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Premier League
Van Gaal bei ManUnited entlassen – Mourinho wohl Nachfolger

Das ist Louis van Gaal
Das ist Louis van Gaal FOTO: AP
Manchester United trennt sich von Teammanager Louis van Gaal, Nachfolger soll José Mourinho werden. Damit käme es zum pikanten Wiedersehen mit Intimfeind Pep Guardiola.

Pep Guardiola und José Mourinho - das Duell der "ziemlich besten Feinde" könnte ab 1. Juli in die nächste Runde gehen. Als Manchester United am Montagabend wie erwartet das vorzeitige Ende der Ära Louis van Gaal verkündete, fehlte nur noch die Bestätigung, dass Mourinho der Nachfolger wird. "Eine Entscheidung wird in Kürze bekannt gegeben", teilte der Klub hierzu mit.

"Es war mir eine Ehre, einen derart großartigen Klub wie Manchester United zu trainieren", erklärte van Gaal, der von der "Erfüllung eines lange gehegten Traums" sprach, nach Spitzenklubs in seiner Heimat Niederlande (Ajax Amsterdam) sowie Spanien (FC Barcelona) und Deutschland (Bayern München) auch einen großen englischen Klub trainieren zu dürfen. Zugleich sei er aber auch "sehr enttäuscht, dass ich meinen Dreijahresplan nicht erfüllen konnte." Geschäftsführer Ed Woodward dankte für "exzellente Arbeit in den letzten zwei Jahren" und bescheinigte van Gaal "große Professionalität". 

Doch dies pfiffen die Spatzen in Manchester bereits von den Dächern. Und sollte Mourinho denn auch tatsächlich als der kommende Manager vorgestellt werden, würden sich die beiden großen Trainerpersönlichkeiten wieder bekämpfen - in derselben Liga, derselben Stadt! Guardiola hatte sich im Februar bis 2019 an City gebunden.

Mit der Wiederbelebung der alten Feindschaft der beiden schillernden Figuren komme "die Krankheit nach Manchester", schrieb das spanische Sportblatt Marca, die harte Rivalität zwischen den Antagonisten werde die Atmosphäre in der Premier League wie einst in Spanien vergiften.

Dort hatten sich Mourinho und Guardiola mit Real Madrid und dem FC Barcelona epische Schlachten geliefert, die der Portugiese mit seinen Spielchen würzte. Negativer Höhepunkt war das Halbfinale in der Champions League 2012, als Mourinho seinem Kontrahenten vorwarf, dieser würde die Schuld für Niederlagen stets bei Schiedsrichtern suchen. Der emotional meist kontrollierte Guardiola konterte mit einer legendären Pressekonferenz, in der er Mourinho "el puto jefe" nannte, was mit "der verdammte Boss" noch nett übersetzt ist.

Dass sich der heute 45-Jährige am Ende jener Saison ausgelaugt zurückzog, soll auch mit Mourinho zu tun gehabt haben. Nach einem Jahr Pause ging er zum FC Bayern, wo er im Uefa-Supercup gleich auf Mourinho traf - und im Elfmeterschießen siegte. Es war das bislang letzte von 16 Duellen (7:3 für Guardiola).

Nicht nur wegen der zu Konkurrenz mit City würde Mourinho beim englischen Rekordmeister eine Herkulesaufgabe erwarten. Hinter United liegt trotz des FA-Cup-Triumphs am vergangenen Samstag eine alptraumhafte Saison. Die Spieler litten massiv unter van Gaals Zwangsjackenfußball, standen kurz vor der Meuterei.

Kapitän Wayne Rooney und Co. erzielten gerade einmal 49 Tore - weniger hatte United zuletzt vor 26 Jahren auf dem Konto. Keine Mannschaft spielte häufiger 0:0 oder 1:0, 14 Teams schossen häufiger aufs Tor, nur drei spielten weniger Chancen heraus. Qualifikation zur Champions League: verpasst!

Van Gaal gab in zwei Jahren über 250 Millionen Pfund (323 Mio. Euro) für neue Stars aus, doch kaum einer funktionierte, auch Schweinsteiger nicht. "90 Prozent" der Spieler müssten gehen, sagte eine "wichtige Figur" des Klubs dem Guardian. "Ich bin enttäuscht, dass ich meinen Dreijahresplan nicht erfüllen konnte", sagte van Gaal in einer Erklärung auf der Klub-Homepage, "vielleicht kann der Pokalsieg die Grundlage dafür sein, wieder die Erfolge zu holen, die sich die Fans so wehr wünschen."

Mourinho stünde hierfür angeblich eine mit 200 Millionen Pfund (260 Mio. Euro) gefüllte "Kriegskasse" zur Verfügung. Er soll schon erste Kontakte aufgenommen haben - laut schwedischen Quellen auch zu Superstar Zlatan Ibrahimovic, noch so einem Guardiola-Gegner.

United-Legenden wie Paul Scholes oder Rio Ferdinand sowie die Fans, die van Gaal am Samstag trotz des Pokalsiegs ausbuhten, sehnen sich zurück zum Abenteuerfußball der Ära Ferguson. Van Gaals Mannschaft werde als eine der "unansehnlichsten" seit langer Zeit in Erinnerung bleiben, schrieb der Guardian. Ob das unter Chef-Zyniker Mourinho anders werden würde, bliebe abzuwarten.

(areh/sid)
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