Einst Superstar, jetzt am Abgrund: Ex-Profi Gascoigne wollte sich umbringen
VON NICO KARRASCH - zuletzt aktualisiert: 05.05.2008 - 11:44London (RPO). Er war das Vorbild für eine nachwachsende Fußballergeneration in England, nun scheint Ex-Profi Paul Gascoigne komplett am Ende zu sein: Im Londoner Millenium-Hotel drang die Polizei in sein Zimmer ein und fand den 40-Jährigen in der Badewanne liegend. Er hatte offenbar vor, sich umzubringen.
Dies berichtet die englische Boulevard-Zeitung "The Sun". Gascoigne, der für seine Alkohol- und Drogeneskapaden bekannt ist, checkte im Hotel mit kahlrasiertem Schädel ein und bestellte wenig später ein Steak über den Zimmerservice. Der nach Berichten der Hotelangestellten offensichtlich verwirrte Ex-Star rief kurze Zeit später noch einmal in der Lobby an: er brauche das Steak nicht mehr, nur noch das Messer.
Besorgte Mitarbeiter informierten die Polizei, die daraufhin in sein Zimmer eindrangen und ihn aus der Badewanne holten. Zuletzt war Gascoigne im Februar nach tagelangem Drogen- und Alkoholkonsum wegen Suizidgefahr in ein Krankenhaus eingeliefert worden.
Während seiner Karriere, die er unter anderem in Tottenham, Newcastle, bei den Glasgow Rangers und Lazio Rom verbrachte, hatte er schon Alkoholprobleme. Er absolvierte mehrere Entziehungskuren - ohne Erfolg. Auch Mitte 2004 schien Gascoignes Leben nur noch an einem seidenen Faden zu hängen - er wurde mit einem lebensbedrohlichen Magengeschwür ins Krankenhaus eingeliefert, 2007 wiederholte sich der Vorfall.
In seinem 2006 erschienenen Buch "Being Gazza" gestand er: "Meinen ersten Drink hatte ich mit 14. Es war ein dreifacher Wodka. Unkontrolliert wurde das Trinken zur Zeit der WM 1990. Auf einen dreifachen Baileys machte ich Schaum. So dachten alle, ich trinke Cappucino."
Auch Kokain im Spiel
Auch bei Drogen, insbesondere Kokain, griff er gerne zu: "Einmal nahm ich drei oder vier Lines und kaufte dann neun Harley Davidsons. Es kostete mich über 100.000 Pfund. Die nächste Nacht nahm ich mehr Kokain."
Ein nationaler Held der Engländer wurde er bei der WM 1990 in Italien. Im Verlauf des Halbfinals gegen Deutschland bekam Gascoigne die Gelbe Karte, wodurch er automatisch im möglichen Finale gesperrt gewesen wäre. Daraufhin fing er auf dem Platz an zu weinen.
Seine kurze Trainerkarriere war nicht gerade von Erfolg gekrönt: Im Oktober 2005 wurde er Trainer beim englischen Sechstligisten Kettering Town, sechs Wochen später musste er sein Engagement beenden. Der Grund: er soll angeblich wiederholt angetrunken zum Training erschienen sein...
Der früher als Spaßvogel bekannte Gascoigne ist offenbar am Ende. Doch er bleibt seinem Ruf treu: immer, wenn man denkt, die Grenze ist erreicht, setzt er noch einen drauf. Doch eins war Gascoigne immer: ehrlich.
"War mein Leben gut? Nein, verdammt überhaupt nicht", schreibt Gascoigne und wünscht sich: "Ich möchte noch einmal Kind sein. Ich möchte noch mal sieben Jahre alt sein. Ich habe sie (seine Ex-Frau, Anm. d. Red.) geschlagen, ich habe gesoffen und die Kinder vernachlässigt und ich bin darauf alles andere als stolz."
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