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ManCity kauft sich eine neue Abwehr
Guardiolas Kaufrausch mit Kalkül

Manchester City: Pep Guardiola befindet sich im Kaufrausch mit Kalkül
Pep Guardiola will mit Manchester City Titel gewinnen. FOTO: rtr, mb
Düsseldorf. Manchester City ist nicht als Ausbildungsklub bekannt. Seit Jahren schon steckt ein Scheich Millionen in den Fußballklub. Doch das viele Geld wird beileibe nicht immer clever investiert. Das ist in diesem Sommer anders: Hinter den Transfers steht eine Idee. Von Denis Canalp

Die beispiellose Einkaufstour der Mannschaft von Trainer Pep Guardiola setzt sich fort. Nachdem schon Torhüter Ederson (Benfica Lissabon) für 40 Millionen Euro und Rechtsverteidiger Kyle Walker (Tottenham Hotspur) für 51 Millionen Euro verpflichtet wurden, kommen nun Rechtsverteidiger Danilo für 30 Millionen Euro von Real Madrid und Linksverteidiger Benjamin Mendy für 57 Millionen Euro vom AS Monaco. Die Liste der Zugänge in diesem Transfersommer wird durch das brasilianische Talent Douglas Luiz (Vasco da Gama/12 Millionen) und Mittelfeldspieler Bernardo Silva (Monaco/40 Millionen) komplettiert, City kommt damit auf die stattliche Transfersumme von 230 Millionen Euro. Auf der Einnahmenseite stehen dagegen bislang gerade einmal 41 Millionen Euro, das türkische Talent Enes Ünal ist der teuerste Abgang des Teams, wechselte für 14 Millionen Euro zum FC Villarreal nach Spanien.

Großer Name, kleine Leistung

Doch hohe Transferausgaben sind in Manchester nicht neu. Zumindest nicht seit Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan 2008 ein neues Spielzeug suchte und den Klub für rund 400 Millionen US-Dollar kaufte. In den vergangenen zwei Saisons gab City jeweils 213 Millionen Euro auf dem Transfermarkt aus. Neu ist jedoch, dass das ganze Geld nicht sprichwörtlich aus dem Fenster geworfen, sondern mit Verstand investiert wird. Jahrelang verfuhr man bei Manchester City nach einem einfachen Transferprinzip: Der neue Spieler musste viel kosten und einen guten Namen in der Fußballbranche besitzen. Ob der Spieler auch ins Profil passte oder ob es Bedarf auf seiner Position gab, war lange zweitrangig. Vor allem Offensivspieler kamen zu den "Citizens", nur die wenigsten setzten sich aber dauerhaft im Nordwesten Englands durch.

Der Baske Txiki Begiristain trat im Oktober 2012 seinen Job als Sportdirektor beim neureichen Klub an, um dies zu ändern. Der frühere Mittelfeldspieler des FC Barcelona sollte sein spanisches Netzwerk nutzen, um junge Talente anzulocken und Strukturen von Barca auf City übertragen. Doch erst seit der Wiedervereinigung mit seinem früheren Mitspieler Guardiola in Manchester ist ein echtes Konzept bei der Verpflichtung von Spielern zu erkennen. Zwar bedient sich City immer noch im obersten – und damit teuersten – Regal des Supermarktes, doch mit den Transfers werden sukzessive die Schwachstellen des Kaders verbessert.

Neues Personal für die Schwachstellen

Guardiolas ManCity spielte über weite Teile in der abgelaufenen Saison der englischen Premier League schon den besten und attraktivsten Fußball. Aber eben nicht den erfolgreichsten. In Peps Premierensaison in Manchester landete City hinter dem FC Chelsea und Tottenham Hotspur nur auf Platz drei. Im Spiel nach vorne überzeugte Guardiolas Team bereits, doch die Defensive präsentierte sich in den entscheidenden Momenten oft zu wackelig. Individuelle Patzer von Torwart-Routinier Claudio Bravo und Innenverteidiger-Talent John Stones, vor einem Jahr für 55 Millionen Euro vom FC Everton gekommen, waren mehr Regel als Ausnahme. Die Außenverteidiger Aleksandar Kolarov, Gael Clichy und Bacary Sagna hatten schlichtweg nicht die Klasse, um Guardiolas hohe Erwartungen zu erfüllen und wurden folgerichtig ausgetauscht. In der kommenden Saison sollen nun Keeper Ederson, Linksverteidiger Mendy, Rechtsverteidiger Walker, Innenverteidiger Stones und Kapitän Vincent Kompany ein Bollwerk bilden – das Fundament für Guardiolas atemberaubenden Offensivfußball.

Dass in der Offensive die Post abgeht, scheint ohnehin sicher. Auf der offensiven Außenbahn wird Bernardo Silva mehr Konstanz zugetraut als den bisweilen noch in ihren Leistungen schwankenden Leroy Sané und Raheem Sterling. Ilkay Gündogan wird in der Mittelfeldzentrale nach seiner erneuten Verletzung intern ebenfalls als Zugang betrachtet. Zudem sind die umtriebigen Künstler Kevin De Bruyne und David Silva weiterhin in der Kreativzentrale der Citizens vertreten. Im Angriff sollen sich der brasilianische Olympiasieger Gabriel Jesus und der Argentinier Sergio Agüero ein Duell auf Augenhöhe liefern. Ein Duell, das Spannung verspricht. Auch, weil Guardiola den brasilianischen Youngster als Spielertyp bevorzugt, Agüero aber bei den City-Anhängern aufgrund seiner verlässlichen Trefferquote der vergangenen Jahre (122 Treffer und 36 Vorlagen in 181 Premier-League-Spielen) den Status einer lebenden Legende innehat.

Doch dieses Luxusproblem lässt Guardiola in aller Ruhe auf sich zukommen. Weil er weiß, dass er die Basis für den Erfolg auf dem Transfermarkt gelegt hat. Nach seiner titellosen Premierensaison greift der Katalane jetzt nach der Meisterschaft. Der Titel wäre für den charismatischen Trainer wohl höher einzustufen als die nationalen Erfolge mit dem FC Barcelona und dem FC Bayern, da er in Manchester seine Mannschaft mehr formen muss. Guardiola arbeitet daran. Mit viel Geld, aber auch mit viel Verstand.

 
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