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Meister mit den "Foxes"
Huth ist eine der vielen Erfolgsgeschichten von Leicester

Robert Huth ist eine der vielen Erfolgsgeschichten von Leicester City
Das letzte Spiel für den DFB bestritt Huth 2009. FOTO: aP
Leicester. Der gebürtige Berliner und seine Teamkollegen von Leicester City feiern die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte von der Couch aus. Für den ehemaligen deutschen Nationalspieler ist es bereits der dritte Titel auf der Insel. Von Sebastian Bergmann

Arm in Arm stehen die Fußballer von Leicester City im Wohnzimmer von Torjäger Jamie Vardy und starren gebannt auf den TV-Bildschirm. Als Schiedsrichter Marc Clattenburg die Partie zwischen dem FC Chelsea und Leicesters ärgstem Verfolger Tottenham Hotspur (2:2) abpfeift, ihnen der Vorsprung in der Tabelle nicht mehr zu nehmen ist, kennt der Jubel des neuen englischen Meisters keine Grenzen mehr. Wie kleine Kinder fallen die Sensations-Sieger übereinander her, schreien, kreischen und springen wild durch die Gegend. Der Ex-Schalker Christian Fuchs zeigte bei Twitter die Jubelszenen. Mittendrin: Robert Huth, 31 Jahre, ehemaliger deutscher Nationalspieler. Er ist eine der vielen Erfolgsgeschichten, die das wahrgewordene Fußball-Märchen aus Leicester in dieser Spielzeit hervorgebracht hat. Für den Berliner war es zwar nicht die erste Meisterschaft in England. Aber die wohl schönste.

Twitter: Solche Geschichten schreibt nur der Fußball

Zwei Tage nach seinem 16. Geburtstag hatte sich Huth 2001 auf den Weg von seiner Heimatstadt nach London gemacht, um Fußball-Profi zu werden. Die Anfangszeit war nicht leicht, viele Freunde hatte der Jugendliche aus Marzahn zu Beginn nicht. Auf dem Platz fühlte sich der damals schon für seine starke Physis bekannte Deutsche aber gleich wohl, überzeugte seine Trainer mit gutem Auge und kompromisslosem Spiel. Die starken Leistungen in der Jugend des FC Chelsea blieben auch beim damaligen Cheftrainer Claudio Ranieri - dem jetzigen Meistermacher von Leicester City - nicht unbemerkt. 45 Minuten ließ er den Nachwuchsverteidiger in seiner ersten Saison bei den Profis in der Premier League ran, zwei Einsätze waren es im Jahr darauf. Nachdem der russische Milliardär Roman Abramowitsch den Hauptstadtklub 2003 gekauft und zu einem Meisterschaftsanwärter geformt hatte, war Huth noch immer da.

2004 und 2005 gewann die fortan von José Mourinho trainierte Star-Truppe aus London die Premier League. Über die Rolle des Ergänzungsspielers kam der Deutsche beim FC Chelsea jedoch nicht mehr hinaus. In den Meisterjahren absolvierte er jeweils nur weniger als die Hälfte der Spiele. In der Nationalmannschaft war der kantige Verteidiger jedoch schon angekommen. Jürgen Klinsmann hatte den damals 20-Jährigen gleich in seinem ersten Spiel als Bundestrainer eingesetzt. Beim Konföderationspokal 2005 in Deutschland, bei dem die DFB-Elf Dritter wurde, gehörte Huth zum Stammpersonal. Mit langgezogenen "Huuuuuuuuuuth!"-Sprechchören begleiteten die Zuschauer jeden Ballkontakt des Hünen. Der 1,91-Meter-Mann hatte im Vorlauf des Sommermärchens Kultstatus erreicht.

Pressestimmen: "So Good!" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Nach der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, bei der Huth zwar zum Kader gehörte, ihm aber meist nur die Zuschauerrolle blieb, wurde es allmählich still um das Abwehrtalent. Mit der Aussicht auf mehr Spielpraxis als beim FC Chelsea wechselte Huth 2007 in den Nordosten Englands nach Middlesbrough. Beim dortigen FC steigerte er sich von Jahr zu Jahr und schaffte in seiner letzten Spielzeit dort den Durchbruch. Stoke City wurde 2009 auf den Deutschen aufmerksam und verpflichtete ihn für sieben Millionen Euro. Sechs Jahre verbrachte er schließlich dort, wurde endlich Stammspieler. Erst als er nach einer Verletzung nicht mehr den Weg zurück in die Anfangsformation fand, schaute sich Huth nach einem neuen Verein um - und wechselte zur Rückrunde der vergangenen Saison zum damaligen Schlusslicht Leicester City.

Mit dem Klub des thailändischen Besitzers Vichai Srivaddhanaprabha gewann er anschließend sieben der letzten neun Spiele und hielt souverän die Klasse. Jetzt, ein Jahr später, ist er Stammspieler, Anführer und Publikumsliebling in einer Mannschaft, die für eine der größten Überraschungen im europäischen Vereinsfußball jemals gesorgt hat. Nationaltrainer Joachim Löw scheint trotz der überragenden Leistungen in der Premier League keine Verwendung mehr für "The Berlin Wall" zu finden. Das letzte Spiel für den DFB bestritt Huth 2009. Damals siegte die Löw-Elf mit 7:2 bei den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Quelle: RP
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