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Bournemouth steigt sensationell auf
Präsident wird nach dem "Wunder" zum wahren Feierbiest

Bournemouth steigt sensationell auf: Präsident wird nach dem "Wunder" zum wahren Feierbiest
Jeff Mostyn feierte in der Kabine mit seinen Spielern. FOTO: Screenshot Youtube
Hamburg/Bournemouth. Als Louis van Gaal sagte, er sei ein "Feierbiest", kannte er Jeff Mostyn noch nicht. Der Präsident des Premier-League-Aufsteigers AFC Bournemouth lässt es richtig krachen.

Nach dem "Wunder von Bournemouth" rastete Mostyn förmlich aus und tanzte wie aufgezogen mit halbnackten Spielern. Das Video der Kabinen-Party avancierte in Minuten zum absoluten Renner im Internet. Hinterher trank der Macher der Sensation in den Pubs der Stadt noch bis in die frühen Morgenstunden literweise Bier.

"Wir waren am Ende, wir lagen schon auf dem Sterbebett", sagte Mostyn, der dem Komiker Didi Hallervorden verblüffend ähnlich sieht, über die spektakuläre Reise seines Klubs. Nächstes Jahr spielt der Provinzklub gegen Mesut Özil, Wayne Rooney oder Chelsea-Trainer Jose Mourinho. "Das ist unglaublich, ich bin so stolz", sagte Mostyn.

Dass die "Cherries" (Kirschen) ihren Drei-Punkte-Vorsprung plus ein um 19 Tore besseres Torverhältnis am Samstag im letzten Saisonspiel noch hergeben, gilt als ausgeschlossen. Und so verzaubert das Märchen des einstigen Pleiteklubs schon jetzt ganz Fußball-England.

"Wir sind für alle Fans die perfekte Fußball-Geschichte", sagte Mostyn: "Wir geben allen Klubs Hoffnung, dass man es aus der Vergessenheit in die Premier League schaffen kann."

Der Weg in den Glamour hätte für den Verein aus dem Süden nicht steiniger sein können: 1997 retteten erst Fans mit Sammelbüchse ihren Verein vor dem finanziellen Kollaps. 2008 schien die Insolvenz nach skurrilen Geschäftspraktiken endgültig unausweichlich. Erst im allerletzten Moment erhielt der klamme AFC dank einer Geldspritze des neuen Chefs Mostyn die Spielgenehmigung vom Verband - aber auch 17 Minuspunkte als Strafe. Dem damaligen Viertligisten drohte der Sturz in die fünfte Liga.

"Es passieren noch Wunder", sagte Trainer-Ikone Harry Redknapp, der selbst für die "Cherries" in 464 Spielen auf der Trainerbank saß und brachte den neuen Erfolgscoach Eddie Howe schon einmal als Bürgermeister ins Gespräch.

Howe übernahm Bournemouth 2009. Der erst 37-Jährige stoppte die rasante Talfahrt und reiht seitdem Aufstieg an Aufstieg. Der Sprung in die Premier League ist das Meisterstück des auf der Insel heißbegehrten Trainers. Fußballidol Gary Lineker kürte ihn in Anspielung auf Mourinho gar zum neuen "Special One". Wie Mostyn kann es auch Howe noch nicht fassen, was gerade in Bournemouth passiert: "Es ist keine sechs Jahre her, da lagen wir noch mit den Knien am Boden. Unglaublich."

Sieben Jahre nach dem Beinahe-Bankrott ist der Klub heute kerngesund - dank eines russischen Öl-Milliardärs. Doch Maxim Demin lässt sich sein Spielzeug lange nicht so viel kosten wie andere Investoren, das Team ist bis auf den polnischen Nationaltorhüter Artur Boruc eine No-Name-Truppe. Und nun sprudeln die Millionen erst so richtig. Die Vereinskasse wird dank der rund 170 Millionen Euro jährlich aus dem neuen Fernsehvertrag in England prall gefüllt. Mit dem frischen Geld soll das "Goldsands Stadium" von 11.700 auf 15.000 Plätze aufgestockt werden - immerhin so groß wie das Stadion in Paderborn.

(sid)
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