| 19.40 Uhr

Sensations-Meister in England
Lineker muss wegen Leicester-Titel in Unterhose moderieren

Twitter: Solche Geschichten schreibt nur der Fußball
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Hamburg/Leicester . Als eine der größten Sensationen der englischen Fußball-Geschichte perfekt war, gab es für Spieler und Fans des neuen Überraschungsmeisters Leicester City kein Halten mehr. Für Ex-Profi Gary Lineker hat der Titel besondere Folgen.

Das verwackelte Handy-Video von der privaten Meisterfeier der Profis wurde millionenfach geklickt, sogar im fernen Thailand für den Titel gebetet, Meistertrainer Claudio Ranieri erhielt Glückwünsche von Premierminister Matteo Renzi, nur Englands Buchmacher trugen Trauer - als das unfassbare Fußballmärchen von Leicester City wirklich wahr geworden war, ließ das im Mutterland des Fußballs fast niemanden kalt.

Möglich machte den Triumph, an den vor Saisonbeginn niemand auch nur zu glauben wagte, ausgerechnet der entthronten Titelverteidiger FC Chelsea. Die Vorjahressieger erkämpften nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 gegen den Londoner Lokalrivalen Tottenham Hotspur, dem letzten verbliebenen Leicester-Verfolger.

Party in Vardys Villa

"Die Unglaublichen" (Daily Mirror) wurden damit endgültig "From zeroes to heroes" (Metro), in der Villa von Torjäger Jamie Vardy gab es kein Halten mehr. "Wir sind Fußballmeister, aber irgendwie auch Tanz-Meister", wurde der auch möglicherweise nicht nur freudetrunkene Party-Gastgeber zitiert.

"Was für ein Spiel - ich fühle mich wie ein Engel! Meister!!!", twitterte Abwehrrecke Robert Huth. Die Szenen in Vardys Wohnzimmer, die durch das Posten durch den ehemaligen Bundesliga-Profi Christian Fuchs millionenfach in den sozialen Netzwerken Verbreitung fanden, unterschieden sich kaum von der Begeisterung in den Pubs von Leicester. Und auch am Dienstag gingen die Feierlichkeiten weiter. Beim Edel-Italiener San Carlo trafen sich Vardy und Co. und gönnten sich Hummer, auf der Straße versammelten sich Hunderte Fans und jubelten.

Zwar hatte sich eine der größten Sensationen der Sportgeschichte über Monate hinweg angekündigt, die Freude über den Premier-League-Titel des krassesten aller krassen Außenseiter war dennoch unbändig. "Heute fahre ich jeden kostenlos nach Hause", kündigte ein völlig euphorisierter Taxifahrer landesweit via BBC-Radio an.

Ein Angebot, das theoretisch auch Claudio Ranieri hätte nutzen können. Denn während seine Schützlinge vor dem Fernseher noch fieberten, kehrte der Erfolgscoach gerade vom Geburtstagsessen mit seiner 96 Jahre alten "Mamma" aus Italien zurück. "Eigentlich wollte ich nur ein Spiel nach dem anderen gewinnen und die Spieler Woche für Woche besser machen, sagte der 64-Jährige auf der Klub-Homepage.

Lineker muss Wettschulden einlösen

Dass der 5000:1-Außenseiter tatsächlich seinen ersten Meistertitel gewinnen konnte, wird auch einen ungewöhnlichen Dresscode für TV-Moderator Gary Lineker nach sich ziehen. Der einstige englische Nationalspieler und Leicester-Profi muss nun eine Sendung in einem eigenwilligen Outfit leiten - obenherum im Jackett, unterhalb der Gürtellinie in Unterhose. Das hatte er im Dezember noch etwas unbedacht angekündigt, für den Fall, dass Leicester wirklich die Meisterschaft gewinnen sollte.

Als wahrer Patriot entpuppte sich Ranieris Landsmann Renzi, Italiens Ministerpräsident. "Das ist die größte Leistung in der Geschichte des englischen Fußballs und die hat ein Italiener vollbracht", twitterte der Politiker voller Pathos.

Einige Hundert Fans hatten sich auch in Bangkok versammelt, um den Leicester-Triumph gebührend zu feiern. Der Klub ist bekannt in Thailand, seit der einheimische Duty-Free-Geschäftsmann Vichai Srivaddhanaprabha vor sechs Jahren die Mehrheitsanteile übernommen hat.

Und so begleiteten das Team auch in der Stunde des Titelgewinns die guten Wünsche von Phra Prommangkalachan, einem buddhistischen Mönch aus der Entourage des Klubbesitzers. "Ich habe für die Spieler gebetet, aber der Erfolg kam nicht von mir, sondern von ihnen selbst", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Ein Erfolgsgeheimnis verriet derweil Stürmer Andrej Kramaric vom abstiegsbedrohten Bundesligisten 1899 Hoffenheim. Der kroatische Nationalspieler wechselte in der Winterpause von Leicester ins Kraichgau. "Die Atmosphäre im Team ist außergewöhnlich, einfach fantastisch. So eine Gruppe habe ich noch nie erlebt, es gab nie Eifersüchteleien", sagte der 24-Jährige dem Vereinsmagazin "Spielfeld".

Kramaric kam in der Vorrunde bei den Foxes immerhin zu zwei Einsätzen, nach dem letzten Saisonspiel am 15. Mai beim FC Chelsea will der Angreifer mit seinen Ex-Kollegen feiern. In Leicester selbst ist eine offizielle Zeremonie nach dem letzten Heimspiel am Samstag gegen den FC Everton geplant.

Und spätestens dann wird so mancher Buchmacher auf der wettverrückten Insel finanziell schwer zur Ader gelassen. Denn immerhin zwölf Fans hatten zu Saisonbeginn tatsächlich auf den Leicester-Titel gewettet und erhalten für ein Pfund (ca. 1,27 Euro) nun 5000 Pfund (6.332 Euro) zurück. Soviel Geld hätte ihnen nicht einmal eine Wette darauf eingebracht, dass Weihnachten der wärmste Tag des Jahres wird...

(areh/sid)
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