Englische Premier League: ManCity: Mit Dzeko zum Titel?
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 12.01.2011 - 08:52Düsseldorf (RP). Mit dem früheren Torjäger des VfL Wolfsburg will das Team aus Manchester endlich wieder aus dem Schatten des übermächtigen Stadtrivalen United treten. In die Spitze der englischen Premier League ist viel Bewegung gekommen. Derzeit schwach: Chelsea und Liverpool.
Thomas Schaaf ist so etwas wie der Methusalem unter den Trainern der Bundesliga. Gemeint ist nicht sein Alter (49), sondern die Dienstzeit bei einem einzigen Verein. Seit fast zwölf Jahren ist er Coach von Werder Bremen. Angesichts der häufigen Trainerwechsel in der Fußballbranche mutet diese Zeit wie eine Ewigkeit an. Alex Ferguson (69) indes übertrifft Schaaf noch weit. Er ist mehr als doppelt so lange Trainer von Manchester United. Seit November 1986 hat er bei den Red Devils das Sagen. Als Teammanager, wie man auf der Insel seinen Job nennt.
Schon elfmal gewann Sir Alex mit United den Meistertitel, fünfmal den FA-Cup und – Glanzlichter seiner Karriere – zweimal die Champions League. Die roten Teufel sind das Maß aller Dinge im englischen Fußball. Und selbstverständlich in der Stadt. Jetzt aber haben sie in der Nachbarschaft einen ernst zu nehmenden, ehrgeizigen Konkurrenten bekommen: Manchester City. Der Klub, der jahrzehntelang im Schatten des übermächtigen Lokalrivalen stand, will im Fußball-Mutterland die Nummer eins werden. Und der frühere Wolfsburger Torjäger Edin Dzeko, soeben für 34 Millionen Euro zu den Citizens gewechselt, soll ihm den entscheidenden Schub geben.
Dreigestirn mit Tevez und Balotelli
Noch beherrscht das Team von Alex Ferguson das Geschehen in der Premier League, auch in dieser Saison will es erfolgreich die Rolle des Fußball-Stadtoberhaupts verteidigen. Der Spitzenreiter und Rekordmeister (gemeinsam mit dem FC Liverpool/je 18 Titel) hat zwar zwei Spiele weniger bestritten, dabei aber zwei Punkte mehr als Verfolger Manchester City auf sein Konto gebracht. Dieser, im September 2008 von einer Investorengruppe aus Abu Dhabi um Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan übernommen, greift nun an, mit aller Macht. Das Geld fließt im Überfluss. Die Offensivkraft der Mannschaft dürfte dank Dzeko nun ähnlich stark wie die Angriffswucht von United sein, wenn der Bosnier an der Seite des kraftstrotzenden Argentiniers Carlos Tévez und des talentierten, erst 20 Jahre alten Italieners Mario Balotelli genauso erfolgreich ist wie zu Wolfsburger Zeiten. Neben Dzeko stehen beim zweimaligen englischen Meister auch noch andere ehemalige Bundesligaprofis unter Vertrag: Nigel de Jong, Vincent Kompany und Jerome Boateng. Alle drei spielten früher für den Hamburger SV.
"Es ist ein Traum, in der besten Liga der Welt um den Titel zu spielen. Es ist unglaublich, hier zu sein", sagte Dzeko, der künftig die Rückennummer 10 tragen wird, bei seiner Vorstellung vor etwa 100 Medienvertretern auf dem Trainingsgelände der Citizens: "Es ist ein großer Verein mit einem großen Namen. Aber ich habe keinen Druck. Ich weiß, was ich kann."
"Hoffe, dass Edin den Unterschied macht"
Sein neuer Trainer Roberto Mancini glaubt jeden falls an ihn: "Ich hoffe, dass Edin den Unterschied zwischen Platz eins und Platz zwei ausmacht. Wenn jemand in Deutschland seinen Durchbruch schafft, ist er auch stark genug für die Premier League."
Die Citizens brechen in die Phalanx der großen vier ein, die Englands Ligafußball seit vielen Jahren dominierten und Dauergäste in der Champions League waren: Manchester United, Chelsea London, Arsenal London und FC Liverpool, dessen Tabellensturz auf Platz zwölf von raschen Trainerwechseln begleitet wird. Nach der Trennung von Rafael Benítez im Juni 2010 konnte sich Roy Hodgson kaum mehr als ein halbes Jahr halten. Seit dem vergangenen Wochenende ruhen die Hoffnungen auf Liverpools Fußballlegende Kenny Dalglish. Der heute 59 Jahre alte Schotte wurde als Spieler, Spielertrainer und Teammanager mit den Reds achtmal englischer Meister und dreimal Europacupsieger.
Chelseas Probleme
Nicht ganz so dramatisch ist die Entwicklung beim FC Chelsea. Zumindest noch nicht. Als Michael Ballack, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, in der vergangenen Saison das Trikot der Londoner trug, gewannen die "Blues" Meistertitel und Pokal. Nun liegen sie schon neun Punkte hinter der Spitze, weil ihnen in neun Spielen zuletzt nur noch ein Sieg glückte. "Sie hatten ein einfaches Startprogramm, gegen drei Aufsteiger und drei nicht so starke Mannschaften, und vielleicht haben sie sich von dem guten Start ein bisschen blenden lassen", vermutet Ballack. "Dann kam die schwierigere Phase, in der sie Probleme bekamen. Auch Verletzungsprobleme. Frank Lampard ist lange ausgefallen, John Terry hat immer wieder mal Probleme mit dem Rücken, Ashley Cole mit dem Sprunggelenk."
In Ballack, Joe Cole, Ricardo Carvalho und Deco ließ Chelsea im Sommer 2010 vier gestandene Profis gehen. "Wir hatten immer einen sehr breiten und sehr ausgeglichenen Kader. Der ist jetzt meiner Meinung nach nicht mehr ganz so bestückt, eher mit jungen Spielern", betont Ballack, der nach langer Verletzungspause bei Bayer Leverkusen sein Comeback in der Bundesliga anstrebt. "Man sieht: Wenn mal der eine oder andere Spieler aus der ersten Reihe eine Ruhephase braucht, ist es nicht so einfach, jeden eins zu eins zu ersetzen. Im letzten Jahr war es einer unserer Vorteile, dass wir rotiert und immer wieder mal vier, fünf Spieler problemlos ersetzt haben." Der 34-Jährige fügt hinzu: "Ich denke trotzdem, dass Chelsea immer noch ein sicherer Kandidat für die Champions League ist, wenn es sich wieder gefangen hat. Die Qualität ist auf jeden Fall da."
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