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Festnahmen in Zürich
Die Fifa-Regierung wird weiter ausgedünnt

Fotos: Razzia in Schweizer Luxus-Hotel
Fotos: Razzia in Schweizer Luxus-Hotel FOTO: dpa, wb ak jak
Meinung Wir hatten es beinahe schon vergessen. Über alle hochinteressanten Erörterungen um mögliche Schummeleien um das deutsche Sommermärchen, um kaiserliche Verfehlungen und hässliche Verstrickungen der DFB-Spitze gerieten die großen bösen Jungs ein wenig aus dem Fokus. Rechtzeitig zur als Reformkongress angekündigten Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees in Zürich hat die Polizei die dicken Fische wieder ins Zwielicht gezerrt. Von Robert Peters

Die Festnahmen führender Funktionäre des Weltverbandes erinnern sehr an die Strategie der Schweizer Behörden vor einem halben Jahr. Schon damals zerrten Ordnungshüter bedeutende Fußball-Funktionäre in der Nacht aus ihren komfortablen Hotelbetten und versprachen ihnen die Auslieferungshaft in die USA. Die Vorarbeiten hatten im Mai wie jetzt im Dezember US-Ermittler geleistet. Deren Enthüllungen führten nicht nur zu einem vorübergehenden Beben im Weltverband. Denn der Skandal hat nicht nur die "Regierung" des Weltfußballs erreicht, sondern auch deren prominenteste Aushängeschilder. Sepp Blatter, der Präsident, und Michel Platini, dessen lange Zeit erklärter Nachfolgekandidat, sind von der Ethikkommission der Fifa gesperrt. Und weil die internen Ermittler Einsicht in die Erkenntnisse der Behörden in den USA und in der Schweiz haben, droht den Top-Fußballpolitikern mehr als nur eine 90-tägige Schutzsperre.

Hohe Funktionäre sind von US-Gerichten bereits angeklagt. Die neuen Festnahmen stehen in engem Zusammenhang mit gesprächigen Zeugen, die ihre Strafen mit verblüffender Auskunftsfreude zu mildern versuchen. Deshalb war, was in Zürich geschah, sicher nicht das Ende des Skandals.

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Auf den Trümmern dieses Skandals muss sich die Fifa neu aufbauen - in ihren Strukturen, in ihrem Personal und ihrem gesamten Denken. Nie waren Reformen so notwendig. Noch aber weiß niemand, wer die maßgeblich betreiben soll. Denn das Exekutivkomitee, von dem sie ausgehen müssen, ist am Donnerstag erneut personell ausgedünnt worden.

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