League in der neuen Saison umgerechnet 155 Millionen Euro in die Vereinskassen, aber die Renommierklubs aus London und Manchester wollen sich kein zweites Mal vom Emporkömmling düpieren lassen. Noch gibt es allerdings keine konkreten Angebote für Leicester-Kicker, lediglich zwei Scouts des neuen Meisters wurden vom FC Arsenal und Tottenham Hotspur bereits abgeworben.

Die heißeste Ware wäre natürlich Vardy. Für im Nachhinein geradezu lächerliche 1,24 Millionen Euro kam der damals 25-Jährige aus der 5. Liga nach Leicester. Mittlerweile ist der Torjäger, dem in dieser Spielzeit 22 Treffer gelangen, spätestens seit seinem Nationalmannschafts-Debüt mindestens 30-mal so viel wert.

Die Füchse hoffen natürlich, Vardy halten zu können, auch weil es offensichtlich eine ganz spezielle Vertrauensbeziehung des nicht immer pflegeleichten Profis zu Klubbesitzer Aiyawatt Srivaddhanaprabha gibt. Der erfolgreiche Geschäftsmann verriet in einem Interview mit der thailändischen Zeitschrift "a day magazin", dass er Angst hatte, Vardy würde seine Karriere aufs Spiel setzen.

"Mir hatte jemand gesagt, er sei selbst beim Training noch betrunken. Ich habe ihn mir dann zur Brust genommen und ihm klar gemacht, dass wir seinen Vertrag nicht verlängern werden, wenn er so weitermacht", zitiert das Blatt den Duty-Free-Unternehmer.

Mittlerweile ist Vardy, der vor Jahren schon einmal eine gerichtlich angeordnete Fußfessel tragen musste, tatsächlich berechenbarer geworden - zumindest außerhalb des Spielfeldes. Das Wohnzimmer in der Villa von Englands Fußballer des Jahres war sogar die Party-Location bei der Meisterfeier. Das ganze Team hatte sich dort versammelt, um via TV mitzuerleben, wie Titelrivale Tottenham durch ein 2:2 beim FC Chelsea seine letzte Meisterschaftschance verspielte.

(old/sid)
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